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       # taz.de -- Polizeieinsätze im Görlitzer Park: Spranger rechnet besser als ihr Chef
       
       > Kai Wegner will den Görli einzäunen – und begründet das mit falschen
       > Zahlen. Die Innensenatorin hat den Regierenden nun widerwillig
       > korrigiert.
       
   IMG Bild: Alles für einen Zaun: Der Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) auf Görli-Safari am 23. Januar
       
       Berlin taz | Kai Wegner hat die Absicht, einen Zaun zu errichten – um den
       Görlitzer Park. Das hat der Regierende Bürgermeister (CDU) in der
       vergangenen Woche bei einem [1][skurrilen Mini-Spaziergang durch den Park]
       bekräftigt und Kritik an dem Plan mit falschen Zahlen abgeschmettert, wie
       nun ausgerechnet Innensenatorin Iris Spranger (SPD) einräumen musste.
       
       Wegner hatte versichert, den Park nachts abzuschließen werde sich nicht
       negativ auf die umliegenden Kieze auswirken, denn: „Die Polizei verzeichnet
       72.000 Einsatzstunden im Jahr im Park. Wenn ich diese Stunden nachts aus
       dem Park rausnehme und damit die Wohngebiete schütze, verhindern wir die
       Verdrängung in die umliegenden Wohngebiete.“
       
       72.000 Arbeitsstunden pro Jahr im Park, die in Zukunft teils in die
       angrenzenden Kieze verlegt werden könnten? Klingt übertrieben. Und ist es
       auch. Tatsächlich entfielen in den vergangenen Jahren jeweils zwischen
       6.000 und 12.000 Arbeitsstunden von Polizist*innen auf den eigentlichen
       Park, wie aus einer [2][Antwort der Innensenatsverwaltung] auf eine
       Grünen-Anfrage vom vergangenen Herbst hervorgeht.
       
       Diese Zahlen bestätigte Spranger am Montag im Innenausschuss und wies
       darauf hin, die von Wegner genannten 72.000 Stunden bezögen sich auf den
       gesamten „kriminalitätsbelasteten Ort Görlitzer Park und Wrangelkiez“. Der
       aber umfasst nicht nur den Park, sondern auch angrenzende Gebiete. Hier
       darf die Polizei jederzeit sogenannte verdachtsunabhängige Kontrollen
       durchführen.
       
       ## Wegners Argument macht keinen Sinn
       
       Spranger versuchte noch, alles als ein Missverständnis darzustellen: Der
       Regierende habe eben den „kriminalitätsbelasteten Ort“ gemeint und nicht
       den Park allein. Sie wagte es auch nach mehrfacher Nachfrage nicht, das
       Offensichtliche auszusprechen: dass das Argument ihres Chefs Kai Wegner
       keinen Sinn ergibt.
       
       Schließlich entfällt der Großteil der Einsatzstunden bereits auf die
       Umgebung des Parks, die Wegner durch die nächtliche Schließung „entlasten“
       will. Das Einsparpotenzial bei den Arbeitsstunden ist also um ein
       Vielfaches geringer, als Wegner behauptet hat.
       
       So oder so stößt die Vorstellung von noch stärkerer Polizeipräsenz in den
       betroffenen Kiezen auf wenig Begeisterung. Das Bündnis „Görli zaunfrei!“
       etwa [3][kritisiert eine „populistische law-and-order-Politik“] des Senats
       auf dem Rücken der Anwohner*innen. Anstatt Millionen für den Zaun zu
       verpulvern, brauche es nachhaltige Antworten auf die Drogenkrise.
       
       29 Jan 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Senatstour-in-Friedrichshain-Kreuzberg/!5984422
   DIR [2] https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-16704.pdf
   DIR [3] https://www.bizim-kiez.de/blog/2023/11/14/unser-park-bleibt-auf-wir-sind-bei-goerli-zaunfrei-dabei/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Hanno Fleckenstein
       
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