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       # taz.de -- Finnischer Vierteiler „Operation Omerta“: Hit aus Helsinki
       
       > Hochdramatische Chose aus dem nicht minder hohen Norden: Beim
       > vielschichtigen Actionthriller „Operation Omerta“ kommt keine Langeweile
       > auf.
       
   IMG Bild: Sylvia (Nanna Blondell) gelingt es, Titov die Waffe zu entreißen und seine Sicherheitsleute unschädlich zu machen
       
       Thorsten Falke kann nichts dafür, er macht nur seinen Job. Seit 2013
       [1][ermittelt der Hauptkommissar], inzwischen im gesamten Norden. Aber
       Falke kommt mir nicht mehr auf den Bildschirm. Denn ich verstehe ihn meist
       schlecht.
       
       Das liegt an Schauspieler Wotan Wilke Möhring, der so oft nuschelt, dass
       mitunter ganze Sätze verloren gehen. Das macht die Spannung kaputt. Und
       Untertitel, bei TV-Ausstrahlung und in der Mediathek durchaus eine
       Alternative (auch bei österreichischen Produktionen), gibt es im
       zugangsgeschützten Pressebereich, wo die neuen „Tatorte“ etc. schon vorab
       für Rezensionen zu sehen sind, nicht.
       
       Eigentlich schade. Geht es doch im [2][„Tatort: Schweigen“] am 1. Dezember
       um 20.15 Uhr in der ARD (und danach in der Mediathek) um ein beklemmendes
       Thema: Kommissar Falke verbringt [3][nach dem Tod seiner Kollegin Julia
       Grosz] eine Auszeit in einem Kloster. Ein Pastor kommt bei einem Brand ums
       Leben, in dessen Nachlass findet sich kinderpornografisches Material.
       
       Ich will hier etwas anderes empfehlen. Die Actionthriller-Serie „Operation
       Omerta“, die als Free-TV-Premiere in Doppelfolgen am 25. November und 2.
       Dezember im ZDF lief beziehungsweise läuft und nach Ausstrahlung vier
       Wochen [4][in der Mediathek verfügbar] ist. Man muss sich also beeilen,
       denn es lohnt sich. Der Vierteiler mit rund 40-minütigen Folgen basiert auf
       dem Bestseller „Die Geiseln“ des finnischen Erfolgsautors [5][Ilkka Remes].
       
       ## Fataler Einsatz
       
       Die hochdramatische Chose beginnt mit einem missglückten
       „Wochenend-Einbruch“ (so heißt die erste Folge), es handelt sich um eine
       Geheimoperation in Tallinn. Der finnische Sicherheitspolizist Max Tanner
       (Jasper Pääkkönen) und seine schwedische Kollegin Sylvia Madsen (Nanna
       Blondell) bilden ein erfolgreiches Team. Jetzt aber entgleitet ihnen die
       Lage: Die beiden steigen in ein Privathaus ein, um einen Rechner zu
       stehlen. Die Familie ist ausgeflogen – angeblich. Der Einsatz endet fatal.
       Madsen erschießt einen Jugendlichen.
       
       Das wirft Fragen auf. Schon in der Einstiegssequenz wechseln ständig die
       Zeitebenen. Wir sehen die beiden im Haus agieren und in Befragungen über
       die Vorgänge in jener Nacht und überhaupt: Wie ist das Verhältnis der
       beiden zueinander? Sind sie nur Kollegen? Freunde? Oder mehr?
       
       Alle vier Folgen werden horizontal erzählt; Die Handlung, vorangetrieben
       vom finnischen Regisseur Aku Louhimies, ist mitunter etwas zu voll gepackt,
       dafür aber langeweilefrei: Der Präsident begeht den Nationalfeiertag
       Finnlands – übrigens der 6. Dezember – mit geladenen Gästen aus dem In- und
       Ausland. Eine Söldnertruppe stürmt den Präsidentenpalast. Es wird viel
       geschossen, es gibt Tote und Geiseln. Doch nur vordergründig geht es den
       Kidnappern um ihre Forderungen nach Lösegeld etc. Die Söldner – und am Ende
       auch die Auftraggeber – haben andere Ziele …
       
       Diese Geschichte um Troll-Fabriken und Desinformationskampagnen, um
       Kriegsverbrechen und illegale Waffengeschäfte sowie um geheimdienstliche
       Graubereiche ist ein Hit. Sie ist rasant erzählt, stylisch gefilmt,
       dynamisch geschnitten und wirkt mitunter wie ein Werbefilm für Helsinki und
       seine Sehenswürdigkeiten. Zeitlich angesiedelt vor dem unlängst erfolgten
       Nato-Beitritt Finnlands geht es zugleich um die damalige Debatte, ob das
       Land dem Militärpakt beitreten sollte oder nicht. Große Fragen in einer
       kleinen, aber feinen Serie.
       
       1 Dec 2024
       
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