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       # taz.de -- Schutz für Israel: Debatte über deutsche Beteiligung
       
       > Der Krisenstab bereitet die Evakuierung deutscher Staatsbürger aus dem
       > Libanon vor. Außenministerin Baerbock mahnt zur Deeskalation in der
       > Region.
       
   IMG Bild: Transportflugzeuge vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe stehen auf dem Fliegerhorst Wunstorf für den Einsatz bereit
       
       Berlin taz | Der iranische Gegenschlag auf Israel nach dem [1][Attentat auf
       den Chef des Hamas-Politbüros, Ismael Hanijeh], kann jederzeit erfolgen.
       Nun bringt sich eine Art Schutzkoalition, angeführt von den USA, rund um
       Israel in Stellung. Washington hat bereits Flugzeugträger und Kampfjets in
       die Region verlegt. An einem Angriff im vergangenen April beteiligten sich
       auch Großbritannien, Frankreich und Jordanien. Vermutlich werden sie auch
       dieses Mal Teil der Koalition der Verbündeten sein.
       
       Die Bundesregierung macht sich bereit, um im Fall einer weiteren Eskalation
       deutsche Staatsbürger*innen aus dem Libanon zu evakuieren. Das
       Auswärtige Amt geht derzeit von mehr als 2.000 Personen aus – und bezieht
       sich auf die Krisenvorsorgeliste Elefand.
       
       Eine Evakuierungsoperation ist keine Pauschalreise und trotz aller
       Sicherheitsmaßnahmen mit Gefahren und Unsicherheiten verbunden, heißt es
       aus dem Auswärtigen Amt. Niemand solle sich darauf verlassen, dass eine
       Evakuierung aus Libanon problemlos möglich sein werde. Das Auswärtige Amt
       erneuerte seine Forderung, das Land zu verlassen.
       
       Aber mit der drohenden Eskalation in der Region nimmt auch die Debatte
       Fahrt auf, ob sich die Bundeswehr an einer Schutzkoalition beteiligen
       sollte. „Wir haben immer gezeigt, dass wir Israel militärisch unterstützen,
       wenn das Existenzrecht Israels gefährdet ist“, sagte der SPD-Außenpolitiker
       und Obmann im Auswärtigen Ausschuss, Nils Schmid, der taz.
       
       ## „Parteipolitische Profilierungsversuche“
       
       Dafür gebe es aber nur wenig tatsächliche Möglichkeiten, etwa durch
       militärische Ausrüstung. „Sollte Israel auch Unterstützung bei der
       Luftabwehr brauchen, müssten wir das im Bundestag sorgfältig prüfen.
       Momentan aber stellt sich die Frage nicht, es gibt keine Anfrage von
       israelischer Seite“, so Schmid. Bis dahin warnt er vor Spekulationen – und
       vor „parteipolitischen Profilierungsversuchen“.
       
       Meinen dürfte er damit den CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter.
       „Angesichts der drohenden iranischen Attacke auf Israel, sollte sich
       Deutschland an einer Schutzkoalition für Israel beteiligen & proaktiv
       Unterstützung anbieten“, schrieb dieser auf X. „Das politische Ziel dabei
       ist es, die israelische Zivilbevölkerung zu schützen und durch vereinte
       Abschreckung einen Flächenbrand in der Region zu verhindern.“ Gegenüber dem
       Spiegel konkretisierte Kiesewetter, dass Deutschland bei der Betankung von
       Kampfjets befreundeter Nationen helfen könne oder durch den Einsatz
       deutscher Eurofighter zur Abwehr iranischer Drohnen.
       
       Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef
       Schuster, fordert militärische Unterstützung für [2][Israel]. Dem
       Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte er, die „historische
       Verantwortung Deutschlands“ für die Sicherheit Israels sei zwar nicht
       rechtlich bindend, „aber aus meiner Sicht bedeutet das natürlich, dass
       Deutschland im Falle eines Angriffs in der Größenordnung, wie er aktuell
       droht, auch militärisch an der Seite des jüdischen Staates steht.“ Laut
       Verteidigungsministerium steht eine solche Beteiligung aber „im Moment“
       nicht zur Debatte.
       
       Die Forderung nach einer stärkeren Beteiligung taucht seit dem brutalen
       Angriff der Terrormiliz Hamas auf Israel am 7. Oktober 2024 immer wieder
       auf. Es geht vor allem um die Unterstützung internationaler Partner oder
       mehr Beteiligung an der Unifil-Mission im Libanon. Bisher blieb es bei der
       Debatte und Berlin steckt seine Energie vor allem in Diplomatie.
       
       Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) appellierte am Dienstag
       erneut an alle Akteure in der Region, „den Pfad der immer weiteren
       Eskalation zu verlassen“. „Deeskalation ist das Gebot der Stunde“, schrieb
       Baerbock auf X. Bereits am Sonntag warnten die G7 – neben Deutschland
       zählen Frankreich, Kanada, Japan, Italien, Großbritannien und die USA dazu
       – davor, einen größeren Konflikt in der Region zu entfachen. „Kein Land und
       kein Volk würden von einer weiteren Eskalation profitieren.“
       
       Für Einsätze im Ausland braucht die Bundeswehr ein Mandat des Bundestags.
       Ein solches Mandat sei im Fall einer Evakuierung aus dem Libanon „politisch
       unumstritten“, sagte SPD-Außenpolitiker Schmid der taz, und könne notfalls
       auch nachträglich beschlossen werden. Die Debatte über Militäreinsätze
       dürfe aber nicht von einer politischen Lösung ablenken. „Langfristig ist
       eine politisch verhandelte Zweistaatenlösung der einzige Weg, um dem
       berechtigten Sicherheitsbedürfnis Israels wie auch dem ebenfalls
       berechtigten Interesse der Palästinenser an einem eigenen Staat Rechnung zu
       tragen.“
       
       6 Aug 2024
       
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