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       # taz.de -- Ex-US-Präsident Trump vor Gericht: Schweigegeld oder Geschäftsausgabe?
       
       > Wollte Trump eine Zahlung an einen Pornostar vertuschen? Das mit dem
       > Prozess betraute Gericht tut sich schwer, unbefangene Geschworene zu
       > finden.
       
   IMG Bild: Die Stimmung scheint angespannt: Ex-Präsident Trump vor Gericht in New York
       
       Washington taz | Er saß stoisch auf der Anklagebank. Drehte sich nur kurz
       um, um die möglichen Juroren zu begutachten, und unterhielt sich sonst nur
       mit seinen Anwälten. Der erste Tag im historischen Strafprozess gegen den
       früheren US-Präsidenten Donald Trump hatte nur wenig Showeinlagen zu
       bieten, doch die möglichen Implikationen für die im November in den USA
       anstehenden Präsidentschaftswahlen sind riesig.
       
       Zum ersten Mal in der Geschichte der USA ist ein [1][ehemaliger
       US-Präsident] Angeklagter in einem Strafprozess. Der Medienrummel am ersten
       Prozesstag am Montag war auch deshalb nicht verwunderlich. Die New Yorker
       Staatsanwaltschaft wirft Trump vor, Geschäftsunterlagen vorsätzlich
       gefälscht zu haben, um damit eine Schweigegeldzahlung an die
       Pornodarstellerin Stormy Daniels zu vertuschen. Mit dieser soll Trump vor
       Jahren eine Affäre gehabt haben.
       
       Trump bestreitet alle Vorwürfe. Für ihn ist dieser Prozess – so wie die
       anderen Anklagen, mit denen er sich konfrontiert sieht – nichts weiter als
       ein politisch motivierter Schachzug, um dafür zu sorgen, dass er im
       November keinen erneuten Wahlsieg feiern wird.
       
       „Es ist ein Betrug. [2][Es ist eine politische Hexenjagd.] Es geht weiter,
       und es geht für immer weiter“, sagte Trump, nachdem er den Gerichtssaal
       verlassen hatte. Seine Anhänger glauben ihm, einige von ihnen
       demonstrierten vor dem Gerichtsgebäude mit Trump-Flaggen und -Kappen für
       ihr politisches Idol.
       
       ## Die Suche nach unbefangenen Geschworenen ist schwierig
       
       Im Gerichtssaal selbst war alles business as usual. Nach den
       vorprozessualen Argumenten von beiden Seiten begann am Nachmittag die
       Auswahl der Geschworenen. Wie bereits erwartet gestaltete sich die Suche
       nach zwölf unbefangenen Juroren und sechs Ersatzjuroren als äußert
       schwierig.
       
       „Sie sind dabei, an einem Schwurgerichtsprozess teilzunehmen. Das System
       des Geschworenenverfahrens ist einer der Eckpfeiler unseres Justizsystems“,
       sagte Richter Juan Merchan der ersten Gruppe von möglichen Juroren, als
       diese den Gerichtssaal betraten.
       
       Von den 96 möglichen Geschworenen wurden mehr als die Hälfte umgehend
       wieder nach Hause geschickt, nachdem sie erklärten hatten, dass sie
       voreingenommen seien. New York ist eine von Demokraten dominierte Stadt und
       zugleich Trumps Geburtsort. Der Ex-Präsident gehört seit Jahrzehnten zu den
       prominentesten – und umstrittensten – Persönlichkeiten in der Stadt.
       
       Am Ende blieben von den 96 Kandidaten nur 9 übrig. Am Dienstag soll die
       Geschworenensuche fortgesetzt werden. Neben der
       Pornostar-Schweigegeld-Causa muss sich Trump auch in drei weiteren Fällen
       verantworten. Die weiteren Anklagen betreffen sowohl den Versuch, seine
       Wahlniederlage vor vier Jahren rückgängig zu machen, als auch die
       Handhabung von Geheimakten nach seiner Amtszeit.
       
       ## Anklagen beflügeln Trumps Werte eher
       
       Eine mögliche Verurteilung würde keine automatische Disqualifikation im
       [3][Rennen um das Amt des Präsidenten] bedeuten. Dennoch wären diese
       Prozesse – sollten sie alle noch vor der Wahl beginnen – äußerst störend,
       besonders in der Hochphase des Wahlkampfs. Bislang haben die verschiedenen
       Anklagen Trumps Umfragewerte jedoch eher beflügelt.
       
       16 Apr 2024
       
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