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       # taz.de -- Mit dem Rad zur Klimakonferenz in Baku: Ein Kontinent an Eindrücken
       
       > Radreisen fernab der Heimat sind super, um Abstand zur Newshektik zu
       > gewinnen, denkt unser Autor. Aber in Tiflis wird ihn die Politik wieder
       > einholen.
       
   IMG Bild: Radeln, um Abstand zu gewinnen: bizarre Felslandschaften in Kappadokien in der Türkei
       
       Je weiter ich mich von zu Hause entferne, desto besser gelingt mir das, was
       ich mir vor dieser Radreise fest vorgenommen habe: einfach mal Abstand zu
       gewinnen. Abstand vom dauererregten medialen und politischen Diskurs,
       Abstand vom täglichen News Cycle und dem Druck, alles kommentieren zu
       müssen. Abstand von der Empörungskultur, deren Mechanismen ich ja selbst
       auch immer wieder bediene und von der ich in Zukunft kein Teil mehr sein
       möchte.
       
       Der israelische Historiker und Autor Yuval Noah Harari schreibt in seinem
       neuen Buch „Nexus“, dass wir Menschen eine Informationsdiät bräuchten, weil
       wir unser Leben mit Junk News vollstopfen. Wir sind überinformiert und
       übersättigt von schlechten, minderwertigen Nachrichten, die uns tagtäglich
       in die Timelines gespült werden und den Eindruck vermitteln, dass alles den
       Bach runtergeht. Und so war es ein Ziel dieser Reise, unnötigen
       Informationsballast abzuwerfen und meine Sinne zu schärfen für das Hier und
       Jetzt, das analoge Leben. Ich will im Augenblick präsent sein, nicht
       abgelenkt von Plattformen, Geräten und vermeintlich wichtigen Neuigkeiten,
       die alle nur eines wollen: meine Aufmerksamkeit.
       
       Fahrradreisen sind für diesen Zweck bestens geeignet. Auf dem Sattel gilt
       die Aufmerksamkeit der Straße, den Landschaften und den Menschen, die mir
       entlang des Weges begegnen. Es ist ein einfaches, überschaubares und sehr
       intensives Leben. Wenn ich abends im Zelt liege und den Tag Revue passieren
       lasse, kann ich manchmal gar nicht glauben, wo ich am Morgen noch gewesen
       bin, so viel ist in den zwölf Stunden dazwischen geschehen.
       
       Das liegt auch an dem Land, durch das ich seit einem Monat fahre. Die
       [1][Türkei] ist ein Kontinent an Eindrücken: Mal geht es durch grüne Wälder
       und vertrocknete Steppen, dann durch skurrile Salzseen – oder bizarre
       Felslandschaften, wie kürzlich in Kappadokien, einer Region im Herzen des
       Landes, die vor allem für ihre Heißluftballons bekannt ist. Ich klettere am
       Vorabend auf einen Berg, schlage mein Zelt auf und werde bei Sonnenaufgang
       Zeuge eines einzigartigen Schauspiels, als rund 150 riesige Ballons um mich
       herum in den Himmel steigen.
       
       Jetzt rückt das Ende der Reise immer näher. In einem Monat muss ich
       pünktlich zum Beginn der Weltklimakonferenz in Baku sein. Ich freue mich
       auf diese Veranstaltung und mache mir zugleich Gedanken über ihre
       Sinnhaftigkeit. Ende Oktober will ich aber unbedingt in der georgischen
       Hauptstadt Tiflis die Parlamentswahlen beobachten. Das kleine Land im
       Kaukasus sucht seine Rolle zwischen Ost und West, zwischen Demokratie und
       Autokratie und ist dabei so zerrissen wie lange nicht. Es wird also doch
       wieder politisch.
       
       14 Oct 2024
       
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