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       # taz.de -- Serpil Temiz-Unvar: „Seine Angriffe werden weitergehen“
       
       > Der Vater des Hanau-Täters belästigt Serpil Temiz-Unvar, die Mutter eines
       > der Opfer, seit Jahren. Nun wurde er verurteilt. Zu einer Geldstrafe.
       
   IMG Bild: Serpil Temiz-Unvar, die Mutter des ermordeten Ferhat Unvar
       
       taz: Frau Unvar, der Vater des Täters, Hans-Gerd R., belästigt Sie seit
       Jahren, sei es durch Briefe oder indem er Ihre Wohnung aufsucht. [1][Nun
       wurde er zu einer Geldstrafe von 21.600 Euro verurteilt]. Sind Sie mit dem
       Urteil zufrieden? 
       
       Serpil Temiz-Unvar: Ehrlich gesagt bin ich nicht zufrieden, aber wirklich
       überrascht bin ich auch nicht. Das eigentliche Problem ist, dass es in
       Deutschland keine abschreckenden Strafen gibt. Ohne solche Strafen werden
       seine und ähnliche Angriffe weitergehen. Mein Fall hätte als Beispiel
       dienen sollen, um ähnliche Verfahren zu beeinflussen. Das hatte ich
       erwartet, und daher ist dieses Urteil in keinster Weise das, was ich mir
       erhofft hatte.
       
       taz: Was muss sich Ihrer Meinung nach verändern? 
       
       Temiz-Unvar: In solchen Fällen fehlt es an Sensibilität, und das sage ich
       nicht nur für meinen eigenen Fall. Es gibt große Lücken im Justizsystem und
       abschreckende Strafen werden nicht verhängt. Hier geht es um Rassismus und
       Hassverbrechen – Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die wie Terrorakte
       behandelt werden sollten. [2][Der Sohn dieses Mannes hat meinen Sohn
       getötet.]
       
       Weiterhin wird er für seine eigenen Taten weder verhaftet noch hat er eine
       angemessene Strafe erhalten. Viele Menschen, die Ähnliches erleben, zögern
       mittlerweile sogar, die Polizei zu rufen, weil sie das Gefühl haben, es
       lohnt sich nicht, sich durch die ganzen Prozeduren zu kämpfen.
       Hassverbrechen müssen ernsthaft bestraft werden. Die Strafe, die dieser
       Mann jetzt erhalten hat, wird ihn und andere in keiner Weise abschrecken,
       und das wird leider so weitergehen.
       
       Wann war der letzte Kontaktversuch von R.? 
       
       Temiz-Unvar: Zuletzt in diesem Jahr. Er hält sich für Polizei, Richter und
       Anwalt zugleich und schreibt mir weiterhin Briefe. Die letzten Monate habe
       ich keinen erhalten, aber er macht das immer wieder in Phasen – manchmal
       meldet er sich, dann wieder eine Weile nicht.
       
       taz: Sie wohnen in Kesselstadt, wo auch R. wohnt. Haben Sie Angst oder
       darüber nachgedacht, umzuziehen? Sie haben auch einen kleinen Sohn. 
       
       Temiz-Unvar: Ich selbst habe keine Angst. Als ich diesen Weg eingeschlagen
       habe, war ich auf alles vorbereitet und ich bin immer noch bereit für
       alles, was auf mich zukommt. Warum sollte ich jetzt das Haus verlassen, in
       dem mein Sohn gelebt hat? Mein kleiner Sohn leidet jedoch stark darunter,
       er hat das Vertrauen in das System verloren und denkt, dass er selbst
       handeln muss, sich selbst schützen muss. Ihm geht es nicht gut, überhaupt
       nicht gut. Es ist wichtig, dass junge Menschen und Kinder Vertrauen in den
       Staat haben, aber dieses Vertrauen können sie so leider nicht entwickeln.
       
       taz: Sie engagieren sich seit fünf Jahren in der [3][Initiative „Ferhat
       Unvar“]. Woher nehmen Sie die Energie, weiterzumachen? 
       
       Temiz-Unvar: Die Energie bekomme ich von den Jugendlichen und der
       Zivilgesellschaft. Ich weiß, dass ich nicht allein bin, und ich werde
       weiter stark bleiben. Und ich weiß: Es gibt viele Menschen wie mich, die
       nicht allein sein wollen und bereit sind, gegen Hassverbrechen zu kämpfen.
       Wir geben einander Kraft und bleiben im Austausch. Am 23. November
       organisieren wir eine internationale Konferenz in Hanau und unsere
       Jahrestagsveranstaltung mit der Initiative.
       
       1 Nov 2024
       
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   DIR [3] https://www.bildungsinitiative-ferhatunvar.de/
       
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