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       # taz.de -- Waldbrände in Kanada: Nur ein Weg aus dem Inferno
       
       > Die Feuer in Labrador und Neufundland sind außer Kontrolle. 2023 wurden
       > bei kanadischen Waldbränden drei Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt.
       
   IMG Bild: Zugegeben, ein Foto aus dem vergangenen Jahr: 2023 trugen Brände in Kanada 27 Prozent zum globalen Waldverlust durch Feuer bei
       
       Berlin taz | Auf dem [1][Balkan, in Sibirien, in Griechenland, Brasilienm
       den USA – überall brennen derzeit wieder die Wälder]. Die womöglich am
       apokalyptischsten anmutenden Feuer wüten aktuell in Kanada. Am Wochenende
       mussten in Labrador und Neufundland 9.000 Menschen evakuiert werden,
       nachdem Brände außer Kontrolle geraten waren. Die Hauptbrandsaison beginnt
       dort gerade erst, bis zur vergangenen Woche waren die Behörden noch von
       eher durchschnittlich schlimmen Feuern ausgegangen.
       
       Aus Labrador City, einer der Städte, deren Bevölkerung seit Freitagabend
       aufgerufen war, die Gegend zu verlassen, führt nur eine einzige 500
       Kilometer lange Straße Richtung Osten aus dem bedrohten Gebiet hinaus.
       [2][Videos in sozialen Netzwerken zeigen lange Autoschlangen vor dichten
       Rauchwolken]. Die Flammen sollen sich minütlich 50 Meter voranbewegen,
       Löschflugzeuge wegen der Bedingungen vor Ort nicht einsetzbar sein.
       
       Solche Bilder aus den kanadischen Wäldern sind nicht neu, aber sie kommen
       immer öfter vor. Schon im vergangenen Jahr hatten Waldbrände in dem
       nordamerikanischen Land bis dahin ungekannte Ausmaße angenommen. Acht
       Feuerwehrleute kamen ums Leben, 230.000 Menschen mussten evakuiert werden.
       
       Die Folgen für Umwelt und Klima waren gigantisch und spielen auch global
       eine Rolle: Einer in [3][dem Fachmedium Global Change Biology
       veröffentlichte Untersuchung des World Resources Institute] zufolge waren
       ein Viertel aller weltweiten Verluste von Bäumen durch Brände 2023 auf die
       Feuer in Kanada zurückzuführen. Knapp 78.000 Quadratkilometer Wald
       verbrannten. Das ist in etwa die Fläche von Tschechien. Die Brände setzten
       beinahe drei Milliarden Tonnen des Treibhausgases CO2 frei – mehr, als das
       gesamte Land Indien im gleichen Jahr durch die Verbrennung von Kohle, Öl
       und Gas produzierte.
       
       ## Immer mehr, immer schlimmer
       
       Eine andere [4][Studie australischer Forscher:innen in Nature Ecology &
       Evolution] zeigt, dass sich die Anzahl und Intensivtät extremer Waldbrände
       in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt haben. Grund sei die
       menschengemachte globale Erhitzung. Die Forscher:innen hatten rund 3.000
       auffallend große Buschbrände untersucht, die zwischen 2003 und 2023
       stattgefunden hatten. Ergebnis: In diesem Zeitraum nahm die Häufigkeit
       ihres Auftretens um das 2,2-Fache zu, die jeweils 20 stärksten Brände pro
       Jahr hatten 2023 mehr als doppelt so starke Auswirkungen wie 2003. Dabei
       hatte es von 2016 auf 2017 einen Sprung gegeben.
       
       Die Wissenschafter:innen plädierten für eine effektivere
       Klimaschutzpolitik, aber auch für [5][eine Anpassung an die Erhitzung, etwa
       durch eine bessere Waldbewirtschaftung].
       
       14 Jul 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Studie-zur-Waldbrandgefahr/!6016283
   DIR [2] https://www.youtube.com/watch?v=sX941_UoDo8
   DIR [3] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/gcb.17392
   DIR [4] https://www.nature.com/natecolevol/
   DIR [5] /Zukunft-des-deutschen-Waldes/!6008721
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Beate Willms
       
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