# taz.de -- Hochwasser in Süddeutschland: Das ist der Klimawandel
> Nach den Überschwemmungen geht es vor allem um Unterstützung für die
> Betroffenen. Langfristig hilft aber nur eins: effektiver Klimaschutz.
IMG Bild: Bayern bremst bei der Klimapolitik und hat ein Hochwasserproblem, Ministerpräsident Söder am 2. Juni in Günzburg
Es ist das dritte Hochwasser in diesem Jahr nach der Saarland-Flut und dem
Dauerregen im Frühjahr im Nordwesten. Es ist das „neue Normal“ in einem um
zwei Grad wärmeren Land, in dem man den weltweit sichtbaren Folgen der
menschengemachten Klimakrise auch zu Hause schonungslos ausgesetzt ist.
Es kostet Menschenleben, verschlingt ungeheure Summen, bringt Zigtausende
um Hab und Gut. Es ist nicht das Wetter. Es sind nicht die
Tiefdruckgebiete. Auch nicht die Löcher im Deich. Es ist die
Klimakatastrophe, das Versagen beim Klimaschutz. Die Konzentration der
Klimagase in der Atmosphäre steigt stärker als jemals zuvor.
Doch selbst die Grünen zeigen Hemmungen, Klartext zu reden. Die Angst, man
könnte ihnen vorwerfen, das Leid der Bevölkerung politisch auszunutzen,
führt zu verklemmten Stellungnahmen. Dass gerade Bayern seit Jahren zu den
Bremsern der Klimapolitik gehört und etwa beim Ausbau der Windenergie zu
den Schlusslichtern, wagt im Katastrophenkontext niemand zu sagen.
Stattdessen geht es um Befindlichkeiten. „Wie sind die Emotionen?“, wird
der Einsatzleiter von der Reporterin gefragt. Nicht an die Politik werden
Fragen gestellt – versagt sie beim Klimaschutz, bei Anpassung, Vorsorge,
Hochwasserschutz? – sondern an die Feuerwehr.
Die Fragestellungen im ARD-Brennpunkt entsprachen eher denen nach
Fußballspielen: Wie machtlos fühlen Sie sich? Wie geht es Ihnen? Na super!
[1][Politische Fragen] kommen schon deshalb nicht vor, weil der Bayerische
Rundfunk panische Angst hat, eine Woche vor der Wahl die falsche Munition
zu liefern. Wähler, denen das Wasser bis zum Hals steht, könnten ins
Grübeln kommen und zur Ansicht neigen, [2][der grüne Umweltzirkus] habe
womöglich seine Berechtigung, sei sogar überlebenswichtig.
Als zentrale Maßnahme gegen die Flut wird jetzt die
[3][Elementarversicherung] gefordert. Oder die Starkregen-Gefahrenkarte. Es
wimmelt von Ratschlägen an Hausbesitzer. Kurz: Man versucht, die
Klimakatastrophe auf eine versicherungsrechtliche, technische, letztlich
individuelle Ebene abzuturfen.
4 Jun 2024
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DIR Manfred Kriener
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