# taz.de -- Kamala Harris: Mut und Optimismus statt Lethargie
> Unser*e Kolumnist*in war frustriert, dass Joe Biden wieder zur Wahl
> als US-Präsident antreten wollte. Doch dann kam die Hoffnung zurück.
IMG Bild: A New Hope: Kamala Harris, Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, am 10. August in Las Vegas
Als politischer, junger Mensch war ich eigentlich nie pessimistisch. Ich
bin Optimist*in, schrieb ich ganz am Anfang dieser Kolumne einmal. Ich
wurde nicht einmal lethargisch, als nach dem globalen Klimastreik wieder
kaum etwas passierte. Irgendwo sah ich immer Hoffnung. Als in Deutschland
im Januar dieses Jahres die Demos gegen die Deportationspläne der AfD
begannen, hatte ich Mut. Als [1][CSD in Sonneberg] war und wir von
Neonazis angeglotzt wurden, die gerne zugeschlagen hätten, wenn die
Polizei uns nicht beschützt hätte, hatte ich Mut.
Dann kam der US-Präsidentschaftswahlkampf 2024 und die Tatsache, dass Joe
Biden erneut kandidieren und ihn offenbar niemand davon abhalten wollte.
Ich fragte mich immer wieder: Wie kann es bitte sein, dass im Angesicht
einer drohenden Machtübernahme eines Faschisten wie Trump das demokratische
Lager niemand anderen ins Rennen schicken will als einen senilen und
gesundheitlich ungeeigneten 82-Jährigen? Trump droht offen mit der
Vertreibung von trans Menschen, weltweit warten Rechtsextreme darauf, dass
er eine Autokratie errichtet. Und Joe Biden soll das richten? Wenn die
Demokratie das als Antwort auf eine derartige Bedrohung hat, dann hätte sie
es irgendwie nicht besser verdient. Ich habe mich für diesen Gedanken
gehasst.
Warum noch kämpfen, wenn ein [2][seniler Mann den US-Präsidenten spielen
soll]? Danach holen wir den nächsten alten Mann aus der Mottenkiste, der es
irgendwie geschafft hat, im politischen Betrieb so wenig Leuten auf den
Schlips zu treten, dass er Kandidat werden kann? Mich frustrierte diese
Perspektive. Mehr als jedes [3][gute AfD-Ergebnis bei der Europawahl], mehr
als jede Umfrage zu Homophobie und mehr als jede Schlagzeile über
queerfeindliche Gewalt. Weil es im Grunde dafür stand, dass die Demokratie
sich aufgegeben hatte.
[4][Dann kam Kamala Harris]. Eine Frau, vergleichsweise jung, mit einer
Kampagne, die aus mehr als „Wählen Sie nicht den bösen Onkel“ besteht. Und
plötzlich begeisterte sie mich. Das ist fast schon grotesk, weil ich nicht
glaube, dass sie die Welt verändern wird. Aber sie verhindert, dass die
Lethargie in mir gewinnt. Harris steht für eine Welt, in der es sich lohnt,
für Veränderung zu kämpfen.
Bis vor wenigen Wochen war nicht klar, ob man dem amtierenden
US-Präsidenten überhaupt sagen kann: Du kannst nicht noch mal antreten.
Egos und Männer halt. Dass es am Ende doch ging, zeigt, dass die Demokratie
noch lebendig ist. Da war ich mir nicht mehr sicher.
Wie schön wäre es, wenn ein Typ wie Trump von einer Frau an dem gehindert
wird, was er längst für selbstverständlich hält? Harris kann die Erzählung
hinter Trump beenden. Wenn es eine Chance gibt, dass die Republikanische
Partei jemals wieder von einem Sammelsurium aus Incels, fundamentalen
Christen, Faschisten und Mitläufern wieder zu einer halbwegs normalen
Partei werden kann, dann ist es der Moment, wenn Trump gegen Kamala Harris
verliert.
Das Kämpfen gegen die Bedrohung faschistischer und reaktionärer Kräfte hat
viel zu lange keinen Spaß gemacht. Harris bringt ihn mit ihrer
popkulturellen Ader zurück. Spätestens seit sie von Sängerin Charli XCX als
„brat“, also Göre, geadelt wurde. Wenn also eine diese Kehrtwende für die
Demokratien in den USA, Deutschland oder Frankreich anstößt, dann ist es
[5][Kamala Brat Harris]. Nennt mich naiv, aber ich glaube daran. Ich bin ja
immer noch Optimist*in.
18 Aug 2024
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## AUTOREN
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