# taz.de -- Paris verteuert Parken für SUVs: Wer Platz braucht, muss zahlen
> Für übergroße Fahrzeuge sollen in der französischen Hauptstadt künftig
> höhere Parkgebühren anfallen. Das ist das Ergebnis einer Bürgerbefragung.
IMG Bild: Die Schlagzeilen vor der Abstimmung klangen radikaler als das, was tatsächlich zur Abstimmung stand: erhöhte Parkgebühren für SUVs
Paris taz | Es war relativ knapp. Mit 54,55 Prozent haben sich die Pariser
Wahlberechtigten am Sonntag gegen die schweren Geländewagen ausgesprochen,
die meist mit der Abkürzung SUV für „Sport Utility Vehicle“ bezeichnet
werden. Denn „Für oder gegen SUVs in Paris?“ lautete zumindest die Frage
auf den Plakaten, [1][mit denen die rot-grüne Stadtregierung in allen
Quartieren die Bürger*innen zur Abstimmung aufgerufen] hatte.
Tatsächlich ging es aber dabei nicht ums Prinzip SUV oder Fahrverbote,
sondern lediglich um höhere Parkgebühren für die großen Gefährte in der
Stadt.
Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo kämpft mit ihrer Stadtverwaltung
seit Jahren für die Verkehrswende in der französischen Hauptstadt. Trotzdem
nimmt dort wie vielerorts in Europa die [2][Zahl der großen, hohen und
schweren Pkws zu. Diese stoßen deutlich mehr CO2 aus als kleinere Fahrzeuge
und sie beanspruchen viel öffentlichen Raum] – wegen ihrer Übergröße
brauchen sie oft mehr als einen Standardparkplatz und sie machen Straßen
für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen unübersichtlicher. Auch der
[3][Chef der Internationalen Energieagentur hatte kürzlich dafür plädiert,
SUVs stärker zu regulieren].
1,3 Millionen Pariser*innen waren nun aufgerufen, in 38 Wahllokalen
darüber abzustimmen, ob die Parkgebühren für SUVs in Zukunft verdreifacht
werden sollen. Das würde beispielsweise im Kern der Hauptstadt bedeuten,
dass eine Stunde Parken 18 statt 6 Euro kostet. Um sich dazu zu äußern,
lagen zwei Zettel aus, einer pro und einer kontra.
## Maue Wahlbeteiligung
Im Vorfeld war mit einer deutlichen Mehrheit für die als Abschreckung
gedachten massiv erhöhten Gebühren gerechnet worden. Doch offenbar gelang
es auch den Klubs der Besitzer von SUVs, ihre Anhänger*innen zu
mobilisieren. Insgesamt belegt die sehr schwache Beteiligung von 5,68
Prozent wohl vor allem, dass es der großen Mehrheit der 1,3 Millionen
wahlberechtigten Hauptstadtbewohner ziemlich egal ist, was im Rathaus für
oder gegen die SUVs beschlossen wird.
Die Volksbefragung hatte nur eine konsultative Bedeutung. Die
sozialistische Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat nun auf dem Papier eine
Zustimmung, die sie als Votum für ihre Verkehrspolitik verkaufen kann.
Allerdings schränkt das geringe Interesse der Wähler*innen den Wert
stark ein.
Einen Erfolg kann Hidalgo aber auf jeden Fall verbuchen: Sie hat es
geschafft, die Bevölkerung in eine Entscheidung, die ihr direktes Umfeld
betrifft, miteinzubeziehen. Auch andere Städte in Frankreich wie Grenoble
und Lyon versuchen bereits, die Beliebtheit von SUVs zu bremsen oder sie
sogar aus ihren Zentren zu verbannen. Ob die Erhöhung der Parkkosten ein
effizientes Instrument dazu ist, kann erst eine Zwischenbilanz in ein paar
Monaten zeigen.
5 Feb 2024
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## AUTOREN
DIR Rudolf Balmer
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