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       # taz.de -- Risiken der Kohlenstoffspeicherung CCS: Nordseeboden als CO2-Speicher
       
       > Klimaschädliche Emissionen sollen unter der Nordsee gespeichert werden.
       > Umweltschützer kritisieren das, Wissenschaftler finden die Risiken
       > vertretbar.
       
   IMG Bild: Sollen die Klimaziele sichern: CCS-Anlagen, wie in den USA, sind notwendig, um beispielsweise klimaneutralen Zement herzustellen
       
       Berlin taz | Die Nordsee soll dabei helfen, den Klimawandel zu stoppen.
       [1][Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat Pläne vorgestellt,
       um aus der Atmosphäre entnommenes CO2 im Boden der Nordsee zu speichern.]
       Das Wirtschaftsressort wird zunächst über das CCS-Verfahren (Carbon Capture
       and Storage) abstimmen.
       
       Trotzdem gab es bereits Kritik von Umweltschützern. Würde das CO2 unter dem
       Meer verpresst, verschwinde das Problem aus der öffentlichen Wahrnehmung
       und die Motivation CO2 einzusparen befürchtet Peter Andryszak. Der
       Pressesprecher der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) sieht vor
       allem die Gefahr durch Lecks am Meeresgrund.
       
       Durch sie könnte das eingespeicherte Gas ins Meer gelangen: „Aus meiner
       Sicht ist das Vorhaben ein weiteres Indiz für die Ignoranz gegenüber
       Umweltfolgen.“ Der Ausstoß von CO2-Emissionen müsse weiter reduziert
       werden, anstatt auf Speicher-Technologien zu setzen.
       
       In diesem Punkt stimmt ihm Klaus Wallmann zu. Mit CCS könnten nur 5 Prozent
       der jetzigen Emissionen gebunden werden. Der Rest müsse mit
       [2][erneuerbaren Energien] kompensiert werden. „Vermeidung geht vor CCS“,
       sagte der Geologe und Leiter des GEOSTOR-Projektes, welches die
       CO2-Speicherung erforscht. Mit den Ergebnissen des Projektes war er einer
       von über 50 Personen die an Beratungsgesprächen zu den CCS-Plänen
       teilgenommen haben.
       
       CCS sei nur für die Sektoren vertretbar, für die es keine Alternative gebe.
       Zement könne beispielsweise nicht ohne die Freisetzung von CO2 produziert
       werden. Grundsätzlich begrüße er das CCS-Verfahren jedoch. Wenn
       Druck-Grenzwerte festgelegt würden und diese „gut reguliert und gut
       überwacht“ würden, wären die Risiken minimiert und vertretbar.
       
       ## Leck in der Pipeline würde Artenvielfalt schaden
       
       Falls es zu einem Leck käme, würde eine kleine Fläche um das Leck versauern
       und die Artenvielfalt abnehmen. Doch im Vergleich zu den 35 Millionen
       Tonnen CO2, die die Nordsee jedes Jahr aufnimmt und dadurch versauert,
       seien die Einspeicherungen zu vernachlässigen. „Für die Nordsee ist es
       besser, CO2 in den Untergrund zu bringen“, sagte Wallmann. Doch er
       befürchtet, dass es an den Kosten scheitern könnte. Eine Tonne CO2 mit CCS
       einzuspeichern sei doppelt so teuer wie der Emissionspreis.
       
       Ein weiterer Kritikpunkt von Umweltschützern war [3][die Befürchtung, dass
       Betreiber von Gaskraftwerken die neuen Pläne nutzen könnten, ihre eigenen
       Emissionen mit dem CCS-Verfahren auszugleichen]. Zumindest die Energie
       Baden-Württemberg (EnBW) habe dies nicht vor. Pressesprecher Hans-Jörg
       Groscurth sagte: „Für die EnBW ist ein Einsatz der CCS-Technologie keine
       Option für die Erreichung des eigenen Klimaneutralitätsziels 2035.“ Die
       Kraftwerke sollen demnach langfristig nicht auf Gas laufen, sondern auf
       klimaneutralen Wasserstoff umgerüstet werden.
       
       28 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Habecks-CO2-Speicherplaene/!5991971
   DIR [2] /Photovoltaik-soll-attraktiver-werden/!5983311
   DIR [3] /Carbon-Capture-and-Storage-CCS/!5987082
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jonas Baur
       
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