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       # taz.de -- +++ Nachrichten im Nahost-Krieg +++: Palästinensischer Islamischer Jihad veröffentlicht Geiselvideo
       
       > Die russisch-israelische Geisel Sasha Trupanov bittet darin um seine
       > Befreiung. Derweil wirft ein UN-Kommittee Israel vor, dass es in Gaza
       > Krieg „mit den Charakteristiken eines Genozids“ führe.
       
   IMG Bild: Schutt und Hassan Nasrallah: Derzeit ein häufiger Anblick in den südlichen Vororten Beiruts
       
       ## „Konsistent mit Merkmalen des Vökermords“
       
       [1][Ein Bericht] des UN-Sonderausschuss zur Untersuchung der israelischen
       Praktiken, die die Menschenrechte des palästinensischen Volkes und anderer
       Araber in den besetzten Gebieten beeinträchtigen – so der vollständige Name
       des Kommitees – wirft Israel vor, dass die Kriegsführung des Landes mit
       „den Merkmalen eines Völkermordes, mit massenhaften Opfern unter der
       Zivilbevölkerung und lebensbedrohlichen Bedingungen, die den Palästinensern
       dort absichtlich auferlegt werden“ konsistent sei.
       
       Seit Beginn des Krieges hätten israelische Offizielle öffentlich eine
       Politik unterstützt, die den Palästinensern das Lebensnotwendige – Nahrung,
       Wasser und Brennstoff – entziehe, so der Ausschuss. „Durch die Belagerung
       des Gazastreifens, die Behinderung humanitärer Hilfe sowie gezielte
       Angriffe und die Tötung von Zivilisten und Mitarbeitern von
       Hilfsorganisationen“ verursache Israel „vorsätzlich Tod, Hunger und schwere
       Verletzungen“ und setzte Hunger als Kriegsmethode ein, so der Bericht. Er
       deckt den Zeitraum von Oktober 2023 bis Juli 2024 ab.
       
       Der Sonderausschuss wurde 1968 – nach der Einnahme des Westjordanlands,
       Ost-Jerusalems und Gazas durch Israel – etabliert. In ihm sitzen Vertreter
       dreier UN-Mitgliedsstaaten, derzeit Malaysia, Senegal und Sri Lanka. Israel
       äußerte sich bisher nicht zu den Vowürfen. Das Land hält der UNO
       seinerseits immer wieder vor, Israel gegenüber voreingenommen zu sein.
       (taz)
       
       ## Islamischer Dschihad veröffentlicht neues Geisel-Video
       
       Die mit der Hamas verbündete Palästinensermiliz Islamischer Dschihad hat am
       Freitag [2][erneut ein Video veröffentlicht], in dem der als Geisel
       genommene Israeli Sascha Trupanov zu sehen ist. Darin fordert der
       29-Jährige den Chef der ultra-orthodoxen israelischen Regierungspartei
       Schas, Arje Deri, dazu auf, seine Befreiung und die der anderen
       verbleibenden Geiseln im Gazastreifen zu erwirken.
       
       Der Islamische Dschihad hatte bereits am Mittwoch ein Video mit Trupanov
       veröffentlicht. Dessen Familie hatte daraufhin bestätigt, dass der Mann in
       dem Video Trupanov sei. Der Islamische Dschihad hatte bereits in den
       Monaten zuvor Videos veröffentlicht, die Trupanov zeigten, unter anderem im
       Mai.
       
       In dem Video vom Mittwoch hatte Trupanov über die in der zweiten
       Septemberhälfte gestarteten israelischen Militäreinsätze im Libanon
       gesprochen sowie über die israelischen Luftangriffe auf den Iran, die sich
       Ende Oktober ereignet hatten. Zudem rief er Israelis vor dem Hintergrund
       der Verhandlungen über eine Waffenruhe im Gazastreifen und die Freilassung
       der Geiseln dazu auf, den Druck auf ihre Regierung zu erhöhen. Sascha
       Trupanov besitzt neben der israelischen auch die russische
       Staatsbürgerschaft. (afp)
       
       ## Israel weist HRW-Vorwürfe zurück
       
       Israel hat [3][Vorwürfe der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch
       (HRW)] entschieden zurückgewiesen, mit seinen wiederholten
       Evakuierungsaufforderungen an die Bevölkerung im Gazastreifen
       „Kriegsverbrechen“ zu verüben. „Die Wortwahl von Human Rights Watch zum
       Verhalten Israels im Gazastreifen ist immer wieder völlig falsch und
       realitätsfern“, erklärte der israelische Außenministeriumssprecher Oren
       Marmorstein am Donnerstag im Online-Dienst X.
       
