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       # taz.de -- Grüner Wasserstoff aus Biogas: Erster grüner H2 aus Krefeld
       
       > Wasserstoff kann die Transformation voranbringen, wenn er mit
       > Erneuerbaren produziert wird. Die Firma BtX als Pionierin nutzt dafür nun
       > Biogas.
       
   IMG Bild: Das liebe Vieh: eine sichere Quelle für Biogas
       
       Freiburg taz | Die Firma BtX Energy aus dem bayerischen Hof wird nach
       eigenen Angaben den „ersten zugelassenen [1][grünen Wasserstoff]
       Deutschlands“ auf den Markt bringen. Das ist jetzt möglich, weil der
       Bundestag am 14. März die Regeln gesetzlich definiert hat, nach denen
       Wasserstoff (H2) als „grün“ bezeichnet werden darf.
       
       Dieser Fall ist auch deshalb besonders, weil das Unternehmen den
       Wasserstoff nicht – wie zumeist im Zuge der Energiewende diskutiert –
       [2][per Elektrolyse mittels überschüssigem Wind- oder Solarstrom aus Wasser
       erzeugt], sondern ihn aus Biogas gewinnt. Rohbiogas besteht zu rund 60
       Prozent aus Methan. Daraus kann reiner Wasserstoff erzeugt werden, weil
       Methan (CH4) pro Molekül aus vier Atomen Wasserstoff und einem Atom
       Kohlenstoff besteht.
       
       Die Aufspaltung geschieht mittels Dampfreformierung. Am Ende steckten noch
       60 Prozent der Energie des Biogases im Wasserstoff, erklärt die Firma, 20
       Prozent der Energie würden während der Reformierung als nutzbare Wärme
       frei, der Rest geht bei der Umwandlung verloren.
       
       Die Anlage der Firma BtX steht auf dem Lefkeshof der Familie Schleupen in
       Krefeld. Es ist ein in sechster Generation geführter Familienbetrieb mit
       Milchviehhaltung, zu dem neben 250 Tieren auch eine im Jahr 2001 erbaute
       Biogasanlage gehört. [3][Diese fiel nach 20 Jahren, also Ende 2021, gemäß
       den Regeln des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus der gesetzlich
       garantierten Einspeisevergütung].
       
       ## Emissionshandel ist das Zauberwort
       
       Nun waren alternative Nutzungsideen für die Energie gefragt. Da die
       Biogasanlage zu klein ist, um das Gas rentabel zu reinem Biomethan
       aufzubereiten, habe man sich für die Erzeugung von Wasserstoff entschieden,
       sagt Andy Gradel, Geschäftsführer der Firma BtX.
       
       Das Biogas auf dem Krefelder Hof wird aus Gülle und Mist gewonnen – das war
       für die Wirtschaftlichkeit der Wasserstoffgewinnung entscheidend. Denn nach
       [4][der neuen Gesetzgebung], so erklärt die Firma, könne Wasserstoff aus
       biogenen Reststoffen sich gemäß dem Treibhausgas-Quotenhandel „negative
       CO2-Werte“ anrechnen lassen. Solche Papiere können dann beispielsweise
       Autohersteller erwerben, wenn sie den CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeugflotte
       nicht gemäß einem gesetzlich festgelegten Pfad verringern können oder
       wollen. Nur durch diese Umverteilung rechne sich die Wasserstofferzeugung,
       räumt die Firma BtX ein.
       
       Die Apparatur werde künftig 100 Kilogramm Wasserstoff pro Tag erzeugen, der
       zum Preis von rund 10 Euro pro Kilogramm abgegeben werde, sagt Ingenieur
       Gradel. Nur 20 Meter von den Kühen entfernt, werde demnächst das Gas
       abgefüllt – das „Gold der Energiewende“. Sobald der TÜV die Abfüllstation
       abgenommen hat, sollen die ersten Lieferungen an Gashändler und
       Tankstellenbetreiber erfolgen.
       
       Stolz teilt die Firma BtX außerdem mit, sie habe „innerhalb der letzten
       Jahre die gesetzliche Grundlage mitgestaltet“, die für den wirtschaftlichen
       Betrieb der Anlage nötig ist. Ohne die Förderung wäre [5][der grüne
       Wasserstoff noch weit von der Rentabilität entfernt].
       
       8 Apr 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Import-des-gruenen-Wasserstoffs/!5996191
   DIR [2] /Elektrolyse-in-Klaerwerk-gescheitert/!5987546
   DIR [3] /EEG-Autor-zur-Strommarktreform/!5877828
   DIR [4] https://dserver.bundestag.de/btd/20/098/2009844.pdf
   DIR [5] /Umbau-auf-Wasserstoffnutzung-unsicher/!5996468
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Bernward Janzing
       
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