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       # taz.de -- Rechtsextreme Fassfabrik muss ausziehen: Zivilgesellschaft vertreibt Rechtsextreme
       
       > Die jahrelangen Bemühungen einer engagierten Stadtgemeinschaft zahlen
       > sich aus: Die rechte Szene verliert ihr Vernetzungszentrum in Hachenburg.
       
   IMG Bild: Das Ende des rechten Spuks: Grossrazzia der Polizei bei rechtsextremen Besuchern der Fassfabrik
       
       Hachenburg taz | Neonazis müssen sich künftig einen anderen Treffpunkt
       suchen. Das rechtsextreme Zentrum „Fassfabrik“ im rheinland-pfälzischen
       Hachenburg ist an eine Investorengruppe verkauft worden, die den
       Kaufvertrag an eine Bedingung knüpfte: Dem rechtsextremen Mieter muss
       gekündigt werden. Er soll bis zum 15. Dezember aus der Fassfabrik
       ausziehen, wie zunächst die [1][Westerwälder Zeitung] berichtete.
       
       Es überrascht jedoch nicht, dass das Zentrum nun geschlossen werden muss:
       Anfang Oktober war die Fassfabrik [2][bundesweit in die Schlagzeilen]
       geraten, als die neonazistische Kleinstpartei „III. Weg“ dort ein
       Kampfsportevent veranstaltete. Rund 130 Personen, darunter Minderjährige
       aus Deutschland und den Niederlanden waren dabei. Die Polizei in Koblenz
       führte eine großangelegte Razzia durch und leitete Ermittlungsverfahren
       ein, unter anderem wegen des Verdachts der Verwendung von Kennzeichen
       verfassungswidriger Organisationen.
       
       Nach Auflösung der Veranstaltung fand im Sitzungssaal der Verbandsgemeinde
       ein „Runder Tisch“ statt, an dem über 150 Hachenburgerinnen und
       Hachenburger sowie der Verein Demos e.V. teilnahmen. Der Verein informiert
       seit 2019 die Öffentlichkeit über die Fassfabrik und engagiert sich gegen
       die rechtsextreme Präsenz in der Stadt. „Nach fünf Jahren harter Arbeit hat
       die Zivilgesellschaft ihr Ziel erreicht: Der Hassfabrik Hachenburg, dem
       selbsternannten „Leuchtturm des Widerstands“ für Neonazis, gehen die
       Lichter aus“, so der Verein in einer Stellungnahme gegenüber der taz.
       
       Man danke allen Menschen, die nicht lockergelassen, sich in Gefahr begeben
       und den Mut aufgebracht hätten, das möglich zu machen. „Wir werden das
       gemeinsam feiern und uns auf die kommenden Kämpfe einstellen. Ein Schritt
       ist getan, viele weitere werden folgen“, hieß es von Demos.
       
       Dass die Fassfabrik nun umziehen muss, erleichtert auch die
       Verbandsgemeinde, die den Runden Tisch mitinitiiert hatte. „Es freut uns,
       dass die Fassfabrik mit dem Eigentümerwechsel der Vergangenheit angehört“,
       sagte Marco Dörner, Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Hachenburg,
       der taz. Für den Runden Tisch, an dem sich die Verbandsgemeinde gerne aktiv
       beteilige, sei dies ein weiterer wichtiger Meilenstein. „Wir sind froh und
       stolz, dass das bürgerschaftliche Engagement Wirkung gezeigt hat und wir
       setzen uns auch weiterhin für ein friedliches und weltoffenes Zusammenleben
       in der Verbandsgemeinde Hachenburg ein“.
       
       ## AfD war Untermieter
       
       Laut dem Landesamt für Verfassungsschutz Rheinland-Pfalz war die Fassfabrik
       in den letzten Jahren ein zentraler Vernetzungsort der rechtsextremen Szene
       in der Region geworden. Die Szene wolle sich mit Hilfe des Zentrums
       regional, aber auch überregional „verwurzeln und lokale
       rechtsextremistische Kräfte gewinnen“, erklärte die Behörde auf Anfrage der
       taz.
       
       [3][Recherchen der taz] Ende Oktober ergaben zudem, dass neben dem „III.
       Weg“ auch die AfD in der Fassfabrik aktiv war. So war der AfD-Kreisverband
       Untermieter in dem rechtsextremen Zentrum. Dokumente, die der taz
       vorliegen, belegen unter anderem Mietzahlungen des Kreisverbandes
       Westerwald in vierstelliger Höhe. Es bestand somit der Verdacht, dass die
       Partei das rechtsextreme Zentrum mitfinanziert hatte. Ein Sprecher des
       Landesverbandes der AfD erklärte auf Anfrage der taz: Der Kreisverband
       Westerwald habe in der Fassfabrik „vorübergehend ein Büro angemietet“. In
       den anderen Räumlichkeiten des Gebäudes hätten wiederholt Veranstaltungen
       stattgefunden, „mit denen wir nichts zu tun haben wollen und auch nichts zu
       tun haben“.
       
       1 Nov 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.rhein-zeitung.de/region/aus-den-lokalredaktionen/westerwaelder-zeitung_artikel,-aus-fuer-rechten-treffpunkt-hachenburg-freut-sich-ueber-verkauf-der-fassfabrik-_arid,2704685.html
   DIR [2] /Polizeieinsatz-in-Rheinland-Pfalz/!6040845
   DIR [3] /Rechtsextremes-Zentrum/!6039004
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Yağmur Ekim Çay
       
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