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       # taz.de -- +++ Nachrichten im Nahost-Krieg +++: Scholz und Biden hoffen auf Waffenstillstand in Gaza
       
       > Auch nach dem Tod von Hamas-Chef Jahia Sinwar gehen die Kämpfe in Nahost
       > weiter. Die Hisbollah ruft eine neue Phase des Krieges gegen Israel aus.
       
   IMG Bild: US-Präsident Joe Biden und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD,r) begrüßen sich vor dem Kanzleramt in Berlin am 18.10.2024
       
       ## Hamas bestätigt Tod ihres Anführers
       
       Die palästinensische Terrororganisation Hamas hat den Tod ihres Anführers
       Jihia al-Sinwar bestätigt. Israelische Soldaten hatten den Drahtzieher des
       Massakers vom 7. Oktober 2023 nach Militärangaben am Mittwoch im
       Gazastreifen getötet.
       
       Der stellvertretende Chef des Politbüros der Islamistenorganisation, Chalil
       al-Haja, teilte im Hamas-nahen TV-Sender Al Aksa mit, er trauere um den
       „Märtyrer“ Sinwar. Haja ist auch der wichtigste Verhandlungsführer der
       Hamas außerhalb des Gazastreifens.(dpa)
       
       ## Scholz: [1][Tod Sinwars] bringt „Aussicht auf Waffenstillstand“
       
       Nach der von Israel verkündeten Tötung von Hamas-Chef Jahja Sinwar gibt es
       nach Ansicht von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in Nahost nun „hoffentlich
       die konkrete Aufsicht auf einen Waffenstillstand“. Diese Einschätzung
       äußerte Scholz am Freitag beim Empfang von [2][US-Präsident Joe Biden im
       Kanzleramt in Berlin]. Es müssten „eine weitere Eskalation und ein
       regionaler Flächenbrand“ verhindert werden, sagte der Kanzler. (afp)
       
       ## Video soll Jahia Sinwar kurz vor seinem Tod zeigen
       
       Nach Angaben der israelischen Armee wurde Sinwar am Mittwoch in Rafah im
       südlichen Gazastreifen getötet. Nachdem er und zwei weitere Bewaffnete eher
       zufällig entdeckt worden sein sollen, habe sich Sinwar in einem Haus
       versteckt und ein israelischer Panzer eine Granate in das Gebäude gefeuert,
       berichtete die Zeitung „The Times of Israel“.
       
       Das Militär veröffentliche Aufnahmen einer Drohne, die einen vermummten und
       von Staub bedeckten Mann – angeblich Sinwar – zeigen, der noch lebend in
       einem ausgebombten Gebäude auf einem Sessel sitzt. Als sich die Drohne
       nähert, wirft er mit einem Stock nach dem ferngesteuerten Fluggerät. An
       dieser Stelle bricht das Video ab. Israelische Medien veröffentlichten
       später Fotos von der zwischen Trümmern liegenden mutmaßlichen Leiche
       Sinwars mit schwersten Kopfverletzungen.
       
       Forensiker der israelischen Polizei stellten die Identität Sinwars laut
       Medienberichten anhand von Zahnstellung und Fingerabdrücken fest, außerdem
       wurde ein DNA-Test vorgenommen. Israel verfügt über die biometrischen Daten
       des Hamas-Chefs, weil er früher mehr als 20 Jahre in israelischen
       Gefängnissen gesessen hatte.(dpa)
       
       ## Hisbollah kündigt weitere Eskalationsstufe an
       
       Die libanesische Hisbollah-Miliz hat eine neue Phase ihres Krieges gegen
       Israel ausgerufen. Ihre Kämpfer hätten erstmals Präzisionsraketen und
       Drohnen mit Sprengkörpern eingesetzt, teilte die Hisbollah am Freitag mit.
       Sie kämpften nach vorbereiteten Plänen gegen israelische Truppen, die in
       den Südlibanon eingedrungen sind. In dieser Woche hätten sie zwei
       israelische Drohnen vom Typ Hermes 450 abgeschossen.
       
       Die Erklärung scheint sich auf eine mit Sprengstoff beladene Drohne zu
       beziehen, die Israels vielschichtiges Luftabwehrsystem umging und in eine
       Kantine in einem militärischen Ausbildungslager tief in Israel einschlug.
       Dabei wurden vier Soldaten getötet und Dutzende verletzt. Die vom Iran
       unterstützte Hisbollah hatte diese Woche auch bekannt gegeben, sie habe
       einen neuen Raketentyp namens Kader 2 auf die Vororte von Tel Aviv
       abgefeuert. (AP)
       
       ## Hamas räumt die Tötung ihres Anführers indirekt ein
       
       Die militant-islamistische Palästinenser-Organisation Hamas hat den Tod
       ihres Chefs Jihia al-Sinwar de facto eingestanden. Israel liege falsch,
       wenn es „glaubt, dass die Tötung unserer Führer das Ende unserer Bewegung
       und des Kampfes des palästinensischen Volkes bedeutet“, erklärte
       Hamas-Führungsmitglied Bassem Naim in einer am Freitag veröffentlichten
       Stellungnahme. Auch früher seien Führer der Hamas getötet worden, das habe
       die Gruppe aber jedes Mal stärker gemacht.
       
