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       # taz.de -- Buch über Widerstandskämpferin: Den Nazis entkommen
       
       > Nils Klawitters Buch „Die kleine Sache Widerstand. Wie Melanie Berger den
       > Nazis entkam“ geht über das Leben einer Widerstandskämpferin in
       > Frankreich.
       
   IMG Bild: Ex-Widerstandskämpferin Melanie Berger-Volle am Freitag, 13. September 2024, in Wien
       
       Der Untertitel ist schon mal eine Untertreibung. „Wie Melanie Berger den
       Nazis entkam“ steht auf dem Einband des Buchs von Nils Klawitter. Ja, wenn
       es nur das wäre!
       
       Tatsächlich ist Berger nicht nur „entkommen“, sie hat Widerstand geleistet,
       zuerst in ihrer Heimat Wien gegen den Austrofaschismus, dann in Frankreich
       gegen die Nazis und ihre Kollaborateure, hat Flugblätter produziert und
       verteilt, ist in den Knast gekommen, wo sie die Genossen in einer
       Wahnsinnsaktion befreit haben, hat untergetaucht überlebt, mit nichts zu
       essen und unter ständiger Gefahr. Und, halten Sie sich fest, sie ist heute
       102 Jahre alt, und sie trug erst vor ein paar Monaten in Saint-Étienne das
       olympische Feuer.
       
       Aber dieser Untertitel ist andererseits schon richtig. Denn Berger hat
       niemals groß mit ihrem Widerstand angegeben. Dabei war sie gleich dreifach
       verfolgt: als Tochter jüdischer Eltern und als Kommunistin ein Feind der
       Nazis, als Trotzkistin eine Gegnerin der Stalinisten.
       
       Melanie Berger hat ihr Leben lang nicht einsehen wollen, warum Reiche reich
       sind und Arme arm. Das hat sie Anfang der 1930er Jahre in Wien zur
       Arbeiterbewegung gebracht. Das trieb sie bald danach zu den „Revolutionären
       Kommunisten“, einer kleinen trotzkistischen Gruppe, die von der
       Weltrevolution träumte.
       
       ## Leben, lieben und entscheiden
       
       Nils Klawitter hat sich eng an seine Protagonistin angeschmiegt und
       beschreibt ihr Leben in einem sagenhaften Tempo. Aber so schnell leben,
       lieben und entscheiden mussten damals die Nazigegner, die eine Chance zum
       Überleben haben wollten. Die Wiener „Revolutionären Kommunisten“
       beschlossen nach dem „Anschluss“ Österreichs an Hitlerdeutschland 1938,
       nach Frankreich zu gehen, dort, wo man noch halbwegs frei atmen konnte.
       Berger erreichte das Land illegal über Belgien, getarnt als Mann. Bald
       brach der Krieg aus.
       
       Ihre Gruppe war klein, ihre Ideen größenwahnsinnig, die informellen
       Hierarchien deutlich. Berger tippte die Flugblätter, die andere,
       selbstverständlich Männer, schrieben. Einer von ihnen wurde ihr Freund. Die
       gerade einmal Zwanzigjährige führte ein Leben auf der Rasierklinge, bedroht
       von französischer Polizei, deutscher Gestapo und moskautreuen „Genossen“,
       die trotz ihrer eigenen Verfolgung glaubten, Trotzkisten seien ihre
       Todfeinde.
       
       Nils Klawitters Buch bleibt eng an der Seite von Melanie Berger. Man kann
       sich heute nicht mehr annähernd vorstellen, wie es den jungen
       Widerstandskämpfern ging. Aber wenn man zumindest eine Ahnung davon
       bekommen möchte, dann greife man zu diesem Buch, das unter die Haut geht.
       Nur sein Titel „Die kleine Sache Widerstand“ ist schon wieder eine
       Untertreibung. Der Widerstand mag nicht gefruchtet haben. Aber er war ganz
       groß.
       
       23 Sep 2024
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Klaus Hillenbrand
       
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