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       # taz.de -- Kampf um Entlastungstarifvertrag: Streikwoche startet mit Gegenwind
       
       > Erzieher:innen geben sich zu Beginn des fünftägigen Ausstands
       > entschlossen. Der Senat blockiert weiter, Arbeitgeber starten eine
       > Elternpetition.
       
   IMG Bild: Jetzt eine ganze Woche Streik: Beschäftigte vor dem Abgeordnetenhaus bei einem Warnstreik Anfang Juni
       
       Berlin taz | Für die rund 2.000 Erzieher:innen, die sich am Montagmorgen
       vor dem Rathaus Charlottenburg-Wilmersdorf versammelt haben, beginnt die
       Woche nicht mit Kindergeschrei, sondern mit Jubel und Pfiffen. „Wenn wir
       bis 2026 warten, wer ist denn überhaupt noch da, um zu verhandeln?“, fragt
       Corinna Wiley auf der Bühne. Die Erzieherin beantwortet die Frage selbst,
       indem sie kurz [1][den Song „Ich kündige“ der Elektro-Pop-Band
       Großstadtgeflüster] anspielt.
       
       Die Botschaft auf der Auftaktveranstaltung zum einwöchigen Warnstreik in
       den Kita-Eigenbetrieben des Landes ist klar: Die Kita-Krise ist akut, wenn
       die Politik jetzt nicht handelt, werden viele Erzieher:innen dem Beruf
       den Rücken kehren und den bestehenden Personalmangel noch weiter
       verschärfen. Argumente wie von Finanzsenator Stefan Evers (CDU), man möge
       doch bis zu den nächsten Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst 2026
       warten, rufen hier nur Unverständnis hervor.
       
       Seit Monaten versucht die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, den Senat zu
       Verhandlungen über einen „Tarifvertrag pädagogische Qualität und
       Entlastung“ zu bewegen. Der soll durch [2][einen verbesserten
       Personalschlüssel] die Arbeitsbedingungen in den Kindertagesstätten
       attraktiver machen.
       
       ## Geschäftsleitung fällt Beschäftigten in den Rücken
       
       Doch statt auf Verhandlungsbereitschaft [3][stößt die Gewerkschaft
       zunehmend auf Widerstand], nicht nur aus der Politik. Am Freitag starteten
       die Leitungen von vier der fünf Eigenbetriebe des Landes eine Petition, in
       der sie Verdi zu einer sofortigen Beendigung des Streiks auffordern. Bis
       Redaktionsschluss hatte die Petition rund 2.000 Unterschriften. Ähnlich
       sieht es beim Landeselternausschuss aus, der sich bereits Anfang Juni von
       den Streiks distanzierte.
       
       „Es ist absolut schäbig, wenn die Interessen der Eltern und der
       Kitabeschäftigten gegeneinander ausgespielt werden“, kritisiert der
       Linken-Abgeordnete Niklas Schenker auf der Streikkundgebung.
       
       Auf welcher Seite die Geschäftsleitungen der landeseigenen Kitas stehen,
       deutete sich bereits in der Sitzung des Bildungs- und Jugendausschusses vor
       knapp zwei Wochen an. Claudia Freistühler, Geschäftsleiterin des
       Eigenbetriebs Kindergärten City, behauptete dort, dass es so etwas wie eine
       „Kita-Krise“ überhaupt nicht gebe. „Wir haben so viel Personal pro Kind wie
       noch nie“, sagte sie. Teilweise gebe es sogar einen Überhang an Personal.
       
       Einen Punkt, den Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch dankbar
       aufnahm. Alles halb so wild, Handlungsbedarf in Form eines
       Entlastungstarifvertrags gebe es nicht, so ihre Botschaft an die anwesenden
       Gewerkschaftsvertreter:innen.
       
       ## Auch Eltern solidarisieren sich
       
       „Das Bild des zerstörten Kita-Systems wird auch nicht dazu beitragen, dass
       wir junge Kolleg:innen für den Beruf gewinnen“, kritisierte ihrerseits
       die CDU-Politikerin. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stifung fehlen in
       Berlin 20.000 Kita-Plätze, um eine kindgerechte Betreuung zu gewährleisten.
       
       „Die haben keine Ahnung, wovon sie sprechen“, kommentiert Anja Krause, die
       in einer Brennpunkt-Kita beim Eigenbetrieb Südwest arbeitet, auf der
       Kundgebung. „[4][Ich würde die Senatorin gerne dazu einladen, zwei Wochen
       bei uns zu hospitieren.“] Das Mindeste sei, dass sich der Senat zu
       Gesprächen bereit erkläre, um nach Lösungen zu suchen, findet die
       Erzieherin. Alles andere sei „respektlos gegenüber den Mitarbeitenden in
       den Kitas“.
       
       In der Elternschaft gibt es neben Kritik auch Verständnis für die Streiks.
       „Es ist natürlich eine Belastung, aber am Ende ist es mir egal, warum die
       Kita zuhat“, sagt Mascha Krüger, alleinerziehende Mutter und Mitglied der
       Initiative Einhorn sucht Bildung, die Verdi unterstützt.
       
       Durch den Personalmangel und hohe Krankenstände habe die Kita ihres Sohns
       ohnehin ständig geschlossen. Daher brauche es langfristige Verbesserungen.
       „Wir unterstützen die Streiks umso mehr.“
       
       8 Jul 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.youtube.com/watch?v=dCWCo4S1-to
   DIR [2] /Kitas-in-Berlin/!6010198
   DIR [3] /Kita-Streik-in-Berlin/!6018118
   DIR [4] /Kita-Streik-in-Berlin/!6014527
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jonas Wahmkow
       
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