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       # taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Gar nicht mal so abgründig
       
       > „A L’ARME!“ und „Durchlüften“ gehen ins Finale, „VILLAPALOOZA“ lockt
       > Freund*innen der Liedkunst in den Garten, im silent greeen wird es
       > dystopisch.
       
   IMG Bild: Nick León sampelt seine Sounds aus Floridas vielfältigem Ökosystem
       
       Auf zum Finale des Finales. Zwar wurde auf [1][das letztmalig stattfindende
       A L’ARME! Festival] – laut Veranstalter ist dieser herbe Verlust für die
       Freund:innen des guten Krachs und experimentellen Jazz der arg
       zusammengekürzten Finanzierung anzulasten – im letzten Sound der Stadt
       schon hingewiesen. Doch der Samstag hat besondere Aufmerksamkeit verdient,
       steckt darin doch eine Würdigung, die Abwechslungsreichtum verspricht und
       von einem so illustrem wie bunten Aufgebot an Künstler:innen auf die
       Bühne gebracht wird.
       
       Beim „Abend für Monika Döring“ treten zu Ehren der [2][im Mai mit 87 Jahren
       verstorbenen Ikone des Berliner Kulturlebens], die es bis zuletzt laut und
       experimentell liebte, Wegbegleiter:innen aus verschiedenen Phasen
       ihres Wirkens auf. 12 Sets wird es geben: von Gudrun Gut, die ein
       Elektronikset präsentieren wird, über das Synthesizer trifft Schlagzeug-Duo
       hÄK/Danzeisen bis zu Caspar Brötzmann, der sich mit seinen Bass und einem
       anderen Bassisten battelt, nämlich mit Amado ([3][Radialsystem], 10. 8., 20
       Uhr, Tagesticket 31,90 Euro).
       
       Und noch ein Finale: Das [4][Festival Durchlüften im Humboldt-Forum], dass
       mit wirklich schönen Konzerten über musikalische Saure-Gurken und
       Sommerpausen-Zeit half, geht ins letzte Wochenende. Oft standen in den
       letzten Wochen afrikanische Musiker:innen auf der Bühne, am vorletzten
       Abend, dem Freitag (9. 8., 20.30 Uhr) gibt es ein
       libanesisch-französisches, Live-Cinema-Event mit guter Musik.
       
       Der aus dem Libanon stammende Produzent und DJ Rabih Beaini hat sich auf
       handgemachten, eher schroffen, dabei aber variantenreichen Analog-Techno
       spezialisiert, bebildert wird das vom Filmemacher Vincent Moon. Zum
       Saison-Abschluss am Samstag bringt dann das Berliner Pulsar Collective
       Psychedelisches mit Wave und Global Pop zusammen (10.8., 20.30 Uhr,
       Eintritt frei, [5][weitere Infos gibt es hier]).
       
       Am Sonntag gibt es dann im Silent Green „dystopische Clubmusik“ von Nick
       León. So steht es zumindest in der Ankündigung. Doch hört man durch die
       Bandcamp-Seite des aus Miami stammenden Produzenten, klingt das ziemlich
       bouncy und gar nicht so abgründig.
       
       Nun, vielleicht kommt die Beschreibung so zustande, dass León seine Sounds
       aus Floridas vielfältigem Ökosystem sampelt und das, wie ja die meisten
       Ökosysteme, sicher unter Stress steht – vielleicht ja hörbar. Sonst steckt
       einiges an Hip-Hop-Einflüssen und viele Liebe für Latin-Sound in seinem
       Mix.
       
       Der visuelle Support kommt von Digitalkünstler und Designer Ezra Miller.
       Eher immersiv und verästelt wird es dagegen beim Set der aus Russland
       stammenden, in Berlin beheimateten Performerin perila zugehen, die zusammen
       mit der US-ameriaknischen Musikerin Ulla ebenfalls an dem Abend in der
       Kuppelhalle auftreten werden (silent green, 11.8., 20 Uhr, [6][Tickets
       kosten im Vorverkauf 26,64 Euro]).
       
       Am Mittwoch wird wieder auf dem Galerie-Kahn Hošek Contemporary
       improvisert, bereits zum 215. Mal. Es wird zwei Sets geben, eines davon mit
       dem Gitarristen Olaf Rupp, der nicht nur eine bemerkenswerte Art hat, seine
       Gitarre zu halten – nämlich aufrecht, was wohl von chinesischen
       lauten-Spielerin inspiriert ist – sondern ihr auch Erstaunliches zu
       entlocken vermag. Hier trifft er auf die Bratschistin Marie Takahashi und
       den Kontrabassisten Alexander Frangenheim (Galerie-Kahn Hošek, nahe der
       Anlegestelle Fischerinsel, 14. 8., 19.30 Uhr, Abendkasse 10 Euro,
       [7][weitere Infos gibt es hier)].
       
       Für den darauf folgenden Samstag sei dann schon mal auf das intime
       VILLAPALOOZA #4 hingewiesen, dass Freund:innen der Liedkunst in den
       Garten der Villa Kuriosum in Lichtenberg lockt. Berliner
       Singwriter:innen und ein paar Wiener:innen [8][werden am späten
       Nachmittag und frühen Abend sich und ihr Songwriting vorstellen], unter
       anderem Avant-Folk-Sängerin Mone oder der Violinist und Sänger Hezron
       Chetty. Wird bestimmt kuschelig ([9][Villa Kuriosum], Scheffelstr. 21, 17.
       8., 16 Uhr, Einlass ab 15 Uhr, Spende zwischen 8-12 Euro erwünscht).
       
       8 Aug 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.radialsystem.de/de/festivals/a-larme-festival-vol-xii-finale/
   DIR [2] /Abschied-von-Impresaria-Monika-Doering/!6012905
   DIR [3] https://www.radialsystem.de/de/veranstaltungen/a-larme-festival-vol-xii-finale-day-3/
   DIR [4] https://www.humboldtforum.org/de/programm/event/festival/durchluften-2024-129109/
   DIR [5] https://www.humboldtforum.org/de/programm/event/festival/durchluften-2024-129109/
   DIR [6] http://www.eventbrite.de/e/nick-leon-ezra-miller-perila-ulla-tickets-890985951967?aff=oddtdtcreator%2C%20weitere%20Infos%3A%20https%3A%2F%2Fwww.silent-green.net%2Fprogramm%2Fdetail%2F2024%2F8%2F11%2Fnick-leon-ezra-miller-perila-ulla
   DIR [7] https://www.hosekcontemporary.com/events
   DIR [8] https://www.facebook.com/events/villa-kuriosum/villapalooza-4-das-mini-songwriter-festival-im-garten-der-villa-kuriosum/504108345425660/
   DIR [9] https://villakuriosum.net/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Stephanie Grimm
       
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