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       # taz.de -- Bar im Fernsehturm neueröffnet: Drinks und unerwartete Gespräche
       
       > Zur Neueröffnung der Bar im Berliner Fernsehturm sind neben Promis auch
       > Menschen eingeladen, die die Stadt bewegen. Ein Barabend der anderen Art.
       
   IMG Bild: Die neue Bar im Berliner Fernsehturm kommt in den Farben Bordeaux und Nachtblau daher
       
       Berlin taz | Der Mittwochabend auf 203 Meter Höhe beginnt mit einer
       zunächst nicht erfolgreichen Suche. Im ausgeteilten Pressetext zur
       Neueröffnung der [1][„Sphere Bar“], sind als Gäste nicht nur irgendwelche
       Promis, sondern auch „echte Helden Berlins“ angekündigt. Gemeint sind
       „Menschen, die diese Stadt wirklich bewegen und am Leben erhalten“.
       
       Schnell füllt sich die Aussichtsplattform des Berliner Fernsehturms, wo die
       Bar zu finden ist, mit Menschen. Stichproben ergeben: Es handelt sich
       zunächst vor allem um Medienvertreter, wie man selbst einer ist. Und zwei
       Mitarbeiterinnen der BVG-Marketingabteilung sind da. Sie sind schon beim
       ersten Drink.
       
       Es werden verschiedene Longdrinks („Tower Aperol“) und Biercocktails („Bier
       Royal“), aber auch Wein und Wasser serviert. Anja Nitsch, die
       Geschäftsführerin des Berliner Fernsehturms, mag am liebsten Gin Bier – das
       ist Pils gemixt mit Berliner Gin und Holundersirup –, wie sie der taz
       verrät. Das neue Bar-Konzept „setzt auf Regionalität“ (wie schon [2][das
       Restaurant] vier Meter über uns). Erstmals gibt es an der Bar nun auch
       gezapftes Bier; es kommt von [3][„BRLO“], einer Berliner Brauerei.
       
       Der Fernsehturm wird vom Unternehmen Magnicity betrieben, nach eigenen
       Angaben Weltmarktführer für Aussichtsplattformen. Seit zwei Jahren laufen
       sukzessive Umbaumaßnahmen im Berliner Fernsehturm, ganz sanft, weil der
       unter Denkmalschutz steht.
       
       ## Bar steht nicht unter Denkmalschutz
       
       Die Bar aber, erzählt Anja Nitsch, wurde ja erst 1996 eingebaut – „sie
       steht deshalb nicht unter Denkmalschutz, aber wir haben uns eng mit dem
       Denkmalschutz abgestimmt, uns alte Fotos vom Restaurant aus den 1960er
       Jahren angeschaut, damit sich die neue Bar gut ins Gesamtensemble einfügt.“
       
       Und das ging fix: „Planung und Umsetzung dauerten nur ein Jahr“, sagt sie.
       Wenn das doch in ganz Berlin so wäre. Oder liegt das an der Nähe zum
       Himmel?
       
       Und ja, die neue Bar ist durchaus gelungen. Sie wirkt mit ihrer
       LED-Deckenbeleuchtung wie ein kleines Raumschiff in der großen Kugel über
       dem Alexanderplatz. Das Design? Es gibt viel Holz, aber auch Messing, Vinyl
       oder Glas. Die warme Atmosphäre ist wie geschaffen für einen Smalltalk,
       während draußen das nächtliche Berlin zu Füßen liegt.
       
       ## Smalltalk und netzwerken
       
       Einen Rotwein später ist dann Sabine Werth, die Gründerin der [4][Berliner
       Tafel], zu Gast. Sie findet die Idee super, „die wahren Promis der Stadt“
       einzuladen, „die Leute, die mit ihrem Ehrenamt Berlin am Laufen halten“.
       Die gebürtige Berlinerin ist ja auch eine von diesen engagierten Menschen.
       Sie war übrigens zuletzt vor „acht oder neun Jahren auf dem Turm. Deshalb
       ist das heute Abend eine schöne Gelegenheit, mal wieder auf dem höchsten
       Gebäude der Stadt zu sein.“
       
       Und zu netzwerken. Zum Beispiel mit Elke Schilling, der Gründerin von
       [5][Silbernetz], einem Netzwerk gegen Vereinsamung im Alter. Oder mit Ute
       Evensen von der Teamleitung [6][Evas Haltestelle], dem Zentrum für
       wohnungslose Frauen im Wedding.
       
       Was hält Ute Evensen von der Einladung zu so einem Event in luftiger Höhe?
       Sie findet das gut: „Das ist ein Zeichen von Wertschätzung“, sagt sie der
       taz. „Wir werden wahrgenommen. Wir sind hier, um die Werbetrommeln für uns
       zu rühren!“ Das ist nötig, „weil wohnungslose Frauen in den Medien wie in
       den Verwaltungen vernachlässigt werden“, sagt Evensen. Dabei steigen die
       Zahlen von Jahr zu Jahr. „Im Vergleich zu 2022 haben wir 2023 eine Zunahme
       unserer Besucherinnenzahlen um 30 Prozent zu verzeichnen.“
       
       Was für ein unerwartetes Gespräch an so einem feuchtfröhlichen Barabend.
       
       1 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://tv-turm.de/sphere-bar/
   DIR [2] /Die-Wochenvorschau-fuer-Berlin/!5972750
   DIR [3] https://www.brlo.de/
   DIR [4] https://www.berliner-tafel.de/
   DIR [5] https://silbernetz.org/
   DIR [6] https://www.caritas-berlin.de/aktuelles/ehrenamt/evas-haltestelle
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Hergeth
       
       ## TAGS
       
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