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       # taz.de -- Ehemaliger FDP-Chef: Wolfgang Gerhardt gestorben
       
       > Er war Minister in Hessen, Bundesvorsitzender und Bundestagsfraktionschef
       > der FDP. Nun ist Wolfgang Gerhardt im Alter von 80 Jahren gestorben.
       
   IMG Bild: Frankfurt/Main, 04. März 2001: Wolfgang Gerhardt während einer Veranstaltung zur Kommunalwahl
       
       Berlin dpa | er ehemalige FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt ist tot. Der
       80-Jährige sei am Freitagmorgen in Wiesbaden gestorben, teilte [1][FDP-Chef
       Christian Lindner] im Auftrag der Familie mit. „Fast 60 Jahre hat er sich
       mit der FDP gemeinsam für eine freie und starke Gesellschaft eingesetzt.
       Sein Tod macht mich zutiefst traurig“, schrieb Lindner in einer Würdigung.
       „Wir haben einen herausragenden Liberalen verloren“, ergänzte
       FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai.
       
       Gerhardt kam am 31. Dezember 1943 im hessischen Ulrichstein zur Welt.
       Politische Karriere machte der Erziehungs- und Politikwissenschaftler
       zunächst in seiner Heimat Hessen. 1978 zog er erstmals in den Landtag in
       Wiesbaden ein. Von 1982 bis 1995 war er FDP-Landesvorsitzender. In dieser
       Zeit gehörte er auch schon dem Bundesvorstand der Liberalen an. Im April
       1987 wurde Gerhardt für vier Jahre bis zum Ende der schwarz-gelben
       Koalition Wissenschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident.
       
       ## Wunschposten blieb Gerhardt verwehrt
       
       Mit der Bundestagswahl 1994 wechselte Gerhardt von Wiesbaden nach Bonn. Im
       Bundestag gehörte er zunächst dem Post- und später dem Auswärtigen
       Ausschuss an. Er wäre gern Außenminister geworden, doch dies blieb ihm
       verwehrt, weil die rot-grüne Koalition die Bundestagswahl 2002 gewann und
       es nicht zu einem Wechsel zu Schwarz-Gelb kam.
       
       An der Spitze der Bundespartei löste Gerhardt 1995 den glücklosen Klaus
       Kinkel ab. Bis 2001 blieb er FDP-Bundesvorsitzender, von 1998 bis 2006 war
       er zudem Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Beide Ämter gab er
       schließlich an Guido Westerwelle ab. 2013 kandidierte Gerhardt nicht mehr
       für den Bundestag, da war er längst Leiter der [2][FDP-nahen
       Friedrich-Naumann-Stiftung].
       
       Gerhardt pflegte einen eher nüchternen, gediegenen Stil – Show-Politik
       waren seine Sache nicht. Nach dem Verlust seiner Spitzenämter im
       politischen Tagesgeschäft der FDP verstand er sich als ein Vordenker des
       politischen Liberalismus in Deutschland.
       
       ## „Mann der leisen Töne“
       
       „Liberalismus war für ihn immer nicht nur ein parteipolitisches Programm,
       sondern vielmehr eine Haltung“, schrieb Djir-Sarai zu seinem Tod. Lindner
       erklärte: „Er war nie ein Machtpolitiker, sondern blieb auch in
       Spitzenpositionen ein belesener, feiner und großzügiger Mensch. In einer
       schwierigen Phase unserer Geschichte hat er die FDP zusammengehalten und
       wieder aufgerichtet.“
       
       Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) würdigte den Gestorbenen als
       einen „herausragenden Politiker“. Der Freidemokrat sei „ein Mann der leisen
       Töne, dessen Rat sehr viele gerne gehört haben“. Gerhardt habe sich mit
       Leidenschaft und Hingabe für die Belange der Gesellschaft eingesetzt: „Er
       hat es verstanden, Brücken zu bauen und unterschiedliche Meinungen
       zusammenzuführen. Sein Einsatz für eine pluralistische Gesellschaft und ein
       besseres Deutschland wird uns fehlen.“
       
       13 Sep 2024
       
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