# taz.de -- Ergebnis der Europawahl in Deutschland: Die Anti-Ampel-Wahl
> Die Ampel-Regierung wurde mit einem historischen Ergebnis abgestraft,
> Union und Populist*innen triumphieren. Geht Politik 2024 nur noch in
> populistisch?
IMG Bild: Ganz schön bedröppelt: Die Ampel-Koalitionäre haben zusammen weniger als 30 Prozent der Stimmen bekommen
Das Wahlvolk nutzt Europawahlen oft als Denkzettel für die Regierung. Aber
nur ein Drittel für die Ampelparteien? Das ist mehr als Ausdruck situativen
Missvergnügens. Das letzte Mal, dass Regierungsparteien bei einer
Europawahl so miserabel abschnitten, war 2004. Ein Jahr später war Rot-Grün
am Ende. Man muss kein Untergangsprophet sein, um das für ein Menetekel zu
halten.
Dabei hat die SPD viel Energie und politisches Kapital investiert. Der
Kanzler, der gar nicht zur Wahl stand, lächelte besonnen von den Plakaten.
Angesichts des Rechtsrucks in Europa hoffte die SPD auf [1][die
Gegenmobilisierung]. Dieses Kalkül ist nicht aufgegangen. Die
Wahlbeteiligung zeigt zwar, dass viele die Vorstellung aufgeschreckt hat,
dass Le Pen und Meloni in Europa den Ton vorgeben. Deshalb haben viele für
eine demokratische Partei votiert – aber nicht für [2][die
Sozialdemokraten].
Und jetzt? Das Vertrauen in Scholz’ Erzählung, dass die Deutschen am Ende
ihn und nicht Merz als Kanzler wollen, hat noch mehr Risse bekommen. Die
Debatte, ob [3][Boris Pistorius] Scholz verdrängen wird, ist allerdings
noch immer mediale Flatterhaftigkeit und keine realpolitische Möglichkeit.
## Anti-Ampel-Affekt und Grünen-Groll
Die Union hat fast so viel Zuspruch bekommen wie SPD, Grüne und FDP
zusammen. Wenn man Wahlen ganz altmodisch als Konkurrenz unterschiedlicher
Ideen versteht, ist das ein erstaunlicher Sieg. Aber was will die Union
eigentlich? Auf ihren Plakaten prangten Slogans, die wie ein „Best of“ der
letzten 50 Jahre wirkten: Wohlstand und Freiheit. Die Union hat auf die
Anti-Ampel-Stimmung vertraut. Selbst etwas zu wollen, hätte da nur gestört.
Das ist ein Wink für die Bundestagswahl 2025: Scholz’ Hoffnung, gegen einen
angriffslustigen, wankelmütigen Merz automatisch im Vorteil zu sein, kann
von etwas anderem verdrängt werden: der fest eingravierten Ablehnung gegen
die Ampel. Die mag auch das AfD-Ergebnis erklären. Die AfD ist zudem, fast
wie Trump, resistent gegen Skandale.
Die Grünen wirken noch ratloser als die SPD. Der Anti-Ampel-Affekt ist vor
allem ein teils irrationaler Hass auf die Ökopartei. Das Image, eine
moralisierende Partei von Besserverdienern zu sein, ist tief eingefräst.
Die Grünen wirken in einer veränderungsunwilligen Gesellschaft wie eine
Provokation. Auch sich selbst zu verharmlosen und [4][Robert Habeck als
onkelhaften Wiedergänger von Ludwig Erhard] zu inszenieren, nutzt nichts.
Diese Wahl zeigt: Die Stimmung ist anti-öko und antilinks. Beides spiegelt
sich auch im Aufstieg der Wagenknecht-Partei und im Abstieg der
Linkspartei. Die Mitte-links-Parteien stehen vor einer unschönen Frage:
Müssen sie populistischer werden, um die Populisten zu schlagen?
9 Jun 2024
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## AUTOREN
DIR Stefan Reinecke
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