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       # taz.de -- Geberkonferenz für Syrien-Hilfen: Lage in Syrien schlimmer denn je
       
       > 16,7 Millionen Syrer sind heute auf Hilfe angewiesen – mehr als je seit
       > Beginn des Bürgerkriegs. Geberkonferenz sagt 7,5 Milliarden Dollar zu.
       
   IMG Bild: Alltag von Kindern im zerstörten Aleppo 2024
       
       Brüssel dpa/afp | Die internationale Gemeinschaft stellt weitere 7,5
       Milliarden Euro bereit, um die schrecklichen [1][Folgen des Bürgerkriegs]
       in Syrien abzumildern. Von dem Betrag seien 5 Milliarden Euro als Zuschüsse
       und 2,5 Milliarden Euro als Kredite vorgesehen, teilte EU-Kommissar Janez
       Lenarcic nach einer Geberkonferenz am Montagabend in Brüssel mit.
       
       Die EU sagte für 2024 und 2025 2,12 Milliarden Euro zu. Darin sind 560
       Millionen Euro enthalten, die in diesem Jahr bereits für vertriebene und
       geflüchtete Syrer im Libanon, in Jordanien und im Irak zugesagt wurden,
       sowie der gleiche Betrag für das kommende Jahr. Die EU sagte zudem eine
       Milliarde Euro für syrische Flüchtlinge in der Türkei zu.
       
       Die USA erklärten, fast 545 Millionen Euro an humanitärer Hilfe für Syrien
       zugesagt zu haben. Washington bleibe der Unterstützung des syrischen Volkes
       verpflichtet, erklärte das Außenministerium.
       
       Einen Großteil der Gesamtsumme sagte einmal mehr Deutschland zu. Der
       Staatsminister im Auswärtigen Amt, Tobias Lindner (Grüne), kündigte einen
       Beitrag in Höhe von 1,053 Milliarden Euro zur Unterstützung von Menschen in
       Syrien und den aufnehmenden Nachbarstaaten an.
       
       ## Situation in Syrien schlimmer als vor einem Jahr
       
       Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden in dem Land in diesem Jahr
       12,9 Millionen Menschen Hunger leiden. Jedes dritte Schulkind ging zuletzt
       ohne Frühstück zur Schule und acht von neun Schulkindern konnten ihren
       Mindesternährungsbedarf nicht decken.
       
       „Die Situation in Syrien ist heute schlimmer als [2][vor einem Jahr]“,
       sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. „Tatsächlich war sie noch nie
       so schlimm und die humanitären Bedürfnisse waren noch nie so groß.“ Heute
       benötigten 16,7 Millionen Syrer humanitäre Hilfe – dies sei der höchste
       Wert seit Beginn der Krise vor mehr als 13 Jahren.
       
       Borrell warnte vor Bemühungen, Menschen zur Rückkehr nach Syrien zu
       drängen. „Freiwillige Rückkehr ist freiwillige Rückkehr. Flüchtlinge
       sollten nicht dazu gedrängt werden, nach Syrien zurückzukehren“, sagte er.
       Es gebe derzeit keine sichere und freiwillige Rückkehr von Flüchtlingen
       nach Syrien.
       
       Lindner betonte bei der Konferenz, aus deutscher Sicht könnten wegen der
       Situation in den von der syrischen Regierung kontrollierten Gebieten
       weiterhin keine Flüchtlinge zwangsweise dorthin zurückgeschickt werden.
       „Wir müssen ganz klar sein: Eine Rückkehr nach Syrien kann in Sicherheit
       und Würde nur auf freiwilliger Basis erfolgen“, sagte er.
       
       Zuletzt hatten acht EU-Länder eine Neubewertung der Lage in Syrien
       gefordert. Es sei unbestritten, dass der syrischen Bevölkerung nach dem
       Kriegsausbruch 2011 und in den folgenden Jahren internationaler Schutz
       gewährt werden musste, hieß es Mitte des Monats nach einer Konferenz in der
       zyprischen Hauptstadt Nikosia.
       
       „13 Jahre später hat sich die Situation in Syrien jedoch erheblich
       verändert, auch wenn anerkannt wird, dass dort noch keine vollständige
       politische Stabilität erreicht wurde“, erklärten die Abgesandten aus
       Zypern, Malta, Italien, Österreich, Tschechien, Dänemark, Polen und
       Griechenland. Vor allem [3][Zypern] hatte zuletzt angesichts steigender
       Flüchtlingszahlen gefordert, bestimmte Gebiete in Syrien als sicher
       einzustufen.
       
       28 May 2024
       
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