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       # taz.de -- Doku-Wettbewerb der ARD: Topf of the Docs
       
       > Die ARD hat ein neues Doku-Motto: „Radikale Relevanz“. Der entsprechende
       > Doku-Wettbewerb nennt sich „TopDocs“. Hilft das der Sparte?
       
   IMG Bild: Radikale Relevanz: Eckart von Hirschhausen, Maria Furtwängler und Ulrike Demmer
       
       Wir unterbrechen das Programm für eine wichtige Durchsage: [1][Maria
       Furtwängler] dreht jetzt auch Dokus. Für die ARD streift die Hobbyimkerin
       gerade durch die Landschaft und ermittelt, was alles so im Wald und auf der
       Flur schiefläuft. Und wie heißt der leider nicht so große Spaß? Na klar,
       „Tatort Natur“. Dabei ist die bekennende Insekten-Nerdin nur die
       Bienenkönigin eines Trends im ARD-Verbund, in Sachen Doku auf bekannte
       Gesichter als Presenter*innen zu setzen. Mal sehen also, wo [2][Ingo
       Zamperoni] noch so überall auftaucht.
       
       Überhaupt hat sich die ARD ja ein neues Doku-Motto verordnet. „Radikale
       Relevanz“ lautet das. Wahrscheinlich heißt ihr Doku-Wettbewerb „Top of the
       Docs“ auch deshalb schon seit einiger Zeit nur noch [3][„TopDocs]“.
       Einsendeschluss ist übrigens dieses Jahr am 7. Juli, zu gewinnen gibt es
       300.000 Euro und einen „Sendeplatz im Ersten oder für die ARD-Mediathek“.
       
       Wenn sich bloß das Thema nicht läse wie das Ergebnis einer internen
       ARD-Klausurtagung. „Wie blickt die Generation der Millennials in
       Deutschland auf die Themen unserer Zeit?“ Na hoffentlich mit radikaler
       Relevanz! Was die Mitbewohnerin wohl so zu derlei Phraseologie sagen würde?
       
       Mehr davon droschen am Mittwochabend auch wieder Sendermenschen beim
       TopDocs-Empfang für Dokumacher*innen beim RBB. Früher entgleiste das
       schon mal, weil ARD-Programmdirektoren wie Volker Herres mit feiner
       Arroganz alle merken ließen, was sie vom Doku-Volk wirklich hielten.
       
       ## Ganz groß, radikal relevant
       
       Diesmal war Programmdirektorin Christine Strobl nicht da, dafür begrüßte
       RBB-Intendantin Ulrike Demmer, die Dokus glaubhaft gut findet.
       ARD-Chefredakteur Oliver Köhr führte derweil mit der bei Johannes B. Kerner
       abgekauften Lässigkeit eines Schuhverkäufers durch seinen Part. Ohnehin
       fragt sich, was diese Leistungsschau im eigenen Saft bringt, wenn am Ende
       Phrasen wie „2024 – Das Jahr der Ereignisse“ bleiben. Wobei die Wahlen
       hierzulande, in Europa und den USA mit Olympia und Fußball und allem
       möglichen weiteren Schwumms in den ganz großen, radikal relevanten Topf of
       the Docs geworfen werden. Apropos Fußball, ein „Sommermärchen wie 2006“
       soll bitteschön wieder her, wünschte sich ARD-Doku-Koordinator Thomas
       Hinrichs, wobei die Mannschaft ja gar nicht gut spielen müsse. Hauptsache,
       die Stimmung stimmt.
       
       Dass das nicht immer der Fall ist, machte die Produzentin Antje Boehmert
       für den Branchenverband AG Dok klar. Sie plädierte für ehrlichen Dialog
       statt hohler Phrasen: „Wenn das ‚Talk of the Town‘ genannt wird, fine with
       us. Doch wenn es nur um Zuspitzung geht, ist die AG Dok dagegen“. Es müsse
       auch Platz für die leise, ruhig erzählte Stoffe jenseits der
       „Eroberungszielgruppen“ sein, sagte Boehmert und lieferte den
       tiefsinnigsten Versprecher des Abends. Zu den wirklich relevanten Dokus
       zählt für sie nämlich auch [4][„Wir waren in der ARD“].
       
       23 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /ARD-Tatort-aus-Goettingen/!5988582
   DIR [2] /Anchorman-Zamperoni-reist-durch-Italien/!5957976
   DIR [3] https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/topdocs/index.html
   DIR [4] https://www.ardmediathek.de/video/dokumentation-und-reportage/wir-waren-in-der-afd-aussteiger-berichten/das-erste/Y3JpZDovL21kci5kZS9zZW5kdW5nLzI4MTA2MC8yMDI0MDExODIyNTAvcmVwb3J0YWdlLWRva3UtaW0tZXJzdGVuLTM1Ng
       
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