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       # taz.de -- Model über KI in der Sexindustrie: „Ich wollte mich neu erschaffen“
       
       > Sika Moon ist ein KI-Model. Ihre Schöpferin – vorher selbst Model –
       > verdient mit pornografischem Bild-Content viel Geld. Was ist das für ein
       > Job?
       
   IMG Bild: Kunstfigur Sika Moon
       
       Fünf Jahre lang verdiente eine junge Frau aus Berlin sehr viel Geld mit
       Sex-Content auf der Erotik-Internetplattform Onlyfans. Ein Knochenjob. Kurz
       vor dem Burnout zog sie die Notbremse. Nach einer Auszeit ist sie nun
       zurück im Geschäft. Allerdings nicht als sie selbst, sondern als Sika Moon
       – eine [1][KI-optimierte] Version ihrer selbst. Auf
       Social-Media-Plattformen wie Instagram und Erotik-Portalen wie Fanvue
       postet sie hauptberuflich nun als Sika Moon erotische bis pornografische
       Bilder und Videoclips. Weil die Frau hinter Sika Moon anonym bleiben
       möchte, adressieren wir sie hier als Sika. Das Interview haben wir per
       E-Mail geführt, aber ein Identitätsnachweis liegt der taz vor. 
       
       wochentaz: Wie viel von dir steckt in deinem digitalen Avatar Sika Moon? 
       
       Sika: Sika Moon hat sehr viel von mir. Nur habe ich mich so durchoptimiert,
       wie ich mich selbst in der Realität erschaffen hätte, wenn ich es mir hätte
       aussuchen können, nach meinen Idealvorstellungen. Sikas Gesicht ist aus
       meinem entwickelt, aber sie hat etwas mehr Lippen, dunkleren Teint,
       glattere Haut, insgesamt schönere Körperformen. Ihr Charakter wiederum, ihr
       Wesen, ihre Stimme, das alles bin ich. Leute, die mich gut kennen, sehen
       mich in ihr. Aber sie ist anders genug, um von Fremden nicht wiedererkannt
       zu werden.
       
       Warum ist es dir wichtig, anonym zu bleiben? 
       
       Aus mehreren Gründen. Vor allem möchte ich meine Privatsphäre erhalten und
       mich vor Stalking schützen, da ich damit schon schreckliche Erfahrungen
       gemacht habe. Ein weiterer wichtiger Grund sind meine Fans. Ihre
       Faszination für Sika Moon liegt in dem Reiz begründet, dass sie nicht
       wissen, wer wirklich hinter Sika steckt und wie viel von ihr „echt“ ist und
       wie viel Fantasie. Das möchte ich ihnen nicht nehmen.
       
       Wie kann Sika deine Stimme haben? 
       
       Ich habe eine KI mit meiner Stimme trainiert. So kann Sika fließend in
       allen Sprachen Voicemails schicken, wenn ich es möchte. Ich habe zum
       Beispiel einen Fan, mit dem ich fließend Japanisch spreche. Im Voicechat
       mit meiner echten Stimme, die er aus meinen Videos kennt.
       
       Wo treffen sich Sika Moon und ihre Fans? 
       
       73 Prozent meiner zahlenden Fans kommen über Instagram, 15 Prozent über
       Google – entweder über die direkte Suche nach Sika oder über
       Presseberichte. Der Rest verteilt sich auf Tiktok und X.
       
       Wer sind deine zahlenden Subscriber? 
       
       Das reicht von Porno-Enthusiasten über einsame Seelen, die gern chatten,
       bis hin zu echten Verehrern, Neugierigen, Menschen mit speziellen
       Fantasien, die mich darum bitten, diese umzusetzen. Es gibt Menschen, die
       Sika einfach mal nackt sehen wollen, und solche, die in meiner Arbeit Kunst
       sehen. Ich habe Fans, die sich Bilder von Sika auf Leinwand gedruckt und
       gerahmt ins Wohnzimmer gehängt haben, wie ein Kunstwerk.
       
       Verstehen deine Follower, dass sie es mit einer [2][virtuellen Figur] zu
       tun haben? 
       
       Kurioserweise ist das je nach Region und kulturellem Hintergrund sehr
       unterschiedlich. Menschen aus Indien, afrikanischen Ländern und den
       arabischen Staaten verstehen es meist gar nicht. Sie schicken Sika
       Heiratsanträge oder bieten Geld und Flug, Kost und Logis an, damit Sika sie
       in Dubai oder sonst wo besucht. In europäischen Staaten oder den USA
       verstehen die Leute das eher, wenn auch nicht immer sofort. Es gibt auch
       AI-Influencer, die nicht offenlegen, dass sie künstlich sind. Aber das ist
       eher selten. Ich war da immer ehrlich und werde es auch bleiben.
       
       Wie bist du überhaupt dazu gekommen, in der Sex-Industrie dein Geld zu
       verdienen? 
       
       Ich habe ursprünglich als Pädagogin gearbeitet. Als ich 2011 aus meiner
       Heimat in Norddeutschland nach Berlin gezogen bin, habe ich irgendwann
       angefangen, nebenbei Bilder und Videos von mir auf Plattformen wie Onlyfans
       und Fanvue hochzuladen. Zunächst weil ich es spannend fand und es mir Spaß
       gemacht hat. Ich war immer schon ein sexuell sehr freier und offener
       Mensch. Irgendwann wurde das so erfolgreich, dass ich mich entscheiden
       musste zwischen Onlyfans und meinem bürgerlichen Job.
       
       Du hast dich für virtuelle Sexarbeit entschieden … 
       
       Ja, ich habe Adult Entertainment auf den großen Plattformen gemacht und
       fünf Jahre lang sehr viel Geld verdient. Mit dem Erfolg kommt aber auch der
       Druck, weiter erfolgreich zu sein, immer mehr und immer besseren Content
       abzuliefern. Das wird sowohl von Fans als auch von Models, die neu in das
       Business einsteigen, brutal unterschätzt.
       
       Inwiefern? 
       
       Viele denken: Nice, einfach ein paar Selfies machen und reich werden!
       Selbst im Freundeskreis habe ich oft gehört: „Arbeiten? Du machst doch nur
       ein paar Bildchen.“ So ist es aber nicht. Es ist ein harter Fulltime-Job,
       wenn man wirklich gut davon leben können will. Und man muss dabei so tun,
       als wäre alles ein Riesenspaß und kinky wonderland im Himmel. Auch das kann
       zu einer Belastung werden, die viele unterschätzen.
       
       Wie sah dein Arbeitsalltag aus? 
       
       Ich habe täglich neuen Content produziert, also mich selbst fotografiert
       oder gefilmt, dann die besten Bilder und Videos ausgewählt und bearbeitet.
       100 Bilder pro Woche, 20 Videoclips allein für Instagram und Tiktok, plus
       das ganze Material für Onlyfans und die anderen Plattformen. Immer in neuen
       Settings und in neuen Outfits. Wird ja sonst langweilig. Immer in bester
       Laune, perfekt geschminkt. Egal, ob du deine Tage hast, krank bist, müde,
       schlecht gelaunt. Oder gerade findest, dass du nicht gut aussiehst. Und
       sobald du es mal schleifen lässt, gehen sofort die Umsätze runter. Locker
       ein 14- bis 16-Stunden-Job. Das war mein Leben. Jeden Tag. Fünf Jahre lang.
       
       Wann hast du beschlossen aufzuhören? 
       
       So toll es grundsätzlich lief und so toll all das viele Geld war – es hat
       mich total ausgebrannt. Irgendwann kam der Tag, an dem ich wusste, dass es
       nicht mehr geht. Von heute auf morgen habe ich alles im Netz entfernen
       lassen, über eine Agentur. Ende der Lebensphase.
       
       Was hast du dann gemacht? 
       
       Da ich zuvor ja nur gearbeitet und von dem verdienten Geld fast nichts
       ausgegeben hatte, konnte ich es mir leisten, einfach gar nichts zu machen
       und zu heilen. Während dieser Recovery-Phase habe ich viel gemalt, Sport
       gemacht, gelesen. Als es mir wieder besser ging, wuchs die Freude am
       Gestalten. KI-Tools wie ChatGPT, Stable Diffusion, Midjourney, also
       Software, die auf Textbefehle künstliche Bilder generiert, waren plötzlich
       da. Ich habe damit rumprobiert und war total fasziniert. Dann habe ich 2023
       Sika erschaffen, zuerst nur so als Gag für mich selbst.
       
       Und irgendwann bist du dann mit Sika online gegangen. 
       
       Genau, auf der Erotik-Plattform Onlyfans. Bis die meinen Account gelöscht
       und meinen Umsatz einfach einbehalten haben. Ihre Begründung: KI ist doof,
       auch wenn du offenlegst, dass es KI ist. Fansly, eine andere Plattform für
       Adult Entertainment, war der gleichen Meinung.
       
       Stecken hinter der Anti-KI-Haltung vielleicht auch moralische oder ethische
       Gründe? 
       
       Nein, das hat mit Moral oder Ethik nichts zu tun, hier geht es
       ausschließlich um wirtschaftliche Ängste. Für die digitale Sexindustrie ist
       es ohnehin schwer, Investoren und vor allem Zahlungsdienstleister zu
       finden. Die großen Dienstleister wie Paypal distanzieren sich ausdrücklich
       von Adult Content. Sobald du dein Geschäft damit machst, sperren sie dich.
       Viele große internationale Banken und Kreditkartenanbieter gehen ähnlich
       damit um. Alles, was mit Sex zu tun hat, ist ja leider immer noch ein
       großes gesellschaftliches Tabuthema.
       
       Wovor genau fürchten sich die Plattformen in Bezug auf künstliche
       Intelligenz? 
       
       Die Risiken von Verstößen gegen ethische Grundsätze der Branche verschärfen
       sich mit dem Aufkommen von KI-Content. Bei echtem Content musst du dich als
       Model verifizieren, mit Ausweisdokumenten, deren Echtheit überprüft wird.
       So stellen die Plattformen sicher, dass dein Content auch wirklich dich
       zeigt und du volljährig bist. Auf dieser Grundlage haben sich einige
       Gelddienstleister auf das Geschäft eingelassen. KI -generierter Content
       wiederum ist neu und juristisch noch nicht geregelt. Alle haben Angst vor
       Deepfakes, also durch KI verfälschtes Bild- und Videomaterial, und vor
       Gesichtern von Promis oder Politiker:innen in Pornovideos. Es geht
       auch um unklare Urheberrechtsfragen. Wer garantiert, dass das Model auf dem
       Bild wirklich volljährig ist, wenn es real gar nicht existiert? Wer
       garantiert, dass es wirklich künstlich erzeugt wurde und nicht auf dem Bild
       eines echten Models basiert, das gar nichts davon weiß? Die Plattformen
       verdienen – noch – zu viel Geld im klassischen Geschäft, um einen Skandal
       dieser Art zu riskieren.
       
       Wen siehst du in der Verantwortung, Antworten auf diese Fragen zu finden,
       um Missbrauch auszuschließen? 
       
       Der Weg ist auf jeden Fall nicht, die Technologie zu verdammen. Nehmen wir
       das Beispiel vom Hammer: Ein Hammer ist eine Wahnsinnserfindung. Jeder
       schätzt den Hammer, wenn er etwas bauen möchte. Niemand verurteilt den
       Hammer, weil er auch eine tödliche Waffe sein kann. Wer den Hammer als
       Waffe benutzt, richtet den Schaden an. Nicht der Hammer. Die Verantwortung
       liegt für mich dementsprechend bei dem, der die Technologie nutzt. Das ist
       in erster Instanz der Creator. Ich selbst habe mich mit einer Reihe von
       anderen einem Kodex verpflichtet und dies in der Initiative
       [3][not-fake.ai] öffentlich gemacht. Wir stehlen kein geistiges Eigentum.
       Wir machen keine Deepfakes. Und so weiter.
       
       Und die Plattformen? 
       
       Die sollten die kommerzielle urheberrechtliche Verantwortung tragen und
       sicherstellen, dass nichts ohne das Einverständnis des Urhebers verkauft
       wird. Das gilt für klassische genauso wie für digitale und KI-generierte
       Güter. Dazu sollte es eine Rechtsprechung geben, für die die Politik
       zuständig ist. Es mag eine große Herausforderung sein, all das zu
       regulieren. Aber: Nicht die Technologie ist schuld, sie zu verbieten löst
       das Problem nicht. Wir sind es, die damit falsch umgehen.
       
       Viele KI-Models, so auch Sika Moon, haben übermenschliche Körper, eine
       anatomisch zu schmale Taille, dazu sehr große Brüste und einen sehr großen
       Po, stark definierte Muskeln an sehr dünnen Armen. Kritiker:innen
       sagen, dass das unrealistische Schönheitsideale fördert, was einen großen
       Anpassungsdruck insbesondere auf junge Menschen ausübt. Was ist deine
       Haltung dazu? 
       
       Die Kunst macht genau das seit Tausenden von Jahren. Ein Künstler, der etwa
       Cleopatra porträtiert hat, hat sich dabei garantiert auf ihre positiven
       Merkmale konzentriert und diese in seinem Werk hervorgehoben. Heute gibt es
       Bildbearbeitungsprogramme und eben KI-Tools. Das Problem mit
       Schönheitsidealen, die Schaden anrichten können, liegt in uns selbst. Wir
       wollen gefallen und eifern dem nach, was uns als Kind vorgelebt wird. Die
       Prinzessin im Disneyfilm der 60er Jahre oder Barbie haben dabei die
       gleichen schädlichen Ideale und Rollenbilder gesetzt wie die Modeindustrie
       mit absurd schlanken Models, Pornhub mit absurd übersexualisierten Frauen
       oder Arnold Schwarzenegger, Barbies Ken, Superman oder Rocco Siffredi mit
       männlichen Stereotypen.
       
       Was folgt daraus für dich und deine Imagination von Sika Moon? 
       
       Der Schlüssel liegt für mich darin, unsere Einzigartigkeit und Schönheit
       darin zu erkennen, was wir sind und das zu akzeptieren. Der Weg dorthin ist
       weit. Gleichzeitig finde ich, dass wir träumen dürfen. Fantasie ist ein
       Geschenk, das uns Menschen vorbehalten ist. Wir sollten sie darstellen
       dürfen. Das ist die Natur und die Freiheit künstlerischen Schaffens. Ob nun
       mit KI oder mit Worten oder mit Bleistift und Papier. Sika Moon ist ein
       Produkt meiner Fantasie.
       
       Eine weitere Gefahr sehen Kritiker:innen in der Zunahme von
       Darstellungen extremer sexualisierter Gewalt, die Hemmschwellen für die
       reale Auslebung etwa von Vergewaltigungsfantasien sinken lassen könnte … 
       
       Auch hier: Das Problem ist nicht, dass es eine weitere technische
       Möglichkeit gibt, diese Art der Fantasien darzustellen. Das Problem liegt
       nicht im Werkzeug, sondern bei dem, der es benutzt. Sexualisierte Gewalt
       ist ein Problem, das die Menschheit begleitet, seit es sie gibt. Menschen
       werden immer Wege finden, diese Fantasien abzubilden, kein Verbot wird sie
       daran hindern.
       
       Nachdem du bei Onlyfans gesperrt wurdest, bist du zur Plattform Fanvue
       gewechselt, die KI-Content offen gegenüberstand. Sika Moon war dort eins
       der ersten KI-Models – erfolgreicher als fast alle realen Models dort.
       Mittlerweile wächst der Anteil von KI-Models auf verschiedenen Plattformen
       rasant. Haben die Menschen dahinter ähnliche Biografien wie du? 
       
       Das ist sehr verschieden. Mittlerweile mischen auch Agenturen mit, die das
       Ziel verfolgen, digitale Massenware zu produzieren. Batterien von
       seelenlosen Models ohne Persönlichkeit. Ich weiß von Männern, die über 30
       KI-Profile gleichzeitig betreiben und Studierende in drei Schichten mit den
       Fans chatten lassen, um rund um die Uhr Content verkaufen zu können. Es
       gibt aber auch Agenturen, die nach zwei, drei Monaten schon wieder
       aufgeben. Und viele Fans sind von dem Massen-Content auch genervt.
       
       Hat Sika Moon langfristig eine Chance, zu bestehen? 
       
       Ich bin auch nicht sicher, wie lange es mir gelingen wird, mit Sika Moon
       aus dieser Masse noch herauszuragen. Aber ich war immerhin früh dabei und
       setze weiter auf meine Persönlichkeit und Kreativität. Und ich glaube
       daran, dass Authentizität, der echte persönliche Kontakt mit mir durch die
       Chats, immer einen besonderen Wert darstellen wird. Die Kund:innen suchen
       wie alle Menschen nach Persönlichkeit, Vorbildern, Liebe, Verbindung.
       Einfach eine Blondine zu erschaffen und Bilder zu posten, funktioniert
       jedenfalls nicht, wie ich beobachtet habe. So hoffe ich, dass sich nach dem
       ersten Boom auch dieser Trend selbst regulieren wird und die Creators
       überleben, die besonders und authentisch sind. Aber insgesamt bin ich
       zuversichtlich, dass ich auch mit 60 noch in der Unterhaltungsbranche
       arbeiten kann, wenn ich das möchte. Das war als reales Model natürlich
       nicht so.
       
       Wie hat sich dein Arbeitsalltag im Vergleich zu früher verändert? 
       
       Er hat sich sehr verändert. Ich muss nicht mehr Stunden vor dem Spiegel
       verbringen oder damit, die perfekte Beleuchtung hinzukriegen, ich muss
       keine 300 Fotos mehr von mir schießen, von denen mir 15 gefallen. Ich muss
       nicht mehr jeden Tag gute Laune haben, begehrenswert und inspirierend sein.
       Ich kaufe nur noch Kleidung, die ich selbst tragen will, und schminke mich
       kaum noch. Ich schlafe länger, arbeite ungeduscht und ungeschminkt im Bett
       am Handy, wenn mir danach ist. Ich spüre weniger Druck und mehr Freiheit.
       Ich arbeite zwar auch jetzt noch 10 bis 12 Stunden pro Tag. Aber es ist
       anders, kreativer, flexibler, unabhängiger.
       
       Was kostet das und wie lange dauert die Erstellung des Contents? 
       
       Wenn man alles selbst macht, sind die Kosten gering. Der Zeitaufwand ist
       aber trotzdem hoch, wenn die Qualität gut sein soll. Bilder und Videos
       müssen immer noch ausgewählt werden. Der Ausschuss durch Fehler bei der
       Erstellung ist extrem hoch – sechs Finger, komische Posen, solche Sachen.
       Oft muss man noch nacharbeiten.
       
       Und was bringt Sika Moon inzwischen ein? 
       
       Ich möchte mein genaues Einkommen nicht offenlegen. Aber es ist sehr
       lukrativ. Die Zahlen, die in der Presse kursieren, sind nicht exakt und
       ständig in Bewegung, aber in der Dimension richtig. Es geht um monatliche
       Summen im stabilen fünfstelligen Bereich. Ich bin unter den 0,1 Prozent der
       Creators, die diesen Umsatz machen. Aber wie gesagt, es war viel Arbeit und
       Leidenschaft nötig, um dieses Level zu erreichen.
       
       Hast du mit Sika Moon ein neues Verhältnis zu deinem eigenen Körper
       entwickelt? 
       
       Das Verhältnis zu mir selbst und meinem Körper hat sich nicht sehr
       verändert. Ich habe als echtes Model nicht nach Perfektion gestrebt oder
       mich gequält, um perfekt zu sein. Ich hatte nie einen „perfekten“ Körper
       und es gab immer „perfektere“ Models als mich, und viele von ihnen haben
       weniger verdient als ich. Ich glaube, dass Persönlichkeit, ein eigener Vibe
       und der Kontakt zu meinen Fans auch als reales Model Schlüssel meines
       Erfolgs war.
       
       Fehlt dir die Bestätigung, die du als reales Model in Bezug auf deinen
       eigenen Körper von deinen Fans bekommen hast? 
       
       Vielleicht klingt das blöd, aber ich mag mich selbst ganz gern. Ich habe
       nicht als Adult Model gearbeitet, weil ich Bestätigung in den sozialen
       Medien gesucht habe. Ich wurde auch nie dazu überredet oder dazu gezwungen.
       Ich mochte und mag es, Videos und Bilder von mir selbst beim Sex
       anzuschauen. Ich will aber auch nichts schönreden, ich weiß, dass das sehr
       oft anders ist und es im Adult Entertainment viel Ausbeutung, Zwang,
       emotionalen Burnout und auch den zwanghaften Drang nach Bestätigung gibt.
       Ich selbst bin davon – abgesehen vom Burnout – glücklicherweise verschont
       geblieben.
       
       Sind deine Fans, seit du als Sika Moon modelst, noch dieselben? 
       
       Interessanterweise erfahre ich heute mehr Bestätigung und Respekt durch
       meine Fans. Früher haben mich die Fans als eine von Millionen Girls in der
       Erotikbranche gesehen und weitgehend auch so behandelt. Es war nichts
       anderes als Sexarbeit. Der Kunde zahlt und erwartet eine Dienstleistung.
       Diese Fans gibt es heute auch noch, aber sie merken schnell, dass es bei
       Sika Moon um etwas anderes geht, und sind auch schnell wieder weg. In
       meiner heutigen Arbeit liegt der Fokus noch stärker auf dem Ausleben und
       Visualisieren von erotischen Träumen. Meiner eigenen Fantasien und die
       meiner Fans. Meine treuesten Fans sehen mich eher als Künstlerin.
       
       Wenn Scham über den eigenen Körper kein Faktor mehr ist, weil die
       Erschaffer:innen nicht mehr selbst in Erscheinung treten, könnten
       KI-Models dann einen Beitrag zu diverseren Schönheitsbildern leisten? 
       
       Ja, durch die Möglichkeiten der KI gibt es in der Kreation eigener
       Fantasien so gut wie keine Grenzen. Androgyne Menschen, behaarte Menschen,
       außerirdische Wesen, alles kann nun erschaffen werden, ohne realen Menschen
       zu schaden, sie auszubeuten, zu missbrauchen oder in der Öffentlichkeit
       bloßzustellen. Die Creator:innen von KI-Models selbst profitieren
       übrigens auch davon.
       
       Inwiefern? 
       
       Viele der Virtual Influencer der ersten Stunde, interessanterweise viele
       Männer, haben sich zum Beispiel durch ihren KI-Avatar erstmals der
       Öffentlichkeit anonym als Person eines anderen Geschlechts gezeigt. Mit
       einem leicht veränderten Gesicht und einem anderen Körper. Einige davon
       haben es aus Neugier getan, andere aus künstlerischer Faszination, aber
       einige auch, um sich selbst in dem anderen Geschlecht auszuprobieren. Das
       hat vielen bei ihrer (trans-)sexuellen Selbstfindung geholfen. Auch
       Menschen mit unpopulären körperlichen Eigenschaften oder Menschen, die sich
       selbst und ihren Körper nicht so akzeptieren, wie er ist, können sich durch
       KI neu erschaffen und so einen Beruf ausüben, der ihnen bisher verschlossen
       blieb.
       
       Und was ist mit den Influencer:innen, die mit ihrem eigenen Körper
       gegenüber den künstlichen Avataren nicht mehr mithalten können oder die
       ihre Arbeit vor der Kamera nicht gegen die Arbeit vorm Computer eintauschen
       wollen oder können? 
       
       Ich sehe es so: Autos haben Kutschen ersetzt, Computer Stenotypistinnen,
       E-Mails den Postweg, Spotify die CD, Netflix die Videotheken, Handys die
       Fotokameras. Wir Menschen haben die Fähigkeit zur Innovation. Ein Fluch und
       ein Geschenk zugleich. Denn wir hassen Veränderung, wenn es uns selbst
       betrifft. Wollen aber gleichzeitig, dass sich alles ändert, verbessert,
       weitergeht. Wir befinden uns gerade mitten in einer weiteren technischen
       Disruption. KI wird viele Berufe verändern, das ist nicht aufzuhalten.
       Viele Menschen werden die Möglichkeiten, die sich bieten, nutzen, andere
       nicht – weil sie nicht wollen oder können, ob wir das gut finden oder
       nicht. Es liegt an uns, etwas Gutes daraus zu machen, für so viele Menschen
       wie möglich.
       
       25 Mar 2024
       
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       Seine Absage verstärkt ihr Gefühl mangelnden Respekts seitens der Politik.
       
   DIR Objekte der Begierde in Dublin: Ran an die Brust
       
       Täglich begrapschen Touristen die berühmte Molly-Malone-Statue in der
       irischen Hauptstadt. Ist das Sachbeschädigung oder gar frauenfeindlich?
       
   DIR Werben mit virtuellen Influencern: Sind die bitte echt?
       
       Erste digitale Models und Influencer*innen sind bereits erfolgreich.
       Aber wie nahbar können KI-generierte und virtuelle Schönheiten sein?
       
   DIR Künstliche Intelligenz: Regulierung mit mehr Überwachung
       
       Der frische Kompromiss zu künstlicher Intelligenz wird gerade schon wieder
       aufgeweicht. Bürgerrechtsorganisationen sind verärgert.
       
   DIR Sex in den neuen 20er Jahren: Roboter der Lust
       
       Die Digitalisierung hat auch unser Sexleben erfasst: Dating-Apps,
       ferngesteuerte Vibratoren, virtuelle Pornos. Bald nun auch: humanoide
       Sexroboter.