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       # taz.de -- Unbequeme Kleidung: Die Macht der Hosen
       
       > Politik und Wirtschaft sind von unbequemen Hosen geprägt. Das muss sich
       > ändern. Eine neue Hosenkultur könnte viele globale Probleme lösen.
       
   IMG Bild: In dieser Hose steckt der Designer Ralph Lauren, offensichtlich ein glücklicher Mensch
       
       Würde mich jemand fragen, was in diesen schweren Zeiten der Weg zum Glück
       ist, ich hätte in all meiner verbliebenen Weisheit die Antwort parat:
       Bequeme Hosen.
       
       Das Unglück unbequemer Hosen, genderübergreifend, ist in unserer täglichen
       Umwelt augenfällig genug. Nehmen [1][Sie eine U-Bahn in einer deutschen
       Großstadt, sagen wir Berlin], und sehen Sie in diese missmutigen,
       misanthropisch und soziophob gestimmten Gesichter. Und dann (so unauffällig
       wie möglich, wenn das geht) auf die Beinkleider. Dass wir in einer
       Gesellschaft der Schlechtgelaunten leben, ist eine offensichtliche Folge
       unbequemer Hosen.
       
       Oder sehen Sie sich in der Politik um, schauen Sie nur [2][Christian
       Lindner an. Wenn der in seinem Porsche bequemere Hosen getragen] hätte,
       dann hätte der doch nie ein so menschenfeindliches Papier verfasst wie
       neulich erst. Und die Ampel könnte vielleicht immer noch fröhlich vor sich
       hin regieren. Ich glaube, über Friedrich Merz muss ich in diesem
       Zusammenhang erst gar kein Wort verlieren. Und dann denken Sie an [3][das
       „Bündnis“ Sahra Wagenknecht.] Da steckt doch schon im Namen, wie es da
       zwickt und zwackt. Das Problem ist: Bequeme Hosen werden in Politik und
       Wirtschaft nicht gern gesehen.
       
       Oder unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger in Uniform. Ein Blick auf ihre
       Hosen genügt, um zu erkennen, dass man darin nur gewaltbereit sein muss,
       wenn auch im Staatsauftrag. Es heißt schließlich nicht umsonst
       „Stechschritt“. Haha. Wie Sie sehen: Bequeme Hosen inspirieren schon mal zu
       einem netten kleinen Scherz unter Freunden.
       
       ## Männliches Tröpfeldrama
       
       Der Bequeme-Hosen-Diskurs kann aber auch zu Unmut führen, zum Beispiel beim
       Fernsehen. Dort nämlich tritt zwischen zwei SoKo-Teilen immer wieder ein
       Herr hinter einem Aquarium hervor, der offenbar unter Harnverlust leidet.
       Das ist in seinem Alter wohl nichts Ungewöhnliches, die Natur ist
       schließlich nicht so perfekt, wie sie immer tut. Problematisch ist eher,
       dass dieser Herr unbedingt mit mir darüber reden will. Und dann behauptet
       er, dass die Lösung für sein und wer weiß wie vieler Zuschauer Problem im
       Tragen einer „bequemen“ Hose unter der Hose liege, die nicht einmal
       „aufträgt“ – was mich rein optisch nicht wirklich überzeugt. Sieht ein
       bisschen nach BDSM in Ostfriesland aus, aber was weiß denn ich. Ich würde
       dem Herrn ja lieber raten, es einmal mit Yoga zu versuchen.
       
       Aber da kommt schon der nächste Werbespot, in der eine Dame beim Yoga Angst
       hat, dass [4][statt der „positiven Energie“] irgendwas anderes fließt. Zum
       Glück rät ihr eine Freundin zu einer Art Binde, um das Problem zu
       bewältigen. Ein Problem, zwei Geschlechter, zwei Lösungen. Der Mann bekommt
       fürs „Tröpfeldrama“ eine mehr oder weniger bequeme Hose, die Frau eine
       Binde. Was sagt uns das? Ich meine, außer dass man seine Zeit besser
       verbringen kann als vor dem Fernseher.
       
