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       # taz.de -- Papst Franziskus in Indonesien: Hype und Ärger in Jakarta
       
       > Bei seinem Besuch in Indonesien wird Papst Franziskus nicht nur bejubelt.
       > Vor allem die Papua sind wütend, dass er zu ihrer Lage nichts sagt.
       
   IMG Bild: Papua-Studenten protestieren am 04.09.2024 vor der Vatikanischen Botschaft in Jakarta
       
       Jakarta taz | Tausende Menschen – Katholiken wie Muslime – drängten sich am
       Donnerstag in der Straße vor Indonesiens Staatsmoschee Istiqlal, um einen
       Blick auf [1][Papst Franziskus] zu erhaschen. Als der dann in seinem weißem
       Toyota kommt, gibt es kein Halten mehr. Die Menge stürmt mit gezückten
       Handys auf den Wagen zu, Frauen kreischen, als sei der ‚sexiest man alive‘
       leibhaftig erschienen. Ein Papst ist eben auch nur ein Promi.
       
       Zuvor hatten Franziskus und der Großimam Nasaruddin Umar vor einer
       illustren Schar geladener Gäste in einem den Nationalfarben Rot und Weiß
       ausgeschlagenen Zelt vor der Moschee die „Erklärung von Istiqlal“ über
       religiöse Toleranz unterzeichnet. Zeugen waren hochrangige Vertreter des
       Buddhismus, Hinduismus, Konfuzianismus und Protestantismus, neben dem Islam
       und Katholizismus die offiziell anerkannten Religionen Indonesiens.
       
       Für Gerede sorgte unter aufgeklärteren Indonesiern, dass in der
       Berichterstattung der örtlichen Medien die Anwesenheit eines Repräsentanten
       der „penghayat kepercayaan“ – „Gläubige“ – unterschlagen wurde. Diesen
       Begriff dürfen neuerdings nämlich nach einem Verfassungsgerichtsurteil die
       rund 20 Millionen Anhänger indigener Religionen in ihren Ausweis eintragen
       lassen.
       
       Konservative muslimische Politiker und Parteien zeigten sich empört über
       die Bitte von Religionsminister Yaqut Cholil Qoumas an Fernsehsender,
       während der TV-Liveübertragung des abendlichen Papstgottesdienstes das
       sonst übliche Video mit dem islamischen Abendgebet auszusetzen. Für Hidayat
       Nur Wahid von der islamischen Partei PKS und Vizepräsident des Parlaments
       war das Zugeständnis eine Beleidigung der Muslime. „Die Messe dauert zwei
       Stunden. Wir tolerieren sie, aber unserer Bitte um fünf Minuten wird nicht
       entsprochen. Ist das Toleranz?“
       
       ## Nackter Jesus am Kreuz kann als Pornographie gewertet werden
       
       Für den Siebenten-Tags-Adventist Begin Siantiura ist der Papst „das Biest“,
       also der Teufel. Einsam und allein steht Siantiura mit einem riesigen
       Poster in dramatischen Farben und dem Titel „Der große Kampf“ vor der
       belebten Bahnstation Bundaran Hi in der Thamrin Straße.
       
       Auf der dunklen Bildhälfte galoppieren wilde Reiter durch eine
       Feuersbrunst, überragt vom Papst und dem Weißen Haus in Washington. Rechts
       prescht auf einem Schimmel ein Ritter in mittelalterlicher Rüstung, einem
       Schwert in der Hand und einer Krone auf dem Kopf aus dem Licht heran. „Das
       ist Jesus, unser Retter“, erklärt Siantiura.
       
       Die absoluten Hingucker aber waren die katholischen Studenten aus Papua,
       die vor der Botschaft des Vatikans in Jakarta auf Postern mit Papstbildern
       und Bibelzitaten Franziskus anflehten, sich zu der [2][Unterdrückung ihres
       Volkes durch das Militär] und die Ausbeutung ihres Landes durch
       internationale Konzerne zu äußern.
       
       Drei Papua waren in ihrem traditionellen Outfit erschienen: nackt, mit
       bunten Federkränzen auf dem Kopf und riesigen Penisfutteralen. Die Polizei
       hinderte die Papuaner an dem Marsch zum Unabhängigkeitsmonument Monas. Auf
       die Verhaftung der Penisfutteralträger verzichtete die Polizei jedoch,
       obwohl nach dem Pornographiegesetz jede Form der Nacktheit als Pornographie
       verboten ist.
       
       Strenggenommen erfüllt sogar ein nackter Jesus am Kreuz den
       Pornostraftatbestand. Solche Moralgesetze werden in Indonesien gerne zur
       Befriedung der konservativen muslimischen Wählerschaft erlassen und landen
       dann in der Schublade. Herausgeholt werden sie meist nur, um politische
       Gegner kaltzustellen.
       
       In der Community der Papua in Jakarta und vor allem aber in Jayapura in
       Papua dürfte es noch lange Stadtgespräch sein, dass der Papst nichts zu den
       massiven Menschenrechtsverletzungen an den Papua gesagt hat. Dem Papst sei
       sehr nahegelegt worden, heißt es in der Gerüchteküche Jakartas, das
       politische Tabuthema Papua zu meiden.
       
       Am Freitag ist der Papst nach seinem dreitägigen Besuch in Jakarta nach
       Papua-Neuguinea weitergereist. Rudi Kogoya, einer der Demonstranten, sagt
       hoffnungsfroh: „Vielleicht sagt er dort etwas über unser Leid. Da muss er
       ja keine diplomatische Rücksicht nehmen.“
       
       6 Sep 2024
       
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