# taz.de -- Doku über fragwürdige Polizeieinsätze: Zerstörte Sicherheit
> Eine Doku zeigt, was Hausdurchsuchungen bei Betroffenen anrichten. Ein
> Psychologe berichtet von Symptomen posttraumatischer Belastungsstörung.
IMG Bild: Was kommt von draußen rein?
Die damals 16-jährige Louise hat zunächst keine Ahnung, was los ist, als
Polizeieinheiten die Wohnung ihrer Eltern stürmen. Fensterscheiben klirren,
es herrscht Chaos. Louises Vater wird auf den Boden gedrückt, Polizisten
setzen sich auf ihn.
„Ich dachte, dass sie ihn umbringen“, schildert Louise die Szene, die bei
ihr Bilder der Ermordung George Floyds in Erinnerung ruft. Seither fühle
sie sich nicht sicher. „Dieses Zuhause, wo niemand reinkommt. Das wurde
zerstört.“
Dem nichtkommerziellen Medienkollektiv Le-Je ist es mit der [1][Doku
„Zwischen Trauma und Gewalt“] gelungen, etwas Licht in eine Thematik zu
bringen, die sonst wenig Öffentlichkeit erhält: die psychischen und
sozialen „Kollateralschäden“ von Hausdurchsuchungen. Der Film behandelt den
15. März 2023, als die Polizei in Leipzig und Jena 13 Razzien durchführt.
Sie sucht nach Antifas, die einen Monat zuvor Neonazis in Budapest am
sogenannten [2][„Tag der Ehre“] angegriffen haben sollen – einem wichtigen
Termin für die europäische Neonaziszene.
Doch trotz vorheriger Ermittlungen sei in keiner Wohnung eine beschuldigte
Person gewesen – sondern lediglich Eltern, Geschwister und
Mitbewohner:innen. Die Polizei habe Türen mit Rammen aufgebrochen,
sich in zwei Fällen aber in der Wohnung vertan. Kinderzimmer seien
gestürmt, Betroffene mit Kabelbindern gefesselt worden. Ein Beamter soll
Louises Mutter gesagt haben: „Wollen Sie wirklich, dass wir so gewaltsam
mit ihnen sind, während Ihre Kinder zuschauen?“ – weil sie einen Anwalt
anrufen wollte.
## Teil der Strategie
Eindringlich zeigt der Film so die Leichtfertigkeit, mit der die Polizei
psychische Schäden bei Durchsuchungen in Kauf nimmt. Sieben Betroffene
seien folgend aus ihrer Wohnung ausgezogen, heißt es im Film. Ein
Psychologe berichtet von Symptomen posttraumatischer Belastungsstörung:
Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, Flashbacks, Panik bei Kontakt mit der
Polizei.
Es wird auch deutlich, wie diese Gewalt die linke Szene zu zermürben droht.
So bleibt am Ende die Frage zurück, ob die Folgeschäden tatsächlich „nur“
in Kauf genommen werden – oder selbst Teil der Polizeistrategie sind.
9 Sep 2024
## LINKS
DIR [1] https://www.youtube.com/watch?v=ehjQSA4nqKU
DIR [2] /Prozess-gegen-Autonome/!5991230
## AUTOREN
DIR Timm Kühn
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