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       # taz.de -- Massendemonstrationen in Argentinien: Unis an der Spitze des Protests
       
       > Die Sparpolitik des argentinischen Präsidenten Javier Milei ruiniert den
       > Bildungssektor. Dagegen gehen landesweit 2 Millionen Menschen auf die
       > Straße.
       
   IMG Bild: Rund 500.000 Menschen demonstrierten vor dem Regierungssitz in Buenos Aires gegen die Sparpolitik im Bildungssektor
       
       Buenos Aires taz | Es war der erste richtige Schuss vor den Bug des
       Flaggschiffs von Javier Milei: die [1][Sparpolitik]. Während zuvor die
       üblichen Verdächtigen – [2][Gewerkschaften, linke Parteien und
       Kirchner-Anhängerschaft] – gegen die brutale Sanierungspolitik des
       libertären Präsidenten protestiert hatten, ging am Dienstag ein breiter
       Querschnitt der argentinischen Bevölkerung massiv und landesweit auf die
       Straßen und Plätze.
       
       Der Hochschulrat der öffentlichen Universitäten hatte zu dem Marcha Federal
       Universitaria aufgerufen. Alle Altersklassen und sozialen Schichten waren
       bei der bisher größten Manifestation gegen den libertären Präsidenten
       vertreten. Allein in der Hauptstadt Buenos Aires marschierten
       schätzungsweise eine halbe Million Menschen vom Kongress zur Plaza de Mayo
       vor dem Präsidentenpalast. Wobei es viele wegen der Überfüllung gar nicht
       bis auf die Plaza schafften. Landesweit waren knapp 2 Millionen Menschen
       auf den Beinen, um für das öffentliche und kostenlose Bildungssystem zu
       demonstrieren.
       
       „Wir verteidigen die öffentliche, freie und kostenlose Universität, die
       eine der großen Errungenschaften unseres Volkes ist und die wir nicht
       aufgeben werden“, sagte Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel bei
       der zentralen Kundgebung vor dem Regierungssitz Casa Rosada. „Wir
       verteidigen unser Recht auf ein Leben in Würde.“
       
       Nach seinem Amtsantritt im Dezember hatte Milei keinen Haushaltsentwurf für
       2024 vorgelegt, sondern den Haushalt 2023 schlicht um ein Jahr verlängert.
       Dadurch blieben die Zuweisungen für die jeweiligen Bereiche zwar absolut
       gesehen konstant, aber die [3][Jahresinflation von über 200 Prozent]
       bewirkte einen starken Wertverlust der Haushaltsmittel. Dass in einigen
       Universitätsgebäuden buchstäblich die Lichter ausgingen, weil die laufenden
       Stromrechnungen nicht mehr bezahlt werden konnten, war nur das kleinere
       Übel.
       
       Rund 90 Prozent der Hochschulbudgets werden für Löhne und Gehälter des
       Lehrpersonals und anderer Mitarbeiter ausgegeben. Bislang hat sich die
       Regierung geweigert, über Lohn- und Gehaltserhöhungen zu diskutieren.
       Stattdessen propagierte Milei einen privaten Bildungssektor, warf den
       Hochschulen Verschwendung vor und bezeichnete sie als „Parasiten“.
       
       In den bisher vier Monaten der Milei-Präsidentschaft betrug der
       inflationsbedingte Kaufkraftverlust der Beschäftigten über 30 Prozent.
       Nicht wenige Dozent*innen sind bereits unter die Armutsgrenze gerutscht.
       Finanzielle Zugeständnisse machte die Regierung lediglich bei den
       Unterhalts- und den Fixkosten.
       
       Parlamentarisch gesehen ist Milei der schwächste Präsident der letzten 40
       Jahre. Sein einziger Rückhalt ist die [4][Unterstützung durch die
       Bevölkerung]. Deren massive Beteiligung an der Marcha Federal Universitaria
       dürfte ihm einiges Kopfzerbrechen bereiten. Viele der Demonstrierenden
       gehörten zu denjenigen, die ihm mit ihrer Stimme zum Wahlsieg verholfen
       hatten. Die nächste Woche wird zeigen, ob Milei zum Einlenken fähig ist.
       Dann werden sich der Hochschulrat und die Regierung zum ersten Mal
       zusammensetzen.
       
       24 Apr 2024
       
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