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       # taz.de -- TU-Präsidentin Geraldine Rauch bleibt: „Ich trete nicht zurück“
       
       > Im Gremium der TU sprach sich eine knappe Mehrheit für einen Rücktritt
       > der TU-Präsidentin aus. Rauch erklärte, sie wolle an ihren Fehlern
       > arbeiten.
       
   IMG Bild: Geraldine Rauch am 30.03.2022 im Hauptgebäude der Technischen Universität Berlin
       
       Berlin taz | Die Präsidentin der Technischen Universität Berlin (TU),
       Geraldine Rauch, wird nicht zurücktreten. Das erklärte die Universität am
       Donnerstagabend in einer Meldung. „Die Debatte war konstruktiv. Mich haben
       viele Aufrufe und Stellungnahmen erreicht, die mich auffordern zu bleiben“,
       sagte sie. „Die Grundordnung der TU Berlin sieht ein geordnetes Verfahren
       für die mögliche Abwahl der Universitätsleitung vor“, erklärte die
       41-jährige. Der Akademische Senat habe keinen Abwahlantrag gestellt. „Ich
       trete nicht zurück“, bestätigte sie.
       
       In seiner Sitzung am Mittwoch hatte der akademische Senat der TU Berlin ihr
       die Entscheidung über ihren [1][Verbleib an der TU-Spitze in die eigenen
       Hände gelegt]. Das Gremium, in dem Hochschullehrende, akademische
       Mitarbeiter*innen, Student*innen sowie Mitarbeiter*innen für
       Technik, Service und Verwaltung vertreten sind, hätte mit
       Zweidrittelmehrheit einen Antrag auf ihre Abwahl stellen können.
       
       Doch der akademische Senat erstellte stattdessen in geheimer Abstimmung ein
       Meinungsbild. Darin sprach sich eine knappe Mehrheit für ihren Rücktritt
       aus: 13 der 25 Mitglieder befürworteten demnach ihren Rücktritt. 12
       votierten dafür, dass sie im Amt bleiben solle. Alle 25 stimmberechtigen
       Mitglieder waren anwesend, es gab keine Enthaltungen.
       
       ## Unter Druck wegen Likes auf X
       
       In ihrer Position als Präsidentin der Technischen Universität Berlin war
       Rauch unter Druck geraten: Denn sie hatte mit ihrem X-Account einen Post
       mit antisemitischer Bildsprache gelikt. Am schwersten wog das Herz für
       einen Text über eine Demonstration in der Türkei für einen Waffenstillstand
       und gegen die Operation in Rafah. Dieser Post eines Nutzers mit russischer
       Flagge in der Bio war wiederum mit einem Bild illustriert: es zeigt
       Demonstrant*innen mit einem Plakat, auf dem der israelische
       Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit Blutflecken und Hakenkreuzen
       versehen ist.
       
       Daneben war Rauch auch konkret dafür kritisiert worden, dass sie Likes für
       X-Beiträge vergeben hatte, in denen von „Völkermord in Gaza“ geschrieben
       wurde oder in denen die Fragen standen: „Wir sind Wertepartner mit
       Kriegsverbrecher?“ (sic) und: „Mit welchem Israel sind wir Wertepartner?“.
       Sie hatte dafür [2][unter anderem Kritik vom Regierenden Bürgermeister, vom
       Zentralrat der Juden und vom TU-Präsidium geerntet], Politiker*innen
       und Amtsträger*innen hatten seitdem ihren Rücktritt gefordert.
       Student*innen und Mitarbeiter*innen zeigten sich solidarisch mit
       der Präsidentin.
       
       „An meinen Fehlern werde ich arbeiten“, erklärte Rauch am Donnerstag. Sie
       habe im Akademischen Senat Maßnahmen für einen gemeinsamen Weg in die
       Zukunft genannt. „Das von mir eingereichte Disziplinarverfahren wird eine
       juristische Bewertung hervorbringen“, sagte sie.
       
       ## Wer ist Geraldine Rauch?
       
       Geraldine Rauch ist 41 Jahre alt. Sie war zum Sommersemester 2022 zur
       Präsidentin der TU Berlin gewählt worden – zunächst für vier Jahre. Sie hat
       in Bremen Mathematik studiert, promovierte bei einer Medizinfirma und
       erhielt 2015 an der Universität Heidelberg ihre Lehrerlaubnis für
       Hochschulen. Es folgten eine Professur am Universitätsklinikum Hamburg
       sowie eine Station an der Charité Berlin als Direktorin des Instituts für
       Biometrie und Klinische Epidemiologie und Pro-Dekanin für Studium und Lehre
       mit lebens- und gesundheitswissenschaftlichem Schwerpunkt.
       
       Geraldine Rauch ist Sprecherin des Exzellenzverbunds Berlin University
       Alliance. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte sie außerdem 2022 in den
       Zukunftsrat der Bundesregierung berufen. Der Akademische Senat setzt sich
       aus Hochschullehrern, akademischen Mitarbeitern, Studenten und Mitarbeitern
       für Technik, Service und Verwaltung zusammen.
       
       6 Jun 2024
       
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