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       # taz.de -- Straßennamen in Bayern: SA-Mann soll bleiben
       
       > Wilhelm Burkhardt war in der SA, 2023 wurde in Allersberg eine Straße
       > nach ihm benannt. Jetzt stehen auch die Straßenschilder.
       
   IMG Bild: Wilhelm-Burkhardt-Straße in Allersberg
       
       München taz | Der Streit um eine Straßenbenennung im mittelfränkischen
       Allersberg nimmt kein Ende. Am vergangenen Freitag wurden dort die
       Straßenschilder der Wilhelm-Burkhardt-Straße aufgestellt. Wilhelm Burkhardt
       war nicht nur für kurze Zeit ein von den Amerikanern eingesetzter
       Bürgermeister des Ortes, er war vor allem auch in der SA, woran viele, aber
       keineswegs alle Allersberger Anstoß nehmen.
       
       [1][Der Fall hatte auch über den Ort hinaus für Aufsehen gesorgt], vor
       allem, weil es sich in diesem Fall – anders als bei den zahlreichen
       sonstigen Diskussionen um Straßennamen – nicht um eine Altlast handelte.
       Die Straße liegt in einem Neubaugebiet, der Beschluss, sie nach Burkhardt
       zu benennen, wurde erst vor knapp drei Jahren getroffen, ohne dass man –
       wiederum anders als in anderen Kommunen – nähere Informationen über den zu
       Ehrenden eingeholt hätte. 2022 kam dann die unrühmliche Vergangenheit des
       Mannes ans Licht.
       
       Im vergangenen Jahr war der Streit hochgekocht. Die Gegner sprachen von
       einer „Beleidigung für die Opfer des Nationalsozialismus“ und forderten
       eine sofortige Umbenennung. Eine solche Entscheidung des Gemeinderats wäre
       zu diesem Zeitpunkt noch unkompliziert gewesen, da damals noch keine
       Straßenschilder standen und der Straßenname auch als Adresse noch nicht im
       Gebrauch war. Die Befürworter der Ehrung für den SA-Mann wiederum gaben an,
       man wolle zunächst eine umfassende Untersuchung eines externen Historikers
       abwarten.
       
       Von einem solchen von der Gemeinde beauftragten Gutachten ist allerdings
       bis heute nichts bekannt. Mittlerweile hat jedoch der Erlanger Student
       Gregory Bey eine Bachelor-Arbeit zu dem Fall vorgelegt. Der Schluss, zu dem
       er kommt, ist eindeutig: Es lässt sich kaum etwas finden, was dafür
       spräche, dass die Person Burkhardt besonders zu würdigen sei, aber vieles,
       was gegen eine solche Ehrung spreche.
       
       Zum selben Schluss soll auch eine interne Bewertung der Gemeindearchivarin
       gekommen sein. Der parteilose Bürgermeister Daniel Horndasch jedoch
       bestreitet die Existenz eines solchen Dokuments. Beys wissenschaftliche
       Arbeit tut er indes als Privatmeinung ab – sehr zum Unmut von dessen
       Professor.
       
       ## Das Aufstellen der Schilder schafft Fakten
       
       Burkhardt sei doch aus der SA wegen politischer Unzuverlässigkeit entlassen
       worden und auch sonst als Nazigegner bekannt gewesen, argumentieren die
       Befürworter der Burkhardt-Straße, darunter Horndasch, gern. Doch
       tatsächlich zeigt ein näherer Blick auf die entsprechenden
       Spruchkammerakten, dass es fast nur eine Quelle gibt, die Burkhardt
       entlastet und ihn als Nazigegner beschreibt: Burkhardt selbst.
       
       Das heutige Stadtoberhaupt Horndasch wiederum regiert im Gemeinderat mit
       einer Koalition von Freien Wählern und Allersberger Bürgerforum. Für
       Letzteres sitzt auch Aris Maul im Gemeinderat. Maul ist Burkhardts Enkel.
       
       Mit dem Aufstellen der Straßenschilder werden nun zum Entsetzen vieler
       Allersberger weitere Fakten geschaffen. [2][Die Süddeutsche Zeitung
       schreibt unter Bezug auf Horndasch], die Schilder hätten schon länger im
       Bauhof gelegen und auf ihren Einsatz gewartet. Das Anbringen der jeweils 40
       Euro teuren Stücke sei nur im Winter etwas schwierig gewesen. Die Anwohner
       hätten jedoch ein Recht darauf, in einer ordentlich beschilderten Straße zu
       wohnen.
       
       Auch Bayerns Antisemitismus-Beauftragtem Ludwig Spaenle fehlt jedes
       Verständnis für das Beharren des Gemeinderats auf der umstrittenen Ehrung.
       „Unnötig für Allersberg“, schrieb der CSU-Politiker im vergangenen Juli auf
       Facebook, nachdem das Gremium einen Bürgerantrag auf Umbenennung verworfen
       hatte: „Eine Neubenennung einer neu angelegten Straße nach einem SA-Mann
       ist weder begründbar noch sinnvoll. Im Gegenteil: uralte Verhaltensmuster
       von Relativierungen, Halbwahrheiten und Verdrängung feiern hier
       ungewöhnliche Urständ.“
       
       13 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Ehrung-eines-SA-Mitglieds/!5936729
   DIR [2] https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-wilhelm-burkhardt-sa-strassenschild-nazi-vergangenheit-1.6344828
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Dominik Baur
       
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