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       # taz.de -- Demokraten im Wahlkampf: Warum die Republikaner seltsam sind
       
       > Der Vizekandidat der US-Demokraten, Tim Walz, findet die Republikaner
       > komisch, er nennt sie weird. Aber was bedeutet das eigentlich?
       
   IMG Bild: Für die Demokraten ist der Fokus auf die weirdness von Trump und Vance eine neue Angriffslinie
       
       Der Vizepräsidentschaftskandidat der Republikaner, J. D. Vance, stand im
       Juli auf [1][einer Bühne in seinem Heimatstaat Ohio.] In einem Versuch, vor
       seinen Anhängern lustig und nahbar zu wirken, beschwerte er sich über die
       Demokraten.
       
       Alles, was man tue, [2][sei in ihren Augen rassistisch], sagte Vance. „Ich
       habe gestern eine Diet Mountain Dew getrunken und heute eine. Ich bin
       sicher, dass sie das auch rassistisch nennen werden.“ Es folgte
       vereinzeltes Lachen. Fremdschämen. Und Ratlosigkeit. Wieso soll Mountain
       Dew in den Augen der Demokraten rassistisch sein? Vance’ Aussage und sein
       Auftreten waren irgendwie… weird. Komisch eben.
       
       Die weirdness von Vance und seinem Mitstreiter Donald Trump ist in den USA
       mittlerweile zum Meme geworden und damit auch zum Einflussfaktor im
       Wahlkampf. Auslöser dafür: der frisch ernannte Vize der Demokraten, Tim
       Walz. Noch vor seiner Ernennung nannte er das Duo Trump-Vance [3][in einem
       Interview] mit dem Fernsehsender MSNBC „einfach weird“ und bezeichnete sie
       im selben Atemzug als Frauenhasser. „Das sind weirde Leute auf der anderen
       Seite“, fügte Walz später an.
       
       Für die Demokraten ist der Fokus auf die weirdness von Trump und Vance eine
       neue Angriffslinie. Bislang hatten sie unablässig vor dem autoritären
       Gehabe der Republikaner gewarnt und die Rechten als Bedrohung für die
       liberale Demokratie bezeichnet. Doch indem sie derart hyperventilierten,
       blähten sie Trump und seine Unterstützer künstlich auf.
       
       ## Beobachtung statt Beleidigung
       
       Sie jetzt weird und damit irgendwie bemitleidenswert zu nennen lässt die
       Luft dagegen raus. Frauen vorschreiben, was sie mit ihren Körpern tun
       sollen? Weird. Bücher in Schulen verbieten? Weird. In Klassenzimmern
       Plakate mit den Zehn Geboten vorschreiben? Weird.
       
       Auf Nachfrage erklärte Walz jüngst, das Attribut weird sei kein
       Schimpfwort, sondern schlicht eine „Beobachtung“. Doch was bedeutet es
       eigentlich? Im Deutschen würde man weird wohl am ehesten mit „komisch“ oder
       „merkwürdig“ übersetzen. Laut dem Oxford Dictionary hatte es ursprünglich
       auch übernatürliche Anleihen, ein unheimliches Gefühl.
       
       Im alltäglichen Gebrauch wird weird heute in abgeschwächter und
       abgewandelter Form verwendet. Aber das Gefühl des Unbehagens und der
       Befremdlichkeit bleibt, wenn der Spray-Tan-Opa damit angibt, wie gerne er
       Frauen angrabscht, oder sein Sidekick peinliche Sprüche klopft.
       
       Wohl kaum jemand wäre geeigneter, die Vorwürfe der weirdness vorzubringen,
       als Tim Walz. Videos im Internet zeigen den Gouverneur von Minnesota als
       nahbaren Midwestern-Dad. Eine Rolle, die er authentisch erfüllt. Er
       [4][filmt sich auf einem Jahrmarkt,] wie er lässig mit Kappe Witze mit
       seiner Tochter reißt und Achterbahnen ausprobiert.
       
       ## Auch Biden war seltsam
       
       Während sich die Republikaner in die Privatangelegenheiten der Menschen
       einmischen wollen, steht Walz für eine solide progressive Politik. Er lacht
       zwar über seine Tochter, die kein Fleisch isst, verbietet aber trotzdem
       Konversionstherapien, macht das Mittagessen in der Schule kostenlos und
       stärkt Arbeiterrechte.
       
       Und trotzdem: So richtig möglich wurde die neue Linie der Demokraten erst
       nach dem Rückzug Joe Bidens. Denn wer anderen weirdness vorwerfen will,
       darf nicht selbst altersschwach und schusselig sein, sondern muss gefestigt
       im Leben stehen.
       
       Und obgleich Biden bei weitem kein Trump ist, gibt es auch von dem
       amtierenden US-Präsidenten einige Videos, die zeigen, wie er junge Frauen
       etwas zu lange oder etwas zu intim berührt. Dass Biden diese Clips im
       Wahlkampf 2020 nicht zum Verhängnis wurden, liegt vor allem an seinem
       Kontrahenten. Denn der war einfach noch weirder.
       
       7 Aug 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://eu.usatoday.com/videos/news/2024/07/29/drinking-mountain-dew-racist-according-to-jd-vance/74587994007/
   DIR [2] https://www.youtube.com/watch?v=UNAtVCgLF0w
   DIR [3] https://www.youtube.com/watch?v=BK155YkhoEY
   DIR [4] https://www.youtube.com/watch?v=y2CZOlOFHPQ
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Leon Holly
       
       ## TAGS
       
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