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       # taz.de -- „Tatort“ aus Wien: Es wird emotional
       
       > In Wien knisterts zwischen den Kommissar_innen Moritz und Bibi. Alles
       > könnte so schön sein. Doch dann wird Moritz auf einmal verdächtig.
       
   IMG Bild: Der 60. Geburtstag wird gefeiert. Mit Tochter und Kollegen; Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ist natürlich auch da
       
       Auch Fernsehkommissare kommen in die Jahre. Für Moritz Eisner (Harald
       Krassnitzer) ist der 60. Geburtstag ein Malheur. „Bist deppert?“, fragt er
       ungläubig sein Spiegelbild. Aber dann wird gefeiert. Mit Tochter und
       Kollegen; [1][Bibi Fellner (Adele Neuhauser)] ist natürlich auch da.
       Kerzen, Torte, Champagner!
       
       Am Ende bleiben [2][Moritz und Bibi] alleine zurück, lümmeln ein bisschen
       k. o. auf dem Sofa wie ein altes Liebespaar. Moritz hat seinen Spaß mit ein
       paar tiefen Zügen aus einem Heliumballon. Beide lachen. „Kindskopf“, sagt
       die Bibi zum Moritz. Sie schauen sich tief in die Augen, und ja, fast
       küssen sie sich, werden dabei aber von der Tochter, die sich verabschiedet,
       unterbrochen. Was für ein Fest.
       
       Das ist natürlich alles viel zu schön, um wahr zu sein: Am nächsten Morgen
       ist Bibi auf dem Weg zu einem Toten und kann Moritz einfach nicht
       erreichen. Beunruhigt schickt sie Moritz’ Tochter bei ihm vorbei. Die
       findet den Vater auf dem Boden liegend, es ist nicht klar, ob er so fest
       schläft und eher bewusstlos ist. Sicher aber ist, das Moritz, dann doch
       wieder aufgewacht, einen Filmriss hat. Aber Dienst ist Dienst. Moritz macht
       sich auf den Weg zum Tatort, einer Diskothek.
       
       ## Komisch, komisch aber auch
       
       Die Kolleg:innen der Spusi sind schon da. Der Clubbesitzer Otto Hübner,
       ein „bunter Hund der Nachtclubszene“, wurde in einem Hinterzimmer seines
       Etablissements erschossen. Schnell fällt der Verdacht auf seinen stets
       unzufriedenen Geschäftspartner Georgios Sideris (Eidin Seyed Jalali). So
       weit, so langweilig, weil erwartbar.
       
       Doch dann dreht sich der Wind: Moritz will Sideris vernehmen, doch der
       schießt auf den Kommissar. Es ist zwar nur ein Streifschuss – stellt aber
       gewissermaßen die Ouvertüre für den Sturm dar, der nun folgt. Denn siehe da
       – tadah! –, Moritz war nachts auf einmal im Club aufgetaucht, Sideris hat
       mit ihm gesprochen und den Weg ins Hinterzimmer gewiesen. Und tja, auch
       seine Tochter und ihr Freund waren im Club. Und es kommt noch dicker.
       DNA-Spuren am Tatort machen den Oberstleutnant zum Verdächtigen. Es gibt
       sogar Filmaufnahmen. Komisch, komisch aber auch. Hat da jemand falsche
       Spuren gelegt?
       
       Bibi glaubt grundsätzlich an die Unschuld ihres Kollegen und Freundes, der
       beteuert, mit der Sache nichts zu tun zu haben, aber gleichzeitig an sich
       selbst zweifelt. Sogar Bibi kommt ja manches seltsam vor. Und klar, sie hat
       Angst, Moritz zu verlieren. Auch er fürchtet, sich selbst, seinen Job,
       seine Freiheit, seine Partnerin zu verlieren. Diesmal wird es sehr
       persönlich und hochemotional.
       
       Das Duo aber ermittelt tapfer weiter, wobei normalerweise so jemand wie
       Moritz Eisner im wahren Leben sicher flugs vom Dienst suspendiert worden
       wäre. Ihr Chef aber hält den beiden den Rücken frei und die internen
       Ermittler auf Abstand, erst einmal. Und Bibi stellt die richtigen Fragen:
       Hat man Moritz und sein Erinnerungsvermögen [3][mit K.-o.-Tropfen
       ausgeschaltet?] Hat jemand seine Identität angenommen? Sie gräbt in alten
       Fällen nach möglichen Kandidaten, die sich eventuell an Moritz würden
       rächen wollen.
       
       Es gibt zur Hälfte und zum Ende des Films irre Wendungen. Das ist schön um
       die Ecke gedacht und macht Spaß. So gesehen reiht sich „Dein Verlust“ in
       die Reihe der erstklassigen Krimis der Wiener „Tatort“-Reihe ein. Bibi und
       Moritz, beide ermitteln zusammen seit 2011, bald in Rente, von wegen 60.
       Geburtstag? Das wäre ein echter Verlust.
       
       10 Mar 2024
       
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   DIR Andreas Hergeth
       
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