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       # taz.de -- Der Dieter Bohlen der Politik: Der peinliche Gast
       
       > Mein Kollege Hasan sagte in der Umkleide, ich hätte einen berühmten und
       > peinlichen Gast zu Hause. Ich wusste davon nichts. Aber mein Sohn Mehmet.
       
   IMG Bild: Was es nicht alles gibt: Mitglieder eines Modern Talking-Fanclubs bei einem Dieter Bohlen-Auftritt im Februar 2024 in Berlin
       
       Nach der Frühschicht in Halle 4 ziehe ich wieder meine guten Klamotten an,
       um nach Hause zu gehen. Da kommt mein Kumpel Hasan rein, der diese Woche
       Mittagsschicht hat. Der Arme muss jetzt zehn Stunden schuften.
       
       „Leute, was sagt ihr denn zu Osmans berühmtem Gast?“, ruft er mit
       überschwänglicher Stimme durch unseren Umkleideraum.
       
       „Osman hat uns nichts erzählt. Was für ein berühmter Gast denn?“, fragt
       Nedim neugierig.
       
       „Hasan, was für ein berühmter Gast denn? Ich weiß von nichts“, frage ich
       genauso neugierig.
       
       „Komm, Osman, tu doch nicht so. Du brauchst dich doch vor uns nicht zu
       schämen. Wir sind doch alle Kollegen“, lacht Hasan vielsagend. Aber es sagt
       mir trotzdem nichts.
       
       „Ein berühmter Gast, für den man sich schämen muss? Ich habe keine Ahnung“,
       wiederhole ich ehrlicherweise.
       
       Der Staplerfahrer Hans lacht laut und meint ironisch: „Osman, warum
       verschweigst du uns denn, dass Dieter Bohlen dich immer heimlich besucht?“
       
       „Nein, ist sogar noch peinlicher als Dieter Bohlen. Und etwas politischer.
       Sagen wir mal, der Dieter Bohlen der Politik“, sagt Hasan geheimnisvoll und
       grinst.
       
       „Der [1][Söder] vielleicht?“
       
       „Nein, der auch nicht.“
       
       „[2][Wagenknecht]?“
       
       „Nein.“
       
       „[3][Merz]?“
       
       „Nein.“
       
       „Ist [4][Merkel] peinlich genug?“
       
       „Die macht doch keine Politik mehr.“
       
       „Hasan, wie kommst du denn eigentlich darauf, dass ich so einen komischen
       Gast erwarte?“, frage ich immer noch verwirrt.
       
       Hasan genießt die Aufmerksamkeit regelrecht und ruft: „Dein Sohn Mehmet
       stand gerade bei euch vor der Haustür und wartete sehnsüchtig auf euren
       berühmten und echt peinlichen Gast.“
       
       „Da bin ich aber echt gespannt, welchen komischen Typen Mehmet wieder ins
       Haus schleppt“, knurre ich, schnappe meine Arbeitstasche und renne zu
       meinem Ford-Transit.
       
       Alle Kollegen heften sich mir mit ihren Autos an meine Stoßstange. Sogar
       Hasan kommt mit, um gleich seinen Sieg zu feiern. Als Konvoi fahren wir zum
       Karnickelweg 7b.
       
       Zu Hause angekommen, springe ich raus und klettere in Höchstgeschwindigkeit
       die Treppen rauf zu unserer Wohnung. Die Kollegen genauso zügig hinter mir
       her.
       
       „Mehmet, du Idiot, wen hast du denn schon wieder eingeladen?“, brülle ich
       noch in der Tür, zugegeben, nicht ganz gastfreundlich.
       
       „Niemanden. Was soll die Frage?“, ruft er aus seinem Zimmer.
       
       „Du hast doch Hasan erzählt, dass du auf einen peinlichen, politischen Gast
       gewartet hast.“
       
       „Nicht, dass ich wüsste“, sagt er, kommt aus seinem Zimmer und schaut sich
       verwundert im überfüllten Treppenhaus meine Arbeitskollegen an, die
       ihrerseits ihn voller Erwartung anschauen.
       
       „Komm, Junge, sag die Wahrheit! Du hast mir gesagt, du wartest auf den
       [5][Sarrazin]“, ruft Hasan siegessicher.
       
       „Onkel Hasan, du bist vielleicht lustig. Ich hab gesagt, ich warte auf den
       neuen Sarrazin'. Gestern habe ich mir bei Amazon sein neues Buch bestellt.
       Nach,Deutschland geht anschaffen' hat er ein neues Buch
       geschrieben.,Deutschland dreht krumme Dinger', oder so ähnlich.“
       
       12 Oct 2024
       
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