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       ## Warschauer Balkonarbeiten
       
       Im taz-Haus herrscht in der Regel viel Gewusel; vor allem im dritten Stock,
       wo die tagesaktuellen Ressorts sitzen. Unzählige Absprachen, Konferenzen
       und Telefonate, klackende Tastaturen und röhrende Drucker lassen die
       Redaktionsflure dann manchmal atmosphärisch wie eine Bahnhofshalle wirken;
       etwa, wenn kurz vor Redaktionsschluss noch eine wichtige Eilmeldung
       aufploppt. Immerhin: Störende Handwerker trifft man hier eher selten an.
       
       Anders musste das am Dienstag die Polen-Korrespondentin der taz, Gabriele
       Lesser, erleben. Von ihrer Warschauer Wohnung aus wollte sie am Bildschirm
       die Pressekonferenz von Kanzler Scholz und Polens Premier Tusk verfolgen,
       um im Anschluss darüber zu schreiben. Allein daraus wurde nichts, wie sie
       am Mittag in dramatischem Ton den Berliner Kollegen mitteilte: „Ich konnte
       die Handwerker gerade noch davon abhalten, den Putz an den Wänden meines
       Balkons abzuschlagen.“ Es folgte eine ausführliche Beschreibung von
       offensichtlich falsch beauftragten Arbeiten und Kommunikationsproblemen.
       Sie habe, schrieb sie außerdem, nur den ersten Teil der PK mitbekommen.
       „Ich kann heute unmöglich etwas schreiben. Es tut mir leid.“
       
       Zum Glück war die Kollegin aus dem Parlamentsbüro mit der Kanzlerdelegation
       in Warschau dabei und konnte übernehmen. Immerhin: Ein Ende der Bauarbeiten
       in der polnischen Hauptstadt schien in Sicht: „Morgen soll die
       Balkon-Balustrade noch mal gestrichen werden. Ich hoffe, danach ist der
       Spuk vorbei …“
       
       Das wuselige taz-Haus drückte fest die Daumen. Daniel Godeck
       
       4 Jul 2024
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Daniel Godeck
       
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