       HRW hatte in einem am Donnerstag veröffentlichten 172-seitigen Bericht
       unter anderem geschrieben, israelische Entscheidungsträger begingen das
       „Kriegsverbrechen der Zwangsumsiedlung“.
       
       Der israelische Außenministeriumssprecher Marmorstein erklärte hierzu, „im
       Gegensatz zu den Behauptungen im HRW-Bericht ziele das Vorgehen Israels im
       Gazastreifen „ausschließlich auf die Zerschlagung der Terror-Einrichtungen“
       der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas ab – und „nicht auf die
       Bevölkerung im Gazastreifen“. Dies stehe „im Gegensatz zur Hamas“, die
       „Zivilisten als menschliche Schutzschilde“ gebrauche und
       „Terror-Einrichtungen“ in Wohngebieten platziere. Israel werde „weiterhin
       im Einklang mit dem Kriegsvölkerrecht“ handeln. (dpa)
       
       ## USA unterbreiten Waffenruhe-Vorschlag
       
       Die US-Botschafterin im Libanon hat Medienberichten zufolge einen Vorschlag
       für eine Waffenruhe zwischen den israelischen Streitkräften und der
       libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah vorgelegt. Der Entwurf sei dem
       libanesischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri übermittelt worden,
       berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira. Das Papier von
       Botschafterin Lisa Johnson enthalte eine Reihe von Vorschlägen, die noch
       weiter diskutiert werden müssten.
       
       Laut einem Bericht der Jerusalem Post verlangt das israelische Militär
       unter anderem, auch zukünftig gegen die Hisbollah im Libanon vorgehen zu
       dürfen, um eine Wiederbewaffnung der Miliz zu verhindern. Das stößt in
       Beirut auf Ablehnung. „Es ist undenkbar, dass Israel zu jeder Zeit
       zuschlagen darf“, zitierte die Zeitung einen libanesischen Funktionär.
       
       Die mit dem Iran verbündete Hisbollah beschießt Israel seit Beginn des
       Gaza-Krieges vor mehr als einem Jahr mit Raketen. Israel antwortete mit
       massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Auf beiden Seiten der
       Grenze sind Zehntausende Menschen vor den Kämpfen geflohen. „Wir dringen
       deshalb so entschieden auf eine diplomatische Lösung, weil wir Bedingungen
       herstellen wollen, unter denen Zivilisten auf beiden Seiten in ihre Häuser
       zurückkehren können“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Vedant
       Patel. (dpa)
       
       ## 🐾 Radikalisierung in Jordanien: Rekonstruktion eines Anschlags
       
       Am 8. September erschoss ein Mann aus Jordanien am Grenzübergang Allenby
       drei Israelis. Die Ideologien der Hamas werden in der Gesellschaft immer
       tragfähiger, [4][berichtet taz-Reporterin Serena Bilanceri] – und hat sogar
       die Familie des Attentäters besucht.
       
       ## Weitere Luftangriffe in Libanon, Gaza; Raketen auf Israel
       
       In den vergangenen Tagen haben die israelischen Luftangriffe auf die
       südlichen Vorstädte der Hauptstadt Beirut deutlich zugenommen. So forderte
       das Militär [5][über seinen arabischsprachigen Kanal etwa am Freitagmorgen
       Bewohner rund um zwei Gebäude im Viertel Ghobeiry zur Flucht auf]. Ob bei
       dem Angriff Menschen ums Leben kamen, ist bisher nicht bekannt.
       
       Am Tag zuvor wurden bei einem Luftangriff auf ein „Civil Defense Center“
       nahe der ostlibanesischen Stadt Baalbek mindestens zwölf Menschen getötet.
       Nach Angaben lokaler Medien handelte es sich um Rettungskräfte. Auch im
       Südlibanon starben bei einem Luftangriff mindestens fünf Sanitäter,
       berichtet das katarische Medium AlJazeera.
       
       Dass die libanesische Hisbollah-Miliz trotz der israelischen Luft- und
       Bodenoffensive weiter befähigt ist, Israel zu beschießen, zeigte sie am
       Freitagmorgen erneut: Bei Raketenangriffen nahe Haifa wurde wohl eine
       Baustelle getroffen, mindestens ein Mann wurde leicht verletzt.
       
       Auch in Gaza hielten die israelischen Luftangriffe über Nacht an: In Deir
       el Balah, in Zentralgaza, kamen nach Angaben von Al-Jazeera mindestens vier
       Menschen bei Dronenangriffen ums Leben. Auch in anderen Orten in Gaza, etwa
       nahe Rafah, gab es weitere Angriffe. (taz)
       
       ## Besorgnis über humanitäre Lage in Gaza
       
       Kanadas Außenministerin zeigt sich [6][tief besorgt über die katastrophalen
       humanitären Bedingungen] im Gazastreifen und warnt vor dem
       lebensbedrohlichen Ausmaß der akuten Unterernährung. Außenministerin
       Melanie Joly zitierte einen Bericht des Famine Review Committee vom 8.
       November, in dem festgestellt wurde, dass in den Gebieten im nördlichen
       Gazastreifen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Hungersnot herrscht oder
       unmittelbar bevorsteht.
       
       „Dies bedeutet, dass Zivilisten – Männer, Frauen und Kinder – sterben, weil
       nicht genügend humanitäre Hilfe nach Gaza gelangt“, sagte sie in einer
       gemeinsamen Erklärung mit dem Minister für internationale Entwicklung,
       Ahmed Hussen. Der Ausschuss hatte zuvor festgestellt, dass 133.000 Menschen
       im Gazastreifen von einer katastrophalen Ernährungsunsicherheit betroffen
       sind. (rtr)
       
       ## Israels Staatsanwaltschaft: Minister Ben Gvir entlassen
       
       Israels Generalstaatsanwaltschaft fordert den Ministerpräsidenten Benjamin
       Netanjahu auf, die Amtszeit seines [7][Ministers für nationale Sicherheit,
       Itamar Ben-Gvir,] wegen dessen angeblicher Einmischung in
       Polizeiangelegenheiten neu zu bewerten. Generalstaatsanwältin Gali
       Baharav-Miara schickte ein Schreiben an Netanjahu, in dem sie Fälle
       beschrieb, in denen Ben-Gvir offenbar operative Anweisungen gab, die den
       unpolitischen Status der Polizei gefährden.
       
       „Die Kombination aus den wahrscheinlich unangemessenen Eingriffen in
       polizeiliche Aktivitäten und der Abhängigkeit der Polizeibeamten vom
       Minister für ihre Beförderung untergräbt die Möglichkeit, sicherzustellen,
       dass die Polizei aus Loyalität gegenüber der Öffentlichkeit und nicht
       gegenüber der politischen Ebene handelt“, so Baharav-Miara in einer
       Erklärung. Aus dem Büro von Netanjahu war keine unmittelbare Stellungnahme
       zu erhalten. (rtr)
       
       15 Nov 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.ohchr.org/en/countries/palestine/special-committee-reports
   DIR [2] https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&sca_esv=a1c2417e3bcb69eb&q=sasha+trupanov&udm=2&fbs=AEQNm0A6bwEop21ehxKWq5cj-cHaFrx1JueC4NFtj4xnF2YrvSe6_ZIVuMo-rE7KOVwWsQS-rAAKctdH-orFzv2lvHNhW0J0Cz2zMevsibp_UakQvHwHZ17REq-OZzBdAqn61bFfQCO7qIlT_kyC5LyEpC5P-drBS3UTzoWh8ZRcY7fE8RvltmY&sa=X&ved=2ahUKEwjt0JmOwd6JAxU9VvEDHSvKBiAQtKgLegQIGBAB&biw=1400&bih=750&dpr=2#vhid=IbVeMoVf3Awn1M&vssid=mosaic
   DIR [3] /Human-Rights-Watch-zum-Krieg-in-Gaza/!6049270
   DIR [4] /Radikalisierung-in-Jordanien/!6045782
   DIR [5] https://x.com/AvichayAdraee/status/1857275327065551304
   DIR [6] /Krieg-in-Nahost/!6049168
   DIR [7] /Sanktionen-fuer-israelische-Minister/!6029238
       
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