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       # taz.de -- Präsidentschaftswahl in Iran: Iran hat keine Wahl
       
       > Am Freitag wird in Iran gewählt – zumindest soll dieser Anschein erweckt
       > werden. Viele junge Menschen schauen desillusioniert auf dieses Theater.
       
   IMG Bild: Eine Unterstützterin des Oppositionspolitikers Pezeshikan hält ein Plakat von Mousavi, der seit 2002 unter Hausarrest steht
       
       Seine Wut ist ihm anzusehen. Ein junger Student mit schwarzem, lockigem
       Schopf und einem getrimmten, modischen Bart ist aufgestanden und spricht
       laut und bestimmt. Er ist Teil eines großen Publikums, in der Mitte des
       Raums sitzt Masoud Pezeshkian. Es ist eine Art „Wahlarena“, Pezeshkian ist
       einer der „Kandidaten“ für das [1][iranische Präsidentschaftsamt].
       
       „90 Prozent der jungen Menschen versuchen andere davon zu überzeugen, nicht
       zu wählen“, sagt der Student in Richtung Pezeshkian. „Ich bin selbst einer
       von denen, die ihre Umgebung dazu anregen, dass sie ihre Stimme nicht
       abgeben.“ Die Veranstaltung wird gefilmt; es gehört Todesmut dazu, solche
       Worte in einem öffentlichen Raum in der Islamischen Republik auszusprechen.
       
       Denn der Anschein von freien Wahlen ist der Führung immens wichtig. Die
       Wahlbeteiligung war für die Machthaber stets ein „Beweis“ für die
       Unterstützung der Bevölkerung. Nur ist an Wahlen in der Islamischen
       Republik nichts legitim; sie sind weder frei, fair, gleich oder allgemein.
       Die „Kandidaten“ werden durch den fundamentalistischen Wächterrat bestimmt
       und müssen den Vorstellungen Khameneis genügen. Die Kandidaten sollen nicht
       der Bevölkerung dienen, sondern allein der islamistischen Diktatur. Nun
       soll also ein Nachfolger für den im Mai [2][verstorbenen Staatspräsidenten
       Ebrahim Raisi] „gewählt“ werden.
       
       Dem jungen Studenten in der „Wahlarena“ zuzuhören, bricht einem das Herz.
       Er spricht den Präsidentschaftsbewerber Masoud Pezeshkian direkt an und
       erklärt, dass dieser bekanntermaßen zu den sogenannten „Reformern“ gehöre
       und allein deswegen kandidiere, um die Wahlbeteiligung hochzuschrauben.
       Dabei verkenne das System [3][die Situation der jungen Menschen im Iran]:
       „Ich lerne, ich studiere, einfach nur, um diesem Staat zu entfliehen“, so
       der junge Mann, der mit diesen Worten sein Leben und seine Freiheit in
       Gefahr bringt.
       
       Man kann ihn sich vorstellen, in einem freien Land, wie er mit
       Kommiliton:innen in der Bibliothek lernt und über Politik und das
       Leben debattiert. Dort sollte er sein; nicht inmitten eines diktatorischen
       Wahltheaters, bei dem es nur darum geht, welcher Mann als nächster
       bestimmen soll, welche Menschen verfolgt, inhaftiert und ermordet werden.
       
       Für Menschen wie den jungen Studenten spielt es keine Rolle, wie der
       nächste Präsident heißt. Sie alle sind Männer [4][des Systems]. Eines
       Systems, das außer Unterdrückung und Verderben nichts kennt. Eines Systems,
       das keine Wahl lässt.
       
       24 Jun 2024
       
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