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       # taz.de -- Bürgerkrieg in Syrien: Rebellen erobern weitere Stadt
       
       > Syriens HTS-Kämpfer vertreiben Assads Soldaten aus Hama und nähern sich
       > Damaskus. Aus Angst vor Islamisten flohen derweil viele Kurd*innen aus
       > Aleppo.
       
   IMG Bild: Ein Kollege betet am Grab des syrischen Fotografen Anas Alkharboutli, der bei einen Luftschlag nahe Hama getötet wurde
       
       Berlin taz | In Syrien haben die Rebellen, die am vergangenen Wochenende
       [1][die Millionenstadt Aleppo erobert hatten], am Donnerstag auch die Stadt
       Hama eingenommen. Die Regierungsarmee von Machthaber Baschar al-Assad
       bestätigte die Übernahme. Die Soldaten seien aus der Stadt abgezogen. Auf
       Videos in sozialen Netzwerken waren jubelnde Rebellenkämpfer beim Einzug in
       die Stadt zu sehen.
       
       Sie hätten Hunderte Insassen aus dem Zentralgefängnis in Osthama befreit,
       sagte Rebellenkommandeur Hassan Abdul Ghani. Es handle sich dabei um vom
       Regime zu Unrecht inhaftierte Gefangene. Die Syrische Beobachtungsstelle
       für Menschenrechte sagte, in dem Gefängnis hätten 3000 Häftlinge
       eingesessen, manche seit 2011.
       
       Die Oppositionskämpfer hatten schon seit Dienstag versucht, Hama
       einzunehmen. In der Nacht [2][unterstützten heftige russische Luftangriffe
       die syrische Armee], die sich aber letztendlich an den Rand der Stadt
       zurückziehen musste. Hama ist die viertgrößte Stadt Syriens und strategisch
       für die Rebellen. Die Kämpfer planen nun, weiter südlich nach Homs
       vorzurücken. Homs ist die drittgrößte Stadt in Syrien. Damit verliert Assad
       wichtige Gebiete, die vormals unter seiner Kontrolle waren.
       
       Die Kämpfer aus verschiedenen bewaffneten Gruppen hatten am Mittwoch
       vergangener Woche mit ihrer gemeinsamen Offensive begonnen. Angeführt
       werden sie von der [3][Hayat Tahrir al-Sham (HTS)]. HTS verfolgt einen
       politisch-sunnitischen Islam. Die Gruppe beherrscht seit 2017 das Gebiet
       Idlib im Nordwesten Syriens. Dorthin mussten viele oppositionelle Milizen
       und Zivilist*innen im Syrienkrieg flüchten. Idlib war die letzte
       Gegend, die Assad nicht einnehmen konnte, nachdem er mit Giftgas,
       Fassbomben und Folter, unterstützt von Russland und Iran, die
       Aufständischen in Ostaleppo und anderen Gebieten besiegt hatte.
       
       Vergangene Woche konnten die bewaffneten Aufständischen nach nur drei Tagen
       Offensive Aleppo befreien. Viele Vertriebene kamen unter Freudentränen
       zurück in die Stadt, trafen nach Jahren der Flucht Familienmitglieder
       wieder.
       
       ## Kurden auf der Flucht
       
       Für manche Kurd*innen in Syrien bedeutet die Machtübernahme demgegenüber
       eine massive Bedrohung. Aus Angst vor Islamisten flohen inzwischen
       mindestens 20.000 Kurd*innen aus Aleppo und umliegenden Gebieten in die
       [4][Gebiete der kurdischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien
       (Rojava)]. Nördlich von Aleppo, in der Sheba-Region, greift die Syrische
       Nationalarmee (SNA), eine von der Türkei finanzierte Miliz, die kurdischen
       Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) an. Die SNA-Offensive gegen die
       Kurden läuft unabhängig von der HTS-Offensive gegen das Assad-Regime.
       
       Ein SDF-Sprecher sagte, die protürkischen Kämpfer hätten Menschen auf der
       Flucht angegriffen und misshandelt. Über 120 Fahrzeuge mit Hunderten von
       Zivilist*innen, die versuchten, in kurdisch verwaltete Gebiete im Norden
       und Osten zu fliehen, seien entführt und an einen unbekannten Ort gebracht
       worden.
       
       In der Sheba-Region verharrt die kurdische Bevölkerung in
       Geflüchtetenlagern, seit die Menschen 2018 durch Angriffe der Türkei aus
       ihrer Heimat Afrin an der Grenze zur Türkei vertrieben wurden. Die Türkei
       besetzt das Gebiet seitdem und bombardiert die kurdischen Kantone. 57
       Menschen wurden dieses Jahr in Rojava nach Angaben des Rojava Information
       Center durch türkische Drohnenangriffe umgebracht. Aus Angst vor
       Massenmorden durch die SNA mussten die Menschen nun aus dem
       Geflüchtetenlager in Sheba fliehen, berichtet Kongra Star, der Dachverband
       kurdischer Frauenbewegungen in Syrien.
       
       5 Dec 2024
       
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