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       # taz.de -- Drohender Krieg im Nahen Osten: Netanjahu setzt auf Eskalation
       
       > Israels Premier Netanjahu zündelt, um an der Macht zu bleiben. Die
       > Menschen in der Region, die Frieden wollen, drohen unter die Räder zu
       > geraten.
       
   IMG Bild: Nach einem Luftangriff in Beirut am 3. Oktober
       
       In den vergangenen zwei Wochen wurden im Libanon über 1.700 Menschen
       getötet, Tausende verletzt, mehr als 1,2 Millionen Menschen sind im Land
       auf der Flucht. Am Donnerstag rief die israelische Armee die Libanesen im
       Süden dazu auf, die Region bis zum Fluss Awali sofort zu verlassen. Er
       verläuft 60 Kilometer von der Grenze entfernt.
       
       Netanjahu [1][setzt auf Eskalation]. Erst vor einer Woche hatten die USA
       und weitere Staaten Israel und den Libanon aufgefordert, einen sofortigen
       21-tägigen Waffenstillstand zu akzeptieren. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah
       soll dem zugestimmt haben, sagte der libanesische Außenminister Abdullah Bu
       Habib dem US-Sender CNN. Kurz darauf warfen israelische Kampfjets mehrere
       Ein-Tonnen-Bomben auf einen Wohnblock im Süden Beiruts, [2][unter dem das
       Hauptquartier der Hisbollah lag, und töteten Nasrallah] und seine Führung.
       Während man in Israel frohlockte, stand US-Präsident Joe Biden einmal mehr
       düpiert da.
       
       Mehrfach hat sich Netanjahu über Einwände seines wichtigsten Partners
       hinweggesetzt. Im Mai zog Biden eine rote Linie, um Israel von einem
       Einmarsch in Rafah abzuhalten. Netanjahu ignorierte das und ließ die
       israelische Armee in den Süden des Gazastreifens. Mit einem
       Waffenstillstand in Gaza, der längst ausgehandelt schien, ließ er ihn
       ebenfalls auflaufen. Nun hat sich Joe Biden gegen einen israelischen
       Angriff auf Atomanlagen des Irans ausgesprochen. Doch wer sollte Netanjahu
       davon abhalten?
       
       Die Rechte in Israel sieht derzeit eine günstige Gelegenheit, die Karte des
       Nahen Ostens neu zu zeichnen; das Regime im Iran will sie am liebsten
       stürzen. Netanjahus Konkurrent Naftali Bennett spricht das offen aus. Dass
       Iran am Dienstag 200 Raketen auf Israel abschoss, bietet Anlass zur
       Vergeltung. Netanjahu hat ein persönliches Interesse daran, den Krieg
       auszuweiten, um weiter an der Macht zu bleiben.
       
       ## Siedler schaffen Fakten
       
       Er weiß, dass die USA an seiner Seite stehen werden. Vor den
       Präsidentschaftswahlen wird sich niemand trauen, ihm in den Arm zu fallen.
       Den Rest der Welt glaubt er ignorieren zu können, wie die Einreisesperre
       gegen UN-Generalsekretär António Guterres zeigt. Wie Schlafwandler taumelt
       die Welt einem Krieg in der Region entgegen, den alle vermeiden wollten.
       
       Im Westjordanland schaffen Siedler und Soldaten derweil Fakten. Den
       Gazastreifen möchte Netanjahu wieder auf Dauer besetzen, seine
       messianischen Koalitionspartner wollen dort wieder Siedlungen bauen. Die
       Menschen in der Region, die Frieden wollen, drohen unter die Räder zu
       geraten; wie die Geiseln der Hamas, die Netanjahu längst aufgegeben hat.
       
       3 Oct 2024
       
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