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       # taz.de -- Zweiter HSV-Sieg unter Trainer Baumgart: Mit Schiebermütze in die Spur
       
       > Nach zwei Niederlagen gewinnen die Fußballer des Hamburger SV gegen
       > Wiesbaden mit 3:0 – und bleiben an den Spitzenteams aus Kiel und St.
       > Pauli dran.
       
   IMG Bild: Stilbildend: Steffen Baumgart gibt beim HSV modisch wie Fußballerisch die Richtung vor
       
       Hamburg taz | Im Fanshop des HSV gibt es einen neuen Artikel: [1][Eine
       graue Schiebermütze mit gestickter HSV-Raute] an der rechten Seite, wie sie
       Trainer Steffen Baumgart trägt. Seit Sonntag ist klar: Der Neue erweitert
       dem HSV nicht nur das Merchandising-Angebot, sondern bringt auch Punkte,
       hat mit seinem Team den zweiten Sieg geholt. Mit 3:0 besiegten die
       Hamburger den SV Wehen Wiesbaden und verteidigen damit Platz drei der 2.
       Fußball-Bundesliga.
       
       Es ist jetzt vier Wochen her, dass der HSV seinen [2][Trainer Tim Walter
       gefeuert] hat. Einen, der so was wie eine kleine Ära geprägt hat, für
       HSV-Verhältnisse. In gut zweieinhalb Jahren hatte er den Aufstieg in die
       Erste Bundesliga zweimal in der Relegation verpasst.
       
       Gehen musste er, wiederum auf Relegationsplatz drei liegend, nach zwei
       1:4-Heimniederlagen. Sportvorstand Jonas Boldt war das Zutrauen abhanden
       gekommen, dass Walter mit seinem bedingungslosen Offensivfußball diesmal
       den Aufstieg schaffen könnte.
       
       Der soll nun [3][mit Steffen Baumgart gelingen], der mit der Empfehlung
       kam, schon als Kind HSV-Fan gewesen zu sein. Den Aufstieg hatte Baumgart
       bei seiner Vorstellung als Ziel unumwunden ausgerufen. Dass Baumgart
       Aufstieg kann, hat er bewiesen, als er mit dem SC Paderborn den Durchmarsch
       von der Dritten Liga in die Bundesliga schaffte, mit wesentlich geringeren
       Mitteln, als sie beim HSV im Einsatz sind.
       
       ## Trainerwechsel richtig, aber vielleicht zu spät
       
       Daran, dass der Trainerwechsel trotz der optisch immer noch günstig
       scheinenden Tabellensituation, richtig war, zweifelt in Hamburg kaum
       jemand. Daran, dass er rechtzeitig kam, hingegen schon. Das wäre ein paar
       Wochen vorher, zur Winterpause, vielleicht besser gewesen. Anders als von
       Boldt anvisiert, musste Baumgart nämlich nicht nur Feinheiten justieren,
       sondern das Spielsystem recht grundsätzlich verändern, um wieder eine
       Balance zwischen Offensive und Defensive reinzukriegen.
       
       Und das ist im laufenden Betrieb offensichtlich gar nicht so einfach, zumal
       auf der Zielgeraden der Liga, wenn andere Teams ihren Stil längst gefunden
       haben. Der HSV blieb zuletzt hinten wacklig und büßte vorn an Kreativität
       ein.
       
       Baumgart sagte immer wieder, dass seine Spieler die einfachen Dinge tun
       sollen, eher stabile Grundordnung als permanente Rochaden. Von seinen
       Flügelstürmern verlangt er, gelegentlich mal nach innen zu ziehen, und als
       die Zweifel bezüglich ihrer Eignung dafür anmeldeten, ließ Baumgart über
       das Hamburger Abendblatt ausrichten: „Dann müssen die Jungs rauf, die das
       machen, was ich mir vorstelle, um es deutlich zu sagen.“
       
       Da hatte Baumgart – nach einem mühsamen Auftaktsieg gegen Elversberg –
       schon zweimal verloren, darunter das Heimspiel gegen den abgeschlagenen
       Tabellenletzten VfL Osnabrück. Aus so einem Start kann schnell eine
       Negativdynamik entstehen.
       
       ## St. Pauli und Kiel sind davongezogen
       
       Die ist nun erst mal abgewendet, auch wenn der HSV gegen spielerisch
       limitierte Wiesbadener nicht so dominant war, wie das Ergebnis vermuten
       lässt. Die Tore waren nicht gerade erzwungen: Miro Muheims abgefälschter
       Schuss aus dem Halbfeld senkte sich über Wiesbadens Torwart ins Netz;
       László Bénes schummelte einen Freistoß unter der Mauer hindurch. Und als
       Wiesbaden zum Ende hin aufmachte, verwertete Ransford Königsdörfer einen
       Abstauber-Pass von Bénes.
       
       „Vieles war gut“, meinte Baumgart hinterher, „aber ich habe noch einiges
       gesehen, was die Jungs können, aber noch nicht zu 100 Prozent richtig
       gemacht haben.“ Mit dem Projekt Aufstieg könnte es sogar dann schwierig
       werden.
       
       Die trainerübergreifende Schwächephase des HSV haben der FC St. Pauli und
       Holstein Kiel genutzt, um in der Tabelle davonzuziehen. Beide haben auch an
       diesem Wochenende ihre Auswärtsspiele souverän gewonnen und nun zehn
       respektive fünf Punkte Vorsprung auf den HSV. Beide müssen zwar noch im
       Volkspark antreten, aber zumindest St. Pauli könnte dann, Anfang Mai, schon
       als Aufsteiger feststehen. Und von hinten drängt Düsseldorf mit
       ansteigender Formkurve auf den Relegationsplatz drei.
       
       Kann passieren, dass die Saison endet wie eine Walter-Saison – nur ohne
       Walter. Sollte der HSV doch noch aufsteigen, werden die Schiebermützen
       vermutlich schnell ausverkauft sein.
       
       17 Mar 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://shop.hsv.de/HSV-Schieberm%C3%BCtze-Logo/products/9440?categoryId=26&locale=de
   DIR [2] /HSV-trennt-sich-von-Trainer-Tim-Walter/!5988838
   DIR [3] /Neuer-HSV-Trainer/!5990483
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jan Kahlcke
       
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