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       # taz.de -- Machtkampf in den Philippinen: Die Vizepräsidentin will den Präsidenten ermorden lassen
       
       > Sara Duterte erklärt, den Auftrag erteilt zu haben, Ferdinand Marcos Jr.,
       > seine Frau und seinen Cousin umzubringen, falls sie getötet werden
       > sollte.
       
   IMG Bild: Da waren sie noch ein trautes Paar auf der Siegerstraße: Sara Duterte und Ferdinand Marcos Jr
       
       Berlin taz | In den Philippinen wird der Machtkampf zwischen den mächtigen
       Familienclans Marcos und Duterte immer bizarrer. In der Nacht zu Samstag
       erklärte Vizepräsidentin Sara Duterte [1][in einer improvisierten
       Pressekonferenz aus dem Haftraum ihrer Stabschefin], dass sie die Ermordung
       von Präsident Ferdinand Marcos Junior, seiner Frau und seines Cousins
       Martin Romualdez in Auftrag gegeben habe.
       
       Romualdez ist der Sprecher des Unterhauses und Dutertes Konkurrent um die
       Nachfolge von Marcos, dessen Amtszeit 2028 endet. Das Parlament spielt bei
       einer möglichen Amtsenthebung Dutertes eine Schlüsselrolle.
       
       In ihrer emotionalen Rede voller Kraftausdrücke sagte Duterte zweimal zu
       ihrem Mordauftrag: „Das ist kein Witz.“ Doch gelte der nur nach ihrer
       eigenen Ermordung. Beweise für ein Mordkomplott gegen sie selbst nannte sie
       nicht.
       
       Im Oktober hatte sie bereits gesagt, [2][sie wünsche manchmal, Präsident
       Marcos den Kopf abzuschneiden] und die Leiche seines Vaters – des Diktators
       Ferdinand Marcos Senior – auszugraben und ins Meer zu werfen.
       
       ## Sara Duterte fürchtet offenbar Amtsenthebung
       
       Anlass für Dutertes neue Drohung war die zuvor vom Kongress verordnete
       Beugehaft gegen [3][ihre Stabschefin Zuleika Lopez]. Das Unterhaus hatte
       die enge Duterte-Vertraute vorgeladen, um zu Vorwürfen der Veruntreuung
       öffentlicher Mittel durch Duterte auszusagen, was zu einem von manchen
       angestrebten Amtsenthebungsverfahren führen könnte.
       
       Lopez soll sich in der Anhörung aber als absolut ahnungslos gegeben haben,
       was die Abgeordneten ihr nicht abnahmen und darauf Beugehaft anordneten.
       Lopez brach während Dutertes Pressekonferenz in deren Anwesenheit in ihrer
       Zelle zusammen und wurde danach in ein Krankenhaus verlegt.
       
       Im Unterschied zu Dutertes Enthauptungsäußerungen vom Oktober werden die
       Drohungen der Vizepräsidentin jetzt sehr ernst genommen. „Es geht um die
       nationale Sicherheit“, [4][erklärte der nationale Sicherheitsberater
       Eduardo Año]. Marcos’ Personenschutz wurde umgehend verstärkt.
       
       Der Vizesprecher des Parlaments und Romualdez' Stellvertreter nannte die
       Drohungen laut der Tagezeitung [5][Philippine Daily Inquirer]„ein
       abscheuliches Verbrechen“ und einen Verfassungsbruch. Manche sehen Dutertes
       Äußerungen als Ablenkung vom Vorwurf der Zweckentfremdung oder erst recht
       als Grund für eine Amtsenthebung, andere raten ihr, sich in psychiatrische
       Behandlung zu begeben.
       
       ## Präsident und Vize sind getrennt gewählt
       
       In den Philippinen werden das Staatsoberhaupt und sein Vize getrennt
       gewählt und können konkurrierenden Parteien angehören. Wie in der früheren
       philippinischen Kolonialmacht USA, dessen politische System das
       südostasiatische Land zum Großteil übernahm, ist die Vizepräsidentin vor
       allem der Ersatz für das Staatsoberhaupt, sollte dieses nicht mehr amtieren
       können. Im Falle des Todes von Marcos wäre Duterte als sein Nachfolger
       vorgesehen.
       
       Für die Wahl im Mai 2022 hatten sich die Clans von Marcos und Duterte
       verbündet und gemeinsam gewonnen. Marcos wurde Präsident, Duterte wurde
       Vizepräsidentin und saß sogar auch als Bildungsministerin im Kabinett. Sie
       legte den Posten aber im Juni nieder, womit der Bruch zu Marcos deutlich
       wurde.
       
       Da hatte ihr Vater, der bis 2022 Präsident war und bis 30.000 angebliche
       Drogendealer ermorden ließ, schon seit einiger Zeit Tiraden gegen Marcos
       losgelassen. Der ist nämlich offener für eine Kooperation mit dem
       Internationalen Strafgerichtshof, der gegen Rodrigo Duterte ermittelt.
       
       Auch hat Marcos das Land militärisch und politisch wieder näher an die USA
       gerückt, dessen Unterstützung es im Konflikt mit China um die
       Spratly-Inseln braucht. Als Präsident hatte Rodrigo Duterte dagegen
       vergeblich die Annäherung an China gesucht und Washington mehrfach
       brüskiert.
       
       23 Nov 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.rappler.com/newsbreak/inside-track/how-sara-duterte-midnight-briefing-unfolded-amid-aide-detention-transfer-order/
   DIR [2] https://www.nytimes.com/2024/10/22/world/asia/duterte-marcos-philippines-feud.html
   DIR [3] https://www.rappler.com/newsbreak/in-depth/who-is-zuleika-lopez-sara-duterte-chief-of-staff/
   DIR [4] https://newsinfo.inquirer.net/2008630/nsc-all-threats-to-marcos-are-a-matter-of-national-security?utm_source=(direct)&utm_medium=gallery
   DIR [5] https://newsinfo.inquirer.net/2008612/house-leaders-probe-vp-dutertes-kill-order-vs-president-marcos?utm_source=(direct)&utm_medium=gallery
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Sven Hansen
       
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