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       # taz.de -- Das Pfeifen meiner Heizung: Obszön und ferngesteuert
       
       > Seit Monaten pfeift bei mir zu Hause die Heizung. Mir ist das sehr
       > peinlich gegenüber weiblichen Gästen. Und immer wenn der Klempner kommt,
       > ist Ruhe.
       
   IMG Bild: Osman hat ihn irgendwann „Karl“ genannt: handelsüblicher Heizkörper mit dem Potential, zu pfeifen
       
       Während der Mittagspause in Halle 4 knurrt mein Meister genervt: „Ich
       glaube, mein Schwein pfeift“.
       
       „Meister, dann lassen Sie ihr Schwein doch einfach draußen im Garten, wenn
       es zu laut pfeift. Dann ist das Problem gelöst“, tröste ich ihn. „Aber bei
       mir zu Hause pfeift seit Monaten die Heizung! Und die kann ich nicht so
       einfach vor die Tür schicken!“
       
       Das Problem ist, unsere Heizung pfeift nicht wie die normalen Heizungen,
       die pfeifen, wenn sich in ihrem Bauch ein wenig Luft angesammelt hat. Nein,
       unsere Heizung pfeift wie ein besoffener Bauarbeiter, der mit lüsternem
       Blick [1][sabbernd jedem Rock nachpfeift]. Hat aber keine Luft im Bauch,
       sondern unsere Heizung ist einfach charakterlich missraten.
       
       Das Ganze ist mir sehr peinlich, ganz besonders, wenn wir weibliche Gäste
       zu Besuch haben und ein lautes, obszönes Pfeifen ertönt.
       
       ## Schlecht erzogen
       
       „Entschuldigen Sie bitte, gnädige Frau. Ich war das bestimmt nicht. Das war
       Karl, unsere schlecht erzogene Heizung“, entschuldige ich mich sofort. Wir
       nennen unsere Heizung schon seit einiger Zeit Karl.
       
       Genau genommen, seitdem sie angefangen hat, so unverschämt zu pfeifen. Eine
       kleine Statistik, die ich auf den Baustellen in der Umgebung durchgeführt
       habe, ergab, dass 42 Prozent der Bauarbeiter, die Frauen nachpfeifen, Karl
       heißen. Dicht gefolgt von Wladimir und Ismail.
       
       Immer wenn ich einen Klempner nach Hause bestelle, ist der Karl plötzlich
       mucksmäuschenstill. Dann tut er so, als könnte ihn kein Wässerchen trüben
       und als hätte er noch nie einen Ton von sich gegeben, geschweige denn einen
       Pfiff.
       
       „Was wollen Sie denn? Ihre [2][Heizung] funktioniert doch tadellos“, muss
       ich mir immer wieder vorwurfsvoll von denen anhören.
       
       „Aber so glauben Sie mir doch! Wenn Sie nicht da sind, pfeift Karl
       ununterbrochen wie ein Schnellkochtopf kurz vorm Platzen. Ich schwör's!“
       
       Unverrichteter Dinge verschwinden sie wieder. Die Klempner schenken ihren
       Ohren tendenziell mehr Glauben als mir, was mich zutiefst verletzt! Kaum
       ist der Heizungsmensch weg, geht die Pfeiferei erst richtig los. Wenn
       hübsche Frauen da sind, umso schlimmer.
       
       „Karl, hör doch endlich auf! Zwing mich nicht zum Äußersten, verdammt“,
       brülle ich ihn an.
       
       Ein höhnisches und überhebliches Pfeifkonzert setzt daraufhin ein. Was
       heißen soll:
       
       „Osman, mein Junge, wag es bloß nicht, mich bei der Kälte rauszuschmeißen.
       Dann wirst du hier jämmerlich erfrieren!“
       
       „Wie du meinst, Karl. Jetzt hole ich mir eine sauteure Wärmepumpe, die ich
       zehn Meter entfernt vom Haus im Garten aufstellen werde. Und du wirst auf
       dem Schrottplatz erfrieren!“
       
       Vier Wochen später bekommen wir endlich eine junge Wärmepumpe, und der alte
       Karl, der unverschämte Pfeifer, wird weggeschafft.
       
       „Du hast es so gewollt, Karl. Du hast mich finanziell ruiniert, aber jetzt
       habe ich endlich Ruhe im Haus“, rufe ich ihm hinterher.
       
       „Es tut mir leid, Osman“, stammelt Karl tieftraurig. „Diese [3][blöde
       Pfeiferei] war nicht meine Idee. Wir wurden alle von [4][Robert Habeck]
       gezwungen, diese komische Wärmepumpe kaufen.
       
       19 Oct 2024
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Osman Engin
       
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