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       # taz.de -- Gewerkschaften in den USA: VW-Arbeitende organisieren sich
       
       > Mehrheitsvotum für eine Belegschaftsvertretung in Chattanooga: Erstmals
       > seit den 40er Jahren halten Gewerkschaften Einzug in eine Autofabrik im
       > Süden.
       
   IMG Bild: Historischer Sieg: Mitarbeiter:innen des VW-Werks feiern, nachdem sie für den Beitritt zur UAW-Gewerkschaft gestimmt haben
       
       Chattanooga dp |a/rtr | Die Arbeiter:innen im US-Werk von VW in
       Chattanooga [1][haben im dritten Anlauf beschlossen], sich gewerkschaftlich
       zu organisieren. Für die US-Gewerkschaft UAW, die ihren Einfluss über die
       drei amerikanischen Autoriesen hinaus ausweiten will, ist es ein großer
       Sieg. „Ich bin überwältigt, dass wir erreicht haben, was wir uns
       vorgenommen hatten“, sagte die VW-Mitarbeiterin Lisa Elliott, während sie
       einen Kollegen umarmte. „Sagt Mercedes, sie sind die nächsten“, so Elliott.
       
       Nach Angaben von VW und der Gewerkschaft sprachen sich bei der am Freitag
       beendeten Abstimmung 73 Prozent der Arbeiter:innen dafür aus, von der
       UAW vertreten zu werden. Das Ergebnis muss noch von der US-Behörde NLRB
       bestätigt werden.
       
       Das Werk in Chattanooga ist damit die erste Autofabrik im Süden des Landes,
       das seit den 1940er Jahren durch eine Wahl gewerkschaftlich organisiert
       wird. Die Gewerkschaft hatte bisher in den US-Südstaaten und Werken
       ausländischer Autobauer einen schweren Stand.
       
       In den vergangenen Jahren war die Gewerkschaft zweimal mit dem Versuch
       gescheitert, die Arbeiter:innenschaft in dem Werk im Bundesstaat
       Tennessee zu organisieren. Aktuell hat die UAW aber Rückenwind: Im
       vergangenen Herbst setzte sie [2][nach einem wochenlangen Streik bei den
       US-Konzernen General Motors, Ford und Stellantis] bessere
       Arbeitsbedingungen und Einkommenserhöhungen von rund 25 Prozent durch.
       
       ## Über 80 Prozent der Arbeiter:innen stimmten ab
       
       Der Erfolg ist ein wichtiger Gewinn für die Kampagne des UAW-Präsidenten
       Shawn Fain zur gewerkschaftlichen Organisierung der Werke von mehr als
       einem Dutzend Autoherstellern in den USA. Fain und sein Team haben sich
       verpflichtet, bis 2026 40 Millionen Dollar für diese Bemühungen auszugeben.
       VW blieb bei der Abstimmung in seinem einzigen nicht gewerkschaftlich
       organisierten Werk weltweit neutral.
       
       Mit 3613 abgegebenen Stimmen nahmen den Angaben zufolge 83,5 Prozent der
       Arbeiter an der Abstimmung teil. Für die Vertretung durch die UAW stimmten
       2628 von ihnen. Die IG Metall bei Volkswagen betonte am Samstag, dass
       Chattanooga [3][die einzige Fabrik der Kernmarke VW ohne
       Belegschaftsvertretung] war.
       
       Die Präsidentin des Europäischen und Weltkonzernbetriebsrates bei
       Volkswagen, Daniela Cavallo, sagte, die Belegschaft in Chattanooga habe
       „ein Stück US-amerikanischer Gewerkschaftsgeschichte geschrieben“.
       
       20 Apr 2024
       
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