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       # taz.de -- Proteste bei Lesung im Hamburger Bahnhof: Grenzen des Gesprächs austesten
       
       > Museen sollten sichere Orte für kontroverse Debatten sein. Alle müssen zu
       > Wort kommen dürfen, auch beim Thema Nahost-Konflikt.
       
   IMG Bild: Tania Bruguera bei ihrer Lesung im Hamburger Bahnhof in Berlin am 7. Februar
       
       Was das repressive kubanische Regime 2015 noch mit Presslufthämmern
       versuchte, haben propalästinensische Aktivist*innen jetzt in Berlin
       erreicht: Sie haben die von Tania Bruguera initiierte Lesungsperformance
       des [1][Totalitarismusbuchs von Hannah Arendt] gesprengt. Auf Kuba hatte
       die Künstlerin den Text aus dem Fenster ihrer Wohnung heraus gelesen. Das
       Regime versuchte das mit Baustellenlärm zu übertönen.
       
       In Berlin fand die Lesung im Hamburger Bahnhof, einem Museum, statt – bis
       die [2][Gruppe von Aktivist*innen sie torpedierte]. Mitten in der
       deutschen Hauptstadt werden derzeit die Grenzen des Gesprächs miteinander
       ausgetestet, und zwar ganz anders, als die Vertreter*innen eines
       Zensurnarrativs sagen. Dieses Narrativ behauptet, dass
       Antisemitismusvorwürfe die Kritik an Israel delegitimieren und
       propalästinensische Stimmen zum Schweigen bringen sollen. Das stimmt aber
       nicht.
       
       Antisemitismus ist keine Meinung und darf nicht geduldet werden, Punkt.
       Kritik an Israel kann geübt werden – und wer hätte sie gegenüber der in
       Teilen rechtsradikalen Regierung von [3][Benjamin Netanjahu] nicht? Es geht
       aber auch um die Art und Weise, wie hier agiert wird.
       
       Schreiaktionen wie im Museum Hamburger Bahnhof – und vergangene Woche an
       der [4][Humboldt-Universität], als eine im Übrigen Netanjahu-kritische hohe
       israelische Richterin niedergebrüllt wurde – mögen instagramable aussehen,
       schaden aber in Wirklichkeit der Sache, wenn diese denn darin besteht, dass
       jeder, der etwas zu sagen hat, zu Wort kommen soll. Und darin besteht das
       Anliegen doch, oder?
       
       Wenn nicht, kann man nicht anders, als die Aktion am Hamburger Bahnhof als
       antisemitisch zu lesen. Die Unis und die Museen aber müssen sichere Orte
       eines differenzierten Nachdenkens sein, auch über den Nahen Osten. Tania
       Bruguera wollte dazu beitragen. Das haben die Aktivist*innen
       unterbunden. Wollen sie am Diskurs teilnehmen? Oder wollen sie Diskurs
       gerade verhindern? Derzeit sieht es nach Letzterem aus.
       
       13 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Kubanische-Kuenstlerin-zu-Hannah-Arendt/!5989599
   DIR [2] https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2024/02/lesung-hannah-arendt-100-stunden-abbruch-protest-hamburger-bahnhof-berlin.html
   DIR [3] /Proteste-in-Israel/!5984271
   DIR [4] /Anti-israelischer-Tumult-an-Berliner-Uni/!5991355
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Dirk Knipphals
       
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