       Naim erklärte, es sei „schmerzhaft und erschütternd, geliebte Menschen zu
       verlieren, insbesondere außergewöhnliche Führer“. Die Hamas sei jedoch
       sicher, dass sie letztendlich siegen werde. Auf die Frage, ob die Erklärung
       Sinwars Tod bestätige, antwortete Naim, dies sei nicht der Fall. (dpa)
       
       ## Kämpfe in Nahost gehen auch nach Tod Sinwars weiter
       
       Auch nach der von Israel bestätigten Tötung von Hamas-Chef Jihia al-Sinwar
       sind die Kämpfe im Gazastreifen und jene mit der Hisbollah im Libanon
       unvermindert fortgesetzt worden. Im Norden Israels heulten wieder in
       mehreren Orten die Sirenen. Nach Angaben des israelischen Militärs feuerte
       die mit der Hamas verbündete Schiitenmiliz Hisbollah mindestens 15 Raketen
       vom Libanon auf Israel ab. Über Opfer oder größere Schäden wurde zunächst
       nichts bekannt.
       
       Die israelische Armee ging unterdessen nach eigenen Angaben weiter gegen
       terroristische Infrastruktur und Bewaffnete im Gazastreifen und im Libanon
       vor. Im Laufe des vergangenen Tages habe die Luftwaffe etwa 150 Terrorziele
       im Gazastreifen und im Libanon angegriffen, hieß es. Die Angaben des
       Militärs ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. (dpa)
       
       ## „Dies ist der Beginn des Tags nach Hamas“
       
       Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete die Tötung
       des meistgesuchten islamistischen Terroristen der Region als Meilenstein.
       Ob sich die Hoffnungen auf eine Deeskalation nach Monaten des Kriegs mit
       der Hamas im Gazastreifen und der mit ihr verbündeten Hisbollah im Libanon
       wirklich erfüllen, erscheint aber fraglich.
       
       „Dies ist der Beginn des Tags nach Hamas“, sagte Netanjahu in einer
       Videobotschaft an die palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen. Die
       Menschen in dem abgeriegelten und vom Krieg schwer gezeichneten
       Küstengebiet sollten sich endlich befreien von der seit Jahren währenden
       „Unterdrückungsherrschaft“ der Hamas. (dpa)
       
       ## US-Außenminister Blinken will nach Nahost reisen
       
       US-Außenminister Antony Blinken wird einem Medienbericht zufolge in den
       kommenden Tagen in den Nahen Osten reisen. Wie das Nachrichtenportal Axios
       meldet, soll dabei über Möglichkeiten gesprochen werden, eine Feuerpause
       und eine Freilassung der Geiseln voranzutreiben. Eine Stellungnahme von
       Blinken liegt zunächst nicht vor. Die Regierung in Washington hat den Tod
       des Hamas-Führers Jahja Sinwar als Chance bezeichnet. Etwa zeitgleich mit
       dem Axios-Bericht spricht auch US-Verteidigungsminister Lloyd Austin in
       einer Erklärung von einer Gelegenheit, „diesen furchtbaren Krieg“ zu
       beenden. (rtr)
       
       ## Biden sieht Gelegenheit für das Ende der Hamas
       
       Die USA und Frankreich erklären, der von Israel verkündete Tod des
       Hamas-Anführers Jahja Sinwar solle als Chance begriffen werden. Es gebe
       eine Gelegenheit für einen „Tag danach“ ohne die radikal-islamische Hamas,
       erklärt US-Präsident Joe Biden.
       
       US-Außenminister Antony Blinken bespricht sich in Bezug auf die Beendigung
       des Nahostkonflikts mit seinen Amtskollegen aus Katar und Saudi-Arabien.
       Wie das US-Außenministerium mitteilte, telefonierte Blinken mit dem
       saudischen Außenminister Prinz Faisal bin Farhan Al Saud, dem katarischen
       Ministerpräsidenten und Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al
       Thani über die Beendigung des Krieges.
       
       Frankreichs Außenminister Jean-Noel Barrot sagt dem Sender LCI, es werde
       nun ein neues Kapitel aufgeschlagen, das zum Frieden führen müsse. Eine
       Stellungnahme der Hamas selbst liegt zunächst nicht vor. (rtr)
       
       ## Baerbock fordert die Freilassung der Geiseln
       
       Bundesaußenministerin Annalena Baerbock fordert die Hamas in einer ersten
       Reaktion nach dem Tod von Yahya Sinwar auf, jetzt sofort alle Geiseln
       freizulassen und die Waffen niederzulegen.
       
       Das Leid der Menschen im Gazastreifen müsse endlich aufhören, heißt es in
       einer Erklärung. (rtr)
       
       18 Oct 2024
       
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