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       # taz.de -- momentaufnahmen: Wenn die Schwächeren die Stärkeren sind
       
       Selbst im freigeistigen Kreuzberg gibt es Regeln. Da hält man sich auch
       dran. Dass man mit dem Rad auf den Gehwegen unterwegs zu sein hat, zum
       Beispiel. Weil die Straßen hier gern noch mit Kopfsteinpflaster aufwarten
       und der Radfahrer doch der Schwächere wäre gegenüber den Autos. Jedenfalls
       ist das mit dem Rad auf dem Gehweg in Kreuzberg nicht die Ausnahme, es ist
       die Regel. Gewohnheitsrecht.
       
       Tatsächlich passiert auch selten was. Die Gehwege hier sind oft breit. Und
       die zu Fuß wissen ja, dass sie aufpassen müssen.
       
       Jetzt zur EM-Zeit sind diese breiten Gehwege vor den Spätis gut besetzt mit
       den sich vor den Fernsehschirmen bildenden Gemeinschaften. So voll war es
       bei dieser Achtelfinalbegegnung, dass nur ein paar Zentimeter blieben als
       Durchgang für die, die sich nicht so für Fußball interessieren. Fußgänger
       huschten schnell durch die Gasse. Manche Radler schoben ihr Rad. Und viele
       fuhren einfach durch.
       
       Da brauchte es schon einen starken Willen und Geschick, um den
       Fußballguckern nicht über die Zehen zu fahren. Eine wirklich souveräne
       Ich-Bezogenheit in diesem Laisser-faire-Kreuzberg. „Das ist“, meinte meine
       Sitznachbarin. „schon auch typisch deutsch.“ Thomas Mauch
       
       6 Jul 2024
       
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   DIR Thomas Mauch
       
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