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       # taz.de -- Konzerttipps für Berlin: Bloß nichts verpassen
       
       > Die „Bonding Sounds Concert Series“ pflegen den kreativen Ausflug,
       > Barbara Morgenstern kommt mit neuer Band, Tarwaters geben ein seltenes
       > Konzert.
       
   IMG Bild: Barbara Morgenstern mit neuer Band The Morning Stars
       
       Gepflegtes Bonding wird immer wichtiger, in diesen kalten Zeiten. Zumal
       Bruchstellen und Freund-Feind-Schemata ja leider zunehmend auch im
       Kulturbetrieb aufreißen. Erfreulich also, dass es bei der Bonding Sounds
       Concert Series darum geht, sich aus seiner Blase herauszubewegen.
       
       Das Konzept: Musiker:innen aus der Türkei treffen Kolleg:innen aus
       der Berliner Improv-Szene, das Publikum ist beim ersten musikalischen
       Zusammentreffen zugegen. Am Donnerstag gibt es zwei Cello-Performances: zum
       einen von Anıl Eraslan, der auf Taner Akyol an der Saz, auch Bağlama
       genannt, trifft; außerdem der Cellistin Ulrike Ruf, die mit dem
       Klarinettisten Michael Thieke spielt.
       
       Am Freitag trifft Merve Salgar an der Tanbur, einer anderen Sorte
       Langhalslaute, auf Gizem Oruç an der elektrischen Bağlama. Und Marina
       Cyrino improvisiert mit verstärkten Flöten und trifft auf Fulya Uçanok.
       Stattfinden wird diese zweite und [1][letzte Runde der Reihe im Humboldt
       Forum] (17.+18.10., 19 Uhr, Eintritt frei).
       
       Am Samstag findet anlässlich des Release von „Nuts of Ay“, Tarwaters erstem
       Album seit zehn Jahren, eines der seltenen Konzerte der Band statt. Die
       wurde 1995 gegründet, hat ihre Wurzeln aber im DDR-Underground. Ronald
       Lippok und Bernd Jestram lassen Elektronik grooven und verknüpft das
       nonchalant mit Postrock.
       
       Auch diesmal haben sie sich von Texten anderer Leute inspirieren lassen;
       zudem sind tolle Gäste dabei, von Masha Qrella bis zu Schneider TM.
       Letzterer wird auch beim Konzert am Samstag im Panda Platforma in der
       Kulturbrauerei auftreten (19.10., 21 Uhr, [2][Tickets gibt es im VVK für 15
       Euro]).
       
       Das wird wieder einmal ein FOMO-Abend, denn fast zeitgleich spielen The
       Morning Stars. Wer das wohl ist, mag man sich fragen – auch wenn der Name
       der neuen Band (übrigens ein Geburtstagsgeschenk der anderen Mitglieder an
       den Schlagzeuger Sebastian Vogel) Hinweise gibt: Auch Barbara Morgenstern,
       die seit den Neunziger Jahren immer wieder tolle, recht unterschiedliche
       Musik herausgebracht hat, ist bei diesem Quartett dabei.
       
       Dieses Jahr nahm die Band ein paar Songs auf: die erste Single, das
       schwebend-flirrende „One Of The Doors“, ist gerade erschienen. Den Rest gab
       es bisher nur beim Pop-Kultur-Festival zu hören. Am Samstag im [3][Framed
       Art Space] wird zudem Kunst zu erleben sein: die eindrücklichen Gemälde von
       Daniel M Thurau (Köpenicker Straße 147, 19.10., 20 Uhr, Tickets im VVK 25
       Euro, [4][alle Infos gibt es hier]).
       
       Am Montag präsentiert im Heimathafen Neukölln die tolle und zudem immer
       toller klingende Joan Wasser alias Joan As Police Woman ihr Album „Lemons,
       Limes & Orchids“. Auf dem lebt sie unter anderem ihre Liebe zum Jazz aus.
       Den Vorgänger „The Solution Is Restless“ (2021) hatte die klassisch
       ausgebildete Violinistin mit dem multidisziplinären Künstler Dave Okumu und
       dem Afrobeat-Pionier Tony Allen aufgenommen.
       
       Der starb nicht allzu lange nach dieser Session – kein Wunder, dass Wasser
       sich mit Liebe und Verlust beschäftigt. Und mit der Frage, wie man
       angesichts von Polykrisen das Köpfchen hochhält (21.10., 20 Uhr,
       [5][Tickets im VVK gibt es für 37 Euro]).
       
       Am Freitag findet in der Volksbühne in Kooperation mit Heroines of Sound,
       dem feministisch ausgerichteten Festival für avancierte Elektronik, ein
       sehenswertes Triple statt, bei dem Freund:innen von Drone-Sounds, Noise
       und experimentellem Pop gleichermaßen auf ihre Kosten kommen.
       
       Die Festivalausgabe im Juli hatte das Schlagzeug als Schwerpunkt, und auch
       heute ist eine bemerkenswerte Drummerin dabei: Valentina Magaletti, die
       zusammen mit der Lichtkünstlerin Theresa Baumgartner eine audiovisuelle
       Show präsentiert. Außerdem spielt Noémi Büchi, die Körperlichkeit von Musik
       erforscht. Und die aus der Ukraine stammende Zavoloka, die experimentelle
       Elektronik mit folkloristischen Elementen verbindet (25.10., 20 Uhr,
       [6][Tickets im VVK 20, erm. 16 Euro und Infos finden sich hier]).
       
       17 Oct 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.digitalinberlin.de/the-bonding-sounds-concert-series-1718102024/
   DIR [2] https://panda-platforma.berlin/events/tarwater-record-release-party
   DIR [3] https://framed.berlin/events/framed86-music-the-morning-stars-exhibition-daniel-m-thurau/
   DIR [4] https://framed.berlin/events/framed86-music-the-morning-stars-exhibition-daniel-m-thurau/
   DIR [5] https://www.listen.berlin/produkte/69886-tickets-joan-as-police-woman-heimathafen-neukoelln-berlin-am-21-10-2024
   DIR [6] https://www.volksbuehne.berlin/#/de/repertoire/valentina-magaletti-theresa-baumgartner-noemi-buechi-zavoloka
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Stephanie Grimm
       
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