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       # taz.de -- Neonazi-Trainings in Berlin: Sportanlage in Pankow nun angeblich nazifrei
       
       > Jahrelang haben in einer Sporthalle an der Rennbahnstraße Neonazis
       > trainiert. Nun sollen sie rausgeworfen worden sein. Antifas melden
       > Zweifel an.
       
   IMG Bild: Neonazis in Berlin – hier bei einer Demonstration der Dritten Wegs in Lichtenberg am 3. Oktober vor vier Jahren
       
       Berlin taz | Marco T. ist fürs Erste nicht unzufrieden. „Wir haben den
       Faschos heute ihr scheiß Training vermiest. Die Halle ist leer“, ruft der
       Aktivist des antifaschistischen Bündnisses „Schaut nicht weg“ am
       Donnerstagabend ins Mikrofon. Etwa 70 Antifaschist:innen sind zur
       Sportanlage Rennbahnstraße im Pankower Ortsteil Weißensee gekommen, der als
       Trainierbasis von Neonazis in die Schlagzeilen geraten ist.
       
       Die Demonstrierenden johlen bei T.s Worten. Selbst die Polizeihunde im
       Zwinger eines Wagens stimmen ein. Und tatsächlich: Wenigstens an diesem Tag
       sind im Sportkomplex keine Kampfsport trainierenden Neonazis zu sehen.
       
       Sonst ist das oft anders. Seit Jahren veranstaltet der Verein TSC Preußen
       97 hier in einer vom Bezirk Pankow bereitgestellten Halle Trainings, an
       denen offenbar organisierte Neonazis teilnehmen. Angeblich ist damit jetzt
       Schluss. Wie der zuständige Pankower Bezirksstadtrat Jörn Pasternack (CDU)
       der taz bestätigt, will der Vereinsvorsitzende des TSC Preußen 97 die
       Neonazis aus dem Verein geworfen haben. Zuerst hatte [1][der Tagesspiegel
       berichtet].
       
       So richtig trauen will dem scheinbaren antifaschistischen Erfolg auf der
       Demo niemand. Marco T. sagt am Rand der Demo zur taz, er gehe davon aus,
       dass der Vereinschef „höchstens ein paar Bauernopfer“ rausgeworfen habe, um
       den öffentlichen Druck abzubauen und die Förderwürdigkeit seines Vereins
       nicht zu gefährden. „Wir wüssten nicht, dass in dem Verein überhaupt
       Nicht-Faschos trainieren“, sagt T. Das Bündnis werde deshalb „die Situation
       weiter beobachten“.
       
       ## Bezirk betont Handlungsunfähigkeit
       
       Tatsächlich ist nicht geklärt, wer denn nun genau rausgeschmissen wurde.
       Sportstadtrat Pasternack sagt, der Vereinschef des TSC Preußen 97 habe ihm
       zugesichert, „die Personen, die 2022 auf Indymedia namentlich genannt
       wurden, aus seinem Verein entfernt zu haben“. Der CDU-Politiker bezieht
       sich damit auf [2][eine damals öffentlich gemachte Antifa-Recherche], nach
       der in dem Verein führende Kader der damaligen NPD, der Identitären
       Bewegung und der AfD gemeinsam trainierten.
       
       [3][Im Sommer wurde schließlich bekannt], dass in der Halle in Weißensee
       mindestens seit 2023 zweimal die Woche Kader der militanten Neonazipartei
       Der Dritte Weg und deren Jugendorganisation Nationalrevolutionäre Jugend
       (NRJ) trainieren. Marco T. fürchtet deshalb, dass genau die einfach weiter
       in der Halle des Bezirks ein und aus gehen können, weil sie in der
       Indymedia-Recherche von 2022 gar nicht vorkamen. Mitglieder des Dritten
       Wegs und der NRJ stehen unter Verdacht, immer wieder politische Gewalttaten
       zu verüben, zum Beispiel im Juli bei einer [4][brutalen Attacke auf
       Antifaschist:innen am Bahnhof Ostkreuz].
       
       Stadtrat Pasternack verweist gegenüber der taz, dass er qua Amt wenig
       ausrichten könne. Es liege „nicht in unserer Zuständigkeit oder Möglichkeit
       zu kontrollieren“, welche Personen letztlich bei dem Verein in Weißensee
       trainierten, so Pasternack. Auch, wer Mitglied im TSC Preußen 97 ist, könne
       das Bezirksamt Pankow nicht bestimmen. Das könne nur auf Missstände
       hinweisen, Gespräche führen und Empfehlungen aussprechen. Außerdem
       kontrolliere man, ob in den bezirklichen Räumlichkeiten rechtsextreme
       Symbole gezeigt werden.
       
       ## Nazikader für den Straßenkampf
       
       Marco T. will solche Ausflüchte nicht gelten lassen. Der Chef des TSC
       Preußen 97 sei „kein netter Opi, der vielleicht ein bisschen naiv ist“,
       sagt er auf der Kundgebung. „Er bildet dort Nazikader für den Straßenkampf
       aus.“ Es sei das Mindeste, dass dem Verein die Gemeinnützigkeit und vor
       allem der Nutzungsvertrag entzogen werde.
       
       Ganz so einfach ist es indes nicht. Der Vertrag wurde 2022 bis 2027
       verlängert – verantwortlich hierfür zeichnete ausgerechnet eine
       Linke-Bezirkspolitikerin: Pasternacks Amtsvorgängerin Dominique Krössin.
       Klar ist, dass der Bezirk aufgrund des bestehenden Vertrags einen
       Rechtsstreit fürchtet. Es aber nicht einmal zu versuchen, sei „billig“,
       findet T.
       
       Auf der Kundgebung am Donnerstag wird auch ein Statement einer queeren
       Vereinssportlerin abgespielt, die auf dem gleichen Gelände trainiert. Die
       Situation sei „ein Schlag ins Gesicht für alle, die gegen Diskriminierung,
       Gewalt und Hass kämpfen“, sagt sie. „Die Nazis trainieren dort in der
       Halle, um uns dann über die Straße zu jagen.“ Doch sie würde dabei nicht
       tatenlos zusehen, queere Menschen hätten schließlich gelernt, sich „ihren
       Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen“. Von der Politik fordert sie nur
       eines: „Steht an unserer Seite!“
       
       29 Nov 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.tagesspiegel.de/berlin/neonazis-haben-offenbar-sportanlage-in-berlin-pankow-verlassen-boxtrainer-hat-kader-des-dritten-weg-angeblich-rausgeworfen-12778952.html
   DIR [2] https://antifa-nordost.org/12869/indymedia-vereint-zuschlagen-gemeinsames-kampfsporttraining-von-npd-ib-und-afd-in-berlin/
   DIR [3] /Rechtsextreme-auf-Berliner-Sportplaetzen/!6028794
   DIR [4] /Neonazi-Attacke-auf-Antifas/!6019369
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Timm Kühn
       
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       weg.