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       # taz.de -- Triathletin bei den Radsportlerinnen: Fröhliche Bruchpilotin
       
       > Die Triathletin Taylor Knibb aus den USA schlittert ausnahmsweise bei den
       > Radspezialistinnen auf nassem Untergrund im Einzelzeitfahren mit.
       
   IMG Bild: Taylor Knibb trotzt den widrigen Bedingungen mit guter Laune
       
       Eine derart gut gelaunte Bruchpilotin hat die Sportwelt selten gesehen.
       Dreimal ist Taylor Knibb beim olympischen Einzelzeitfahren auf den
       regennassen Straßen von Paris gestürzt. Oder waren es viermal? Da war sie
       sich nach dem Rennen in der Mixed Zone dann gar nicht mehr sicher. Auf
       jeden Fall sei das Rennen „fantastisch“ gewesen, sagte sie mit einem
       strahlenden Lächeln im Gesicht.
       
       Die Reporter in der Mixed Zone im Zielbereich auf der schmucken Pont
       Alexandre III. gleich neben dem prächtigen Grand Palais hinter den Champs
       Élysées blickten derweil besorgt auf die verbundenen Knie der
       US-Amerikanerin. „Wie geht es Ihnen?“, wollte einer wissen. „Gut, und
       Ihnen“, war die Antwort.
       
       Nein, Taylor Knibb, der nach ihren Stürzen das Blut von den Knien lief,
       wollte sich ihre gute Laune nicht verderben lassen. Das Radrennen gegen die
       Uhr ist für sie ohnehin nur eine Zugabe bei diesen Spielen. [1][Sie ist als
       Triathletin eine der großen Favoritinnen auf die Medaillen.] Zweimal war
       sie schon Weltmeisterin in der 70.3-Variante des Sports, bei der es 1,9
       Kilometer zu schwimmen gilt und dann 90 Kilometer auf dem Rad bewältigt
       werden müssen, bevor es auf die Laufstrecke von 21,1 Kilometern geht.
       
       Auch eine olympische Silbermedaille hat sie schon gewonnen, 2021 in Tokio
       in der Mixed-Staffel. Die kleinen Wunden an den Knien sollen sie nun nicht
       aufhalten bei der Medaillenjagd über die kurze Olympiadistanz im Triathlon
       (1.500 Meter Schwimmen, 37,2 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen).
       
       ## Auch der Mechaniker stürzt
       
       Der Ausflug [2][in den Radsport] hat ihr jedenfalls Spaß gemacht, obwohl
       sie gewiss mehr erreicht hätte als den 19. Platz, wenn sie nicht dreimal
       gestürzt wäre. Bei einem der Stürze ging noch dazu die Bremse kaputt,
       weshalb sie gegen Ende des Rennens auch noch das Rad gewechselt hat. Dabei
       kam es tatsächlich zu einem weiteren Sturz. Der Mechaniker, der ihr die
       neue Rennmaschine brachte, rutschte aus und fiel auf die Straße. Am Ende
       sei das Ganze „mehr Überleben als alles andere gewesen“, sagt Taylor Knibb.
       
       Als doch etwas überraschende Siegerin der US-Meisterschaften im
       Einzelzeitfahren hatte sie sich das Olympiaticket für diese Disziplin
       geholt. Begeistert erzählt sie, wie viel sie nun in Paris von Teamkollegin
       Chloé Dygert, die schon zweimal Zeitfahrweltmeisterin war, gelernt hat. Die
       gewann am Samstag Bronze hinter der Australierin Grace Brown und der Britin
       Anna Henderson. Auch sie stürzte auf dem Weg zum Ziel einmal. Knibbs kann
       auch darüber nur lachen.
       
       Ihr Trainer habe ihr jedenfalls noch vor dem letzten Zeitfahren gesagt:
       „Taylor, versuch bloß nicht zu schnell um die Kurve zu fahren, um dann zu
       stürzen, das macht dich am Ende nur langsamer“. Dann lacht sie wieder.
       „Also so wirklich gut habe ich seinen Rat nicht befolgt. Aber man steht
       wieder auf und es geht weiter.“ Und überhaupt. Sie könne ja noch so viel
       lernen. „Ich bin ja erst 26. Oder schon? Ist das jetzt jung oder alt?“
       
       Ob alt, ob jung – am Mittwoch muss Knibb schon wieder ran. Da steht der
       Triathlon auf dem Programm.
       
       28 Jul 2024
       
       ## LINKS
       
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