       Die bequeme Hose als Medium von Weisheit und Gelassenheit muss über solche
       Niederungen erhaben sein. Und sie muss, wenn sie neben Glück auch
       Gerechtigkeit vermitteln soll, natürlich genderneutral sein. Übrigens
       sollte man sie in gedeckten Farben, am besten in Schwarz tragen. Sonst
       sieht man aus, als wollte man im besagten Fernsehen ein Kulturjournal
       moderieren.
       
       ## Unbequeme Hosen verstärken den Willen zur Macht
       
       Ich muss natürlich zugeben, dass – wie jede Glücksphilosophie – auch die
       Bequeme-Hosen-Theorie ihre kleinen Haken hat. Es gibt Leute, sagen wir
       Köche in der Systemgastronomie oder pensionierte Grundschullehrerinnen auf
       Campingplätzen, die geradezu beneidenswert bequeme Hosen tragen und
       trotzdem reichlich angespannt und konfligierend auftreten. Oder Kamala
       Harris: bequemst designte Hosen und trotzdem … naja. Es gibt die Theorie,
       dass unbequeme Hosen den (meist männlichen) Willen zur Macht verstärken.
       
       Das wirkliche Problem besteht natürlich darin, dass in diesen schweren
       Zeiten kein Schwein ausgerechnet mich nach dem Weg zum Glück fragen wird.
       Bei dieser Gelegenheit kann ich gern auf die Comic-Serie „Pearls Before
       Swine“ von Stephan Pastis hinweisen, die jedenfalls inspirierender ist als
       manch eine Zeitungsdebatte. Hier hat das Schwein das Geheimnis der bequemen
       Hose vom weisen Esel auf dem Berg.
       
       Da wir [5][gerade bei Comics sind]. Mein hochgeschätzter Freund Alf Mayer
       hat anlässlich der Präsidentenwahl, des 90-jährigen Entenjubiläums und
       eines hübschen Versprechers des Nachrichtenmannes Ingo Zamperoni im
       „Culturmag“ eine Ähnlichkeit zwischen Donald Trump und Donald Duck
       festgestellt. In aller Freundschaft und im Namen von „E.R.P.E.L“
       (Entenhausener Runde für politische Elementar-Logik) möchte ich
       widersprechen: Gewiss, auch unser Donald ist gelegentlich ein „zorniger
       Idiot“, auch er neigt manchmal zu Größenwahn, Rachsucht und Eitelkeit. Und
       auch dieser Donald steht im Dienst des Großkapitals, nämlich der reichsten
       Ente der Welt, Dagobert Duck. Dessen Geldspeicher quillt bekanntlich über,
       während die armen Leute von Kummersdorf sich nicht einmal ein
       Weihnachtsessen leisten können.
       
       Es gibt aber auch fundamentale Unterschiede zwischen den beiden Donalds.
       Donald Duck nämlich ist gelegentlich durchaus zu Einsicht fähig und geht,
       wie man so sagt, in sich (auch wenn das nicht allzu lange anhält), sein
       Verhältnis zum anderen Geschlecht ist eher romantisch als übergriffig, er
       kann ausgesprochen empathisch sein, und ganz, ganz anders als Donald Trump
       ist unser Donald zur Selbstkritik fähig: „Ich bin wirklich eine Flasche!“
       lautet eines seiner berühmtesten diesbezüglichen Bekenntnisse. Und es würde
       ihm nie einfallen, Kummersdorf und andere Opferstätten der Geldgier als
       „Shithole“ zu bezeichnen.
       
       Und noch etwas: Donald Duck trägt die bequemste Hose der Welt. Nämlich gar
       keine. Stellen Sie sich [6][Donald Trump] ohne Hose vor! Der Fall wäre ein
       für alle Mal erledigt.
       
       21 Nov 2024
       
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