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       # taz.de -- Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft: Die Ecowas schrumpft
       
       > Die Ecowas verliert drei Mitglieder. Die Militärregierungen von Mali,
       > Burkina Faso und Niger wollen austreten. Die Organisation weiß davon noch
       > nichts.
       
   IMG Bild: Am Ecowas-Tisch werden Plätze frei – Archivbild vom Verteidigungsministertreffen im August 2023 in Accra, Ghana
       
       Cotonou taz | Es sorgt für Wirbel in Westafrika: Die Länder [1][Mali],
       [2][Burkina Faso] und Niger, in [3][denen Militärregierungen an der Macht
       sind], wollen [4][die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas] –
       derzeit hat sie 15 Mitgliedstaaten – mit sofortiger Wirkung verlassen. Die
       vor 49 Jahren gegründete Regionalorganisation würde „unter dem Einfluss
       ausländischer Mächte“ stehen und deren Gründungsprinzipien verraten. Das
       sei eine Bedrohung für die Mitgliedstaaten, heißt es in einer gemeinsamen
       Presseerklärung. Für Mali las diese Oberst Abdoulaye Maïga, in der
       Übergangsregierung Minister für territoriale Verwaltung und
       Dezentralisierung, im Staatsfernsehen vor.
       
       Weiter heißt es, dass die Organisation Mali 2012 im Kampf gegen
       terroristische Gruppierungen nicht unterstützt habe. Die damalige
       Entwicklung gilt als Auslöser für [5][die schwere Sicherheitskrise im
       Sahel]. Aufgrund der Ausbreitung von Terrorbewegungen, die dem „Islamischen
       Staat“ (IS) und al-Qaida nahestehen, sind mehr als drei Millionen Menschen
       auf der Flucht. Gewalt gegen die Zivilbevölkerung geht allerdings auch von
       staatlichen Sicherheitskräften aus.
       
       In ihrer Erklärung betonen die Staats- und Regierungschefs der drei
       Sahel-Staaten außerdem, sie wollten Verantwortung für die Geschichte
       übernehmen und auf Erwartungen, Sorgen und Sehnsüchte der Bevölkerung
       reagieren. Die Wortwahl erinnert an den in der Region hoch verehrten
       burkinischen Nationalhelden Thomas Sankara, der nach einem Putsch 1983 die
       Macht übernahm und im Oktober 1987 ermordet wurde. In seiner berühmten Rede
       vor den Vereinten Nationen betonte auch er, Burkina Faso wolle sein
       Schicksal künftig selbst in die Hand nehmen.
       
       Im Kurznachrichtendienst X gab die Ecowas bekannt, bisher nicht formell
       über den Austritt informiert worden zu sein. Atiku Abubakar, der bei
       [6][der Präsidentschaftswahl in Nigeria im vergangenen Jahr] hinter Bola
       Tinubu Zweiter wurde, nannte die Entwicklung „besorgniserregend“. Es
       handele sich um einen ernsthaften diplomatischen Zusammenbruch.
       
       Nigerias Präsident Tinubu, der aktuell Vorsitzender der Organisation ist,
       äußerte sich bisher nicht. Er befindet sich privat in Frankreich. Auch
       andere Staats- und Regierungschefs haben die Entwicklung noch nicht
       kommentiert.
       
       Mali ignorierte Forderungen der Ecowas 
       
       Mit der Ankündigung erreichen die Spannungen zwischen der
       Regionalorganisation und den drei Sahel-Staaten einen neuen Höhepunkt. Seit
       dem ersten [7][Putsch im August 2020 in Mali] hat die Ecowas Wahlen und
       somit die Rückkehr zu einer zivilen Regierung gefordert. Mali ignorierte
       das mehrfach und setzte dafür erarbeitete Zeitpläne mehrfach aus. Vor zwei
       Jahren verhängte Sanktionen änderten daran nichts, sondern schürten
       innerhalb der Bevölkerung die Wut auf die Ecowas. Vermittlungen
       scheiterten.
       
       Ungewohnt deutlich wurde der regionale Block nach dem [8][Putsch in Niger
       im Juli 2023]. Tinubu drohte mit einer Militärintervention, zu der es
       jedoch nie kam. Wirtschaftssanktionen bestehen allerdings weiterhin, wozu
       auch eine geschlossene Grenze zum südlichen Nachbarland Benin gehört.
       Lebensmittelpreise sind gestiegen. Hilfsorganisationen warnten in den
       vergangenen Monaten mehrfach, dass auch medizinische Produkte knapp werden
       und sich verteuern, weil kein Nachschub ins Land kommt.
       
       Die Kritik an dem regionalen Zusammenschluss, der einst wirtschaftliche
       Beziehungen vereinfachen wollte, ist allerdings nicht neu. Beispielsweise
       kritisierten Aktivist:innen, dass die Organisation Verfassungsänderungen
       zulasse, damit Präsident:innen länger als vorgesehen an der Macht
       bleiben können. Das betraf die Elfenbeinküste und Togo.
       
       Die Ecowas gilt auf dem Kontinent als stärkste Regionalorganisation.
       Zentral ist das Protokoll zur Personenfreizügigkeit aus dem Jahr 1979. Es
       regelt, dass Ecowas-Bewohner:innen innerhalb der Region keinen Reisepass
       brauchen, sich bis zu 90 Tage ohne Visum in allen Mitgliedstaaten aufhalten
       und ihren Wohnsitz frei wählen können.
       
       Bisher hat es erst einen Austritt gegeben: Gründungsmitglied Mauretanien
       verließ die Organisation im Jahr 2000. Seit 2019 gibt es allerdings wieder
       ein Kooperationsabkommen. Eins der Ziele der Ecowas ist es, die
       Zusammenarbeit in der Terrorismusbekämpfung zu stärken.
       
       29 Jan 2024
       
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