URI:
       # taz.de -- Klimawandel zerstört Kakaoernten: Teurere Schokohasen
       
       > Wegen Missernten in den Anbaugebieten ist Kakao knapp. Die Preise für
       > Ostersüßigkeiten sind hoch, die Bauern in Westafrika profitieren jedoch
       > kaum.
       
   IMG Bild: Schoko-Osterhasen werden teurer, das ist gut für die Figur
       
       Berlin taz | 240 Millionen: So viele Schokohasen wurden in Deutschland fürs
       kommende Osterfest produziert. Gegenüber dem Vorjahr sei dies ein Anstieg
       von 0,5 Prozent, meldet der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie
       (BDSI). „Der klassische Osterhase aus Vollmilchschokolade ist nach wie vor
       am meisten gefragt. Aber auch Osterhasen aus zartbitterer oder weißer
       Schokolade und Dekofiguren wie kleine Lämmer, Eier, Möhren oder Küken aus
       Schokolade sind im Trend“, verkündet der Verband.
       
       Allerdings stellt sich die Frage: [1][Wie froh ist die Botschaft für die
       Verbrauer:innen?] Schließlich ist mit den bis zuletzt stark gestiegenen
       Kakaopreisen auch ein Preisanstieg für [2][Schokolade] zu erwarten. Die
       [3][Importpreise für Kakao] seien auch infolge von Missernten zuletzt so
       stark anstiegen wie seit 20 Jahren nicht, erklärte das Statistische
       Bundesamt am Dienstag.
       
       Demnach kletterten die Einfuhrpreise im Januar 2024 verglichen mit dem
       Vorjahresmonat um 73,4 Prozent. Hintergrund sind die schlechten Ernten in
       den Kakaoanbaugebieten in Westafrika, der wichtigsten Herkunftsregion für
       Kakao weltweit. 60 Prozent des Kakaos stammt aus der Elfenbeinlüste und
       Ghana. Grund für die mageren Ernten: der Klimawandel.
       
       Dies zeigt auch eine Analyse des Imperial College London. Die am Montag
       erscheinende Studie zeigt, dass der Klimawandel in der Region in den
       vergangenen Jahrzehnten zu häufigerem und intensiverem Starkregen und hohen
       Temperaturen geführt hat. Der Klimakrise hat damit indirekt den Preis von
       Kakao innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht.
       
       ## Schokohasen zur Weihnachtszeit produziert
       
       Hiesige Schokofans sind dennoch nicht so stark betroffen. Noch nicht. Auf
       Anfrage sagt Solveig Schneider vom BDSI: „Da die Schokohasen mit mehreren
       Monaten Vorlauf produziert werden, hatte der Anfang des Jahres stark
       angestiegene Kakaopreis keine Auswirkungen auf deren Produktion.“
       Tatsächlich war der Kakaopreis in der Weihnachtszeit, wenn die Hasen
       produziert werden, viel tiefer.
       
       Eine Untersuchung des Zahlungsanbieters Sumup zeigt, dass die Schokohasen
       dieses Jahr dennoch um bis zu 20 Prozent teurer sind als im Jahr zuvor.
       Möglicherweise sind die Preise also schon in Erwartung höherer Kosten
       angestiegen. Zu den Preisen will sich Lobbyistin Schneider aus
       kartellrechtlichen Gründen jedoch nicht äußern.
       
       Auf jeden Fall kommt das Geld nur zum kleinen Teil bei den Produzenten an.
       Man müsse sich vor Augen führen, „dass lediglich sechs Prozent des
       Verkaufspreises bei den Bäuerinnen und Bauern in den Anbaugebieten
       ankommt“, kritisiert der WWF. [4][Die Umweltorganisation warnte vor einem
       „Teufelskreis der Armut“] bei den Kakaobauern.
       
       „Extremwettereignisse wie länger anhaltende Dürreperioden, Starkregen oder
       Überflutungen führen zu geringeren Erträgen und Qualitäten und sogar zu
       vollständig zerstörten Ernten“, erklärte WWF-Referentin Kerstin Weber. Das
       treibe zwar die Preise, diese Erhöhungen kämen bei den Bäuerinnen und
       Bauern aber viel zu wenig an.
       
       Laut WWF sind die Anbausysteme in den Anbauländern ein entscheidender
       Faktor der Kakaoknappheit. Denn Kakao werde überwiegend in Monokulturen
       angebaut, obwohl die Pflanze eigentlich besser im Schatten größerer Bäume
       gedeihen würde. „Die Böden sind ausgelaugt, die Pflanzen alt und die
       Erträge bescheiden“, schreibt der WWF. „Da die Kakaopreise lange Zeit sehr
       niedrig lagen, sind viele Landwirte auf andere Kulturen wie Kautschuk
       umgestiegen. Zudem haben die verarmten Bauern meist nicht das Geld, um in
       die Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit oder Verjüngung der Plantagen zu
       investieren.“
       
       26 Mar 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Kakao-Krise-wegen-Klimawandel/!5994239
   DIR [2] /Schokoladen-Festival-in-Berlin/!5997453
   DIR [3] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2024/PD24_13_p002.html
   DIR [4] https://blog.wwf.de/die-kakao-krise/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Carlo Mariani
       
       ## TAGS
       
   DIR Schwerpunkt Klimawandel
   DIR Ostern
   DIR Schokolade
   DIR Kakao
   DIR Ernte
   DIR Schwerpunkt Klimawandel
   DIR Schokolade
   DIR Schwerpunkt Klimawandel
   DIR Weihnachten
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Internationale Kakao-Konferenz: Kakao ist so teuer wie noch nie
       
       Nachhaltigkeit und Menschenrechte sind nicht umsonst. Die wichtigste
       internationale Konferenz im Kakaogeschäft berät über faire Preise für
       Schokolade.
       
   DIR Auf Schokoladenreise durch die Schweiz: Schroffe Berge, zarter Schmelz
       
       Die Schweiz ist für ihre Schokolade bekannt, dabei hatte sie nie Kakao
       produzierende Kolonien. Was ist ihr süßes Geheimnis?
       
   DIR Kakao-Krise wegen Klimawandel: Schokolade bald teurer?
       
       Der Rohstoff Kakao ist knapp und so teuer wie nie zuvor. Auch der Preis für
       Schokolade könnte deshalb bald steigen. Eine Ursache ist der Klimawandel.
       
   DIR Die Wahrheit: Unverkauft und ungegessen
       
       Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit: Heute darf sich die geneigte
       Leserschaft an einem Poem über einen vergessenen Weihnachtsmann erfreuen.
       
   DIR Bremer Wirtschaft globalisiert sich weiter: Die Smørebrød-Schokolade
       
       Der größte dänische Süßwarenproduzent Toms hat rückwirkend zum ersten
       Januar die 120 Jahre alte Schokoladenmanufaktur Hachez gekauft