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       # taz.de -- 100. Todestag Lenins in Russland: Lebendiger als die Lebenden
       
       > Vor 100 Jahren ist Lenin gestorben. In der russischen Erinnerungspolitik
       > spielt er fast keine Rolle mehr. Warum ist das so?
       
   IMG Bild: Keine Liebe für den Genossen: Ein Demonstrant zerreißt ein Lenin-Plakat auf einer Demo in Moskau 1990
       
       Vor genau 100 Jahren starb Wladimir Lenin. In der UdSSR war er omnipräsent.
       Seine Bilder hingen in sämtlichen Schulklassen; Straßen und Plätze,
       Betriebe und Hochschulen wurden nach ihm benannt. Der „Anführer des
       Weltproletariats“ galt als Vorbild, gar als „bester Mensch auf der Welt“.
       Das pompöse Mausoleum mit seiner Mumie auf dem Moskauer Roten Platz
       spiegelte den nahezu grenzenlosen Lenin-Kult wider.
       
       Selbst Michail Gorbatschow hat 1985 im Rahmen seiner Perestroikapolitik
       zunächst die Parole „Zurück zu Lenin“ ausgegeben. Seine Reformen machten
       eine kritische Auseinandersetzung mit Lenin möglich. Man reflektierte den
       „roten Terror“ und bolschewistische Verbrechen. Lenins antirussische
       Ressentiments wurden thematisiert. Auch die im Westen längst bekannte
       Tatsache, dass Lenins Rückkehr aus dem Schweizer Exil nach Russland und der
       anschließende bolschewistische Umsturz von Berlin ermöglicht und finanziert
       wurden, beschädigten seinen Ruf. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus
       galt Lenin zunächst als Unperson, seine Beerdigung schien nur eine Frage
       der Zeit zu sein.
       
       Sowohl Jelzin als auch Putin hielten und halten nicht viel von Lenin. Putin
       wirft dem „westlich geprägten Fanatiker“ die Zerstörung des Zarenreiches
       vor, die Gründung der verhassten Ukraine und Verbindungen mit dem
       Kaiserreich in Deutschland. Die Beerdigung der Leiche hat er jedoch nicht
       riskiert. Denn es sind vor allem ältere Menschen – seine Wähler*innen –
       die gegen die Beerdigung sind. Putin will außerdem nicht, dass sein Umgang
       mit Lenin mit der Ukraine und mit dem Baltikum in Verbindung gebracht wird,
       wo Lenin verhasst und abgelehnt wird.
       
       Nach einer neuesten russischen Umfrage bewerten 47 Prozent Lenin positiv
       und lediglich 15 Prozent negativ. Eine Mehrheit unterstützt zwar
       grundsätzlich seine Beerdigung, sieht jedoch darin keine Eile.
       
       Der tote Lenin hat somit gute Chancen, die heutige russische Führung im
       Mausoleum zu überleben. Er ist, wie der sowjetische Dichter Wladimir
       Majakowski vor 100 Jahren betonte, „auch jetzt lebendiger als alle
       Lebenden“.
       
       22 Jan 2024
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Alexander Friedmann
       
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