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       # taz.de -- Rechtsextremist aus Schweiz verwiesen: Sellner muss remigrieren
       
       > Der österreichische Identitäre Martin Sellner wird während eines Vortrags
       > in einem Schweizer Gasthof abgeführt. Die Aufmerksamkeit nutzt er für
       > sich.
       
   IMG Bild: Stilisiert sich gerne vor Online-Publikum als Opfer: Martin Sellner, am 23. Februar in Chemnitz
       
       Wien taz | „Man könnte fast neidisch werden. Was haben die Schweizer
       nicht“, sagt der österreichische Rechtsextreme [1][Martin Sellner] in einem
       Video von Samstagmittag und zählt das Fondue und den „wunderschönen
       Bodensee“ auf. Da befand er sich gerade in einem Boot auf jenem Gewässer,
       des Wegs in die 1.000-Seelen-Gemeinde Tegerfelden, nah der deutschen
       Grenze. In einem Dorfgasthof wollte er über sein Lieblingsthema
       „Remigration“ sprechen.
       
       Wenige Stunden später hatte sich Sellners Neid auf die Menschen in seinem
       Nachbarland wohl in Luft aufgelöst: Videos zeigen, wie ihm während seines
       Vortrags der Strom abgedreht und er dann von der Polizei abgeführt wird. Im
       Anschluss wurde er offenbar polizeilich aus dem Kanton eskortiert. Sellner
       kommentierte noch aus dem Auto: „Halte das für eine absolute Blamage der
       Schweiz, die eigentlich als Hort der freien Geister galt.“
       
       Sellners Vergehen: „Redner einer Veranstaltung, welche der rechten Szene
       zugeordnet werden kann“. So steht es auf der Verfügung, die Sellner später
       öffentlich machte. Die Begründung: „Für die Aufrechterhaltung der
       öffentlichen Ordnung und Sicherheit“. Die Echtheit des Dokuments kann nicht
       unabhängig bestätigt werden.
       
       Der Hintergrund: Bereits vor dem geplanten Vortrag – von der Schweizer
       [2][neurechten Gruppierung] „Junge Tat“ organisiert – versuchten die
       Schweizer Behörden eine Einreise zu unterbinden, die Kantonspolizei Zürich
       beantragte eine Einreisesperre. Über die Gründe könne „aus taktischen
       Überlegungen“ keine Auskunft erteilt werden, so die Kantonspolizei Zürich.
       Die Schweizer Bundespolizei sowie die zuvorderst zuständige Aargauer
       Kantonspolizei ließen Anfragen der taz unbeantwortet.
       
       ## Sellner entschied sich bewusst gegen Einreise auf Landweg
       
       Offenbar hatte Sellner vorab Kenntnis von den Plänen der Schweizer Polizei
       und entschied sich bewusst gegen eine Einreise auf dem Landweg. „Im
       schlimmsten Fall, falls ich abgeschoben werde, halte ich den Vortrag an
       einem Bahnhof für die dortigen Bahnhofssandler (österreichisch für
       Obdachlose, Anm. d. Red.)“, sagte er vor seinem Auftritt. Dazu kam es wohl
       nicht, Sellner dürfte unverrichteter Dinge wieder in Wien sein.
       
       Eines hat Sellner, Führungsfigur der rechtsextremen Identitären Bewegung,
       aber geschafft: Sich einmal mehr vor großem Online-Publikum als Opfer zu
       stilisieren. Nicht zuletzt, da sich auch [3][Tesla-Magnat] und X-(ehemals
       Twitter)-Käufer Elon Musk unter Sellners Video zu Wort meldete, in dem
       dieser gerade abgeführt wird und fragte: „Is this legal?“ Sellner
       antwortete: „In Europa werden die Dinge immer mehr unvorhersehbar. Es wird
       immer riskanter, illegale Einwanderung herauszufordern, als illegal
       einzuwandern.“
       
       18 Mar 2024
